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Benefiz-Konzerte

Yemen Blues am 6. November 2012

Yemen Blues am 6. November 2011

Alljährliches Kultur-Highlight unseres Veranstaltungsprogramms war am 6. November 2011  unser 15. Rabin-Gedenkkonzert mit der Band YEMEN BLUES.  Im Großen Sendesaal des RBB boten die Musiker eine ungewöhnliche Mischung aus Blues, Jazz und Funk – und brachten die erst skeptischen Zuhörer am Ende auf die Füße. In über 90 Minuten ohne Pause wurde der Kontakt zum Publikum immer besser, heizte sich der Saal langsam auf. Es wurde geklatscht, getanzt, gelacht und auf dem Heimweg einhellig voller Begeisterung vom „besten Konzert der DIG seit langem“ geschwärmt.

Das Ensemble von Frontman Ravid Kahalani (Vocals & Gimbri) mit Amos Hoffmann (Oud), Yossi Fine (Bass), Galia Hai (Viola), Hilla Epstein (Cello), Hadar Noiberg (Flute), Itamar Borochov (Trumpet), Rafi Malkiel (Trombone), Rony Iwryn (latin Percussion) und Yohai Cohen (Middle Eastern Persussion) spielte vor allem arabische Klänge und Variationen von jüdischen Gebetsmelodien.

Kahalani stammt aus einer jüdisch-jemenitischen Familie, zu der stimmgewaltige Kantoren zählten. Er selbst begann in der Synagoge zu singen, Musik ist für ihn heute „meine Religion“. Beeinflusst wurde er u.a. von den religiösen Gesängen der orthodoxen serbischen Kirche. Faszinierend sein Stimmvolumen, spürbar seine Ausbildung als Counter-Tenor. Kahalani gründete YEMEN BLUES gemeinsam mit dem Kontrabassisten und Oud-Spieler Omer Avital – diesmal leider nicht dabei.

So viel Stimmung war selten ...

So viel Stimmung war selten ...

Mehrmals wies Kahalani darauf hin, dass die Band  die Ziele von Yitzhak Rabin für Frieden und Aussöhnung mit den arabischen Nachbarn unterstütze und froh sei, bei diesem Gedenkkonzert dabei zu sein. Für ihn gebe es keine guten und schlechten Religionen, sondern nur gute gläubige Menschen. Auch betonte er immer wieder, wie wichtig es sei, sich für soziale und humanitäre Hilfsorganisationen wie Meir Panim einzusetzen, der die Einnahmen dieses 35. Wohltätigkeitskonzert der DIG zugute kommen. Diese Mischung – mit seinem Eintrittsgeld nicht nur einen tollen Konzertabend zu erleben, sondern auch Gutes zu tun – hätte eigentlich noch mehr Menschen motivieren sollen teilzunehmen. Die, die da waren, klangen jedenfalls so: „Das Temperament und die Hingabe der Gruppe war einfach umwerfend”. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Seit eineinhalb Jahren erobert die Band mit ihren traditionellen Instrumenten aus dem Jemen und groovender Bläser- und Percussions-Sektion die Bühnen der Welt. Am 17. Juli war die Gruppe beim Sommer Open Air Festival Wassermusik 2011 im Haus der Kulturen der Welt schon einmal zu Gast in Berlin.
Lesen Sie im Folgenden das Grußwort von Jochen Feilcke:

Jochen Feilcke

Jochen Feilcke

“Herzlich willkommen zum 35. Benefizkonzert der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Berlin und Potsdam.

Seit der Ermordung des unvergessenen Staatsmannes Yitzhak Rabin am 4. November 1995 ist unser Benfizkonzert zugleich unser jährliches Rabin-Gedenkkonzert. Vor 16 Jahren wurde dieser unvergeßliche und unvergessene Staatsmann von einem Fanatiker kaltblütig erschossen – wir gedenken seiner in Verehrung und Dankbarkeit.

Heute haben wir noch einen weiteren Grund für ein stilles Gedenken: Unser Ehrenvorsitzender Heinz Striek ist vor wenigen Tagen im hohen Alter von 93 Jahren verstorben. Wir werden bei anderer Gelegenheit sein Wirken für die deutsch-israelische Freundschaft ausführlicher würdigen, für heute nur so viel: ohne ihn, der 23 Jahre unser Vorsitzender war, gäbe es diese wunderbare Tradition der Benefizkonzerte sicher nicht. Wir werden Heinz Striek ein ehrendes Andenken bewahren.

Wir danken Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich und dem Botschafter des Staates Israel Yoram Ben-Zeev für die Übernahme der Schirmherrschaft und grüßen sehr herzlich den Gesandten des Staates Israel Herrn Emmanuel Nahshon und weitere  Diplomaten und Botschaftsmitarbeiter. Lieber Emmanuel, danke für die stets freundschaftliche Zusammenarbeit! Wir freuen uns besonders auf Dein Grußwort.

Ich freue mich, weitere Ehrengäste willkommen heißen zu dürfen:

Lala Süßkind, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und weitere Mitglieder des Vorstandes und der RV und natürlich auch Kandidaten für die nächste RV, wie z.B.

Micha Guttmann. Er war früher Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland und ist jetzt in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin aktiv. Jetzt muß er noch Mitglied der DIG werden, dann ist er richtig angekommen!

Mirko Freitag und Micha Guttmann

Mirko Freitag und Micha Guttmann

Dr. Sabine Bergmann-Pohl, ehemalige Präsidentin der frei gewählten Volkskammer der DDR, dann Bundesministerin, heute Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Landesverband Berlin

Margarete Koppers, Polizeivizepräsidentin, amtierende Präsidentin

Jael Botsch-Fitterling, Jüd. Vorsitzende der GCJZ

Nathan Gelbart, Vorsitzender KH Deutschland

Dan Lahav, Jüdisches Theater Bimah

Mit unserem 35. Benefizkonzert wollen wir einen finanziellen Überschuß erzielen, den wir MEIR PANIM zugedacht haben. Wir begrüßen den Deutschland-Repräsentanten Michael Keller und freuen uns, gleich mehr über Meir Panim von ihm zu hören.

Wie in jedem Jahr geben wir zum Zeitpunkt unseres Konzertes ein Magazin heraus. Es ist in diesem Jahr besonders gut gelungen – das verdanken wir unserer stellv. Vorsitzenden Maya Zehden und der Journalistin Martina Fischer. Danke!

Vor 45 Jahren wurde unsere Berliner Arbeitsgemeinschaft gegründet. Vieles von dem, was wir organisieren und auf die Beine stellen, können Sie unserem Magazin entnehmen.

Sehr herzlich danke ich allen Inserenten, die unser Konzertmagazin ermöglicht haben.

Liebe israelische Freunde, liebe Freunde Israels, die Deutsch-Israelische Gesellschaft ist die Gemeinschaft der Freunde Israels. Wir wollen, daß die einzigartigen Beziehungen immer einzigartig gute Beziehungen sind. Wir meinen damit eine unverbrüchliche Freundschaft und Solidarität nicht nur bei gutem Wetter sondern besonders dann, wenn nicht nur die Regierung sondern der Staat Israel insgesamt gegen den Sturm der veröffentlichten Meinungen zu kämpfen haben. Nie war die deutsch-israelische Freundschaft stärker gefordert als heute!

In diesem Sinne bitte ich nun den Gesandten des Staates Israel, unseren Freund Emmanuel Nahshon,  zu uns zu sprechen.”

Matthei Meidler, und Maya Zehden gehörten auch zu den Tänzern.

Matthei Meidler, Solveig Bellgardt und Maya Zehden gehörten auch zu den Tänzern.

Emmanuel Nachshon und seine Frau tanzten am Ende mit.

Der israelische Gesandte, Emmanuel Nahshon, tanzte mit.

Der Applaus nach dem Konzert war groß und natürlich gab es am Ende eine Zugabe.

Der Applaus nach dem Konzert war groß und natürlich gab es auch diesmal eine Zugabe.

Am Ende freuten sich alle über ein gelungenes Konzert.

Das Tzahal-Orchester mit Ilan Rothem, Jacov Snir, Jochen Feilcke, Nathan Gelbert, Commander Oded Nahari und Reuven Rozen.

Ein toller Erfolg!

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DIG-Magazin 2010

Keren Hadar

Keren Hadar

DIG-Konzert-Magazin 2009

Am Abend des 1. November 2009 erlebten rund 300 Gäste im Großen Sendesaal des RBB einen faszinierenden Abend mit der israelischen Sängerin Keren Hadar, begleitet am Flügel von Yoni Farhi. Beide Künstler sind in Israel geboren und standen nicht das erste Mal gemeinsam auf der Bühne.

Folgende Ehrengäste konnte der DIG-Vorsitzende Jochen Feilcke in seinem Grußwort in Begleitung ihrer Frauen begrüßen: S.E. Neville Melvin Gertze, Botschafter Namibias, S.E. Miro Kovac, Botschafter Kroatiens, und S.E. Everton Vieira Vargas, Botschafter Brasiliens. Ein herzliches Willkommen ging auch an Frank Henkel, MdA sowie CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzender in Berlin, Klaus Uwe Bennetter, MdB a.D., an den Filmemacher Atze Brauner sowie Klaus Schürmann und Jael Botsch-Fitterling vom Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Heinz Striek mit seiner Gemahlin und Emanuel Nachschon (rechts)

Heinz Striek mit seiner Gemahlin und Emanuel Nachshon (rechts)

Einen besonderen Gruß widmete der Vorsitzende wie schon im letzten Jahr unserem langjährigen Ehrenvorsitzenden Heinz Striek und seiner lieben Frau, die kurz zuvor ihren 71.sten Hochzeitstag feiern konnten. Neben Emmanuel Nachshon, neuer Gesandter an der Botschaft des Staates Israel, waren rund 15 weitere Botschaftsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter gekommen, darunter auch die jüngst nach Berlin zurück gekehrte Kulturreferentin Dvora Ben-David. Frau Intendantin Dagmar Reim und weitere leitende RBB Mitarbeiter waren ebenfalls zum Konzert gekommen, was mit Freude vermerkt wurde.

In Vertretung des israelischen Botschafters und Schirmherrn des Konzerts, S.E. Yoram Ben Zeev, sprach der neue Gesandte des Staates Israels, Emmanuel Nachshon, ein Grußwort, in dem er an den unvergesslichen israelischen Staatsmann erinnerte.

Stellvertretend für den Freundeskreis des Hadassah-Krankenhauses in Jerusalem, für deren Pädiatrische Abteilung in diesem Jahr der Konzerterlös gedacht ist, richtete Alexander Fürst zu Schaumburg Lippe einige Worte an das Publikum. Dabei betonte er, dass die dortige Zusammenarbeit zwischen jüdischen und arabischen Ärzten und die Behandlung von Kindern aus der ganzen Region – gleich welcher Herkunft – ganz im Sinne des zu ehrenden ermordeten Premierministers sei. Dabei bedankte sich der Fürst im Voraus für jede Unterstützung, die dringend benötigt würde.

Alexander Fürst zu Schaumburg Lippe
Alexander Fürst zu Schaumburg Lippe

Das Programm umfaßte hebräische, sefardische und ladinische Volksweisen ebenso wie Lieder aus der Gründungszeit des jüdischen Staates, zu dessen “Urgestein” Yitzhak Rabin gehörte. Während die Sängerin das Publikum mit ihrem natürlichen Charme und einer Stimme mit wunderbaren Stimme begeisterte, zeigte Yoni Farhi am Flügel unbegrenzte Virtuosität und gab jedem Stück seine ganz eigene Interpretation. Besonders nachhaltig blieb das Shir laShalom in Erinnerung, das als “Friedenslied” eigentlich für die positive Hoffnung auf Frieden steht, an diesem Abend aber zur balladenhaften Elegie mutierte – mit allem, was wir heute wissen, durchaus richtig und gerade deshalb so schmerzlich. Es machte nach seiner Ermordung Geschichte. Der Text wurde – blutverschmiert – in Rabins  Jackentasche gefunden, nachdem er es noch kurz zuvor mit der israelischen Sängerin Miri Aloni und mehr als 150 000 Friedensanhängern zum Abschluss der großen Kundgebung vor dem Rathaus in Tel Aviv gesungen hatte. Es gilt heute als sein Vermächtnis, zumal er sich vielleicht nie zuvor so sicher war, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

Keren Hadar

Keren Hadar

Weitere Bilder vom Rabin-Gedenkkonzert mit Keren Hadar

Wir waren 2008 auf die vielversprechende junge Künstlerin aufmerksam geworden: Anlässlich des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht beteiligte sich die DIG Berlin und Potsdam an dem vom Trägerverein Neues Kammerorchesters Potsdam e.V. und der Landeshauptstadt Potsdam organisierten Eröffnungskonzert der jährlichen „Vocalise“. Teil des Konzerts war die deutsche Uraufführung des von der israelischen Komponistin Ella Milch-Sheriff für Keren Hadar geschriebenen Stückes „Dark am I“ nach dem Hohenlied Salomos, bei dem diese das Publikum wie auch die anwesende Komponistin ein weiteres Mal durch die ungeheure Spannbreite ihres musikalischen Könnens begeisterte. Ein Jahr zuvor hatte das Stück beim Israel-Festival in Tel Aviv Premiere gefeiert. Nachdem wir anlässlich der „Woche der Brüderlichkeit“ im März 2009 Ella Milch-Sheriff mit ihrem Buch „Ein Lied für meinen Vater“ (mit Ingeborg Prior) präsentieren konnten, begeisterte uns Keren Hadar im November als Interpretin bei unserem größten jährlichen kulturellen Event.  Wir haben es keine Sekunde bereut.

Das Publikum forderte drei Zugaben, darunter Edith Piafs “Smiles” in der hebräischen Version von Lea Naor.

Jochen Feilcke dankt Keren Hadar mit einem Blumenstrauss.

Jochen Feilcke dankt Keren Hadar mit einem Blumenstrauss.

Die Sopranistin Keren Hadar ist Absolventin der Beit Zvi Akademie für Darstellende Künste Israel. Mit Unterstützung von Daniel Barenboim vervollkommnete sie in den Jahren 2006/07 in Berlin ihre Ausbildung im Opernfach. 2007 gehörte sie zu den Preisträgerinnen des Schloss Rheinsberg-Gesangswettbewerbs und trat anschließend erfolgreich als Nannetta in Verdis Falstaff auf.

Als Solistin sang sie u.a. mit dem Israel Philharmonic Orchestra, der Israel Camerata Jerusalem, dem Jerusalem Symphony Orchestra, dem Haifa Symphony Orchestra und dem Westchester Philharmonic Orchestra New York. 2008 trat Hadar in der Bundeshauptstadt mit den Berliner Philharmonikern auf, sang in Potsdam mit den Brandenburger Symphonikern Mozart sowie mit der Potsdamer Kantorei Werke von Mendelssohn und Paul Ben Haim. Anlässlich des 100. Geburtstages von Tel Aviv übernahm sie im Juli 2009 die Solopartie bei der Uraufführung von Ella Milch-Sheriffs „Night’s End Anthem“ des Israel Philharmonic Orchestra unter Leitung von Zubin Mehta.

Keren Hadar tritt darüber hinaus regelmäßig bei wichtigen israelischen Musikfestivals (z.B. dem Israel Festival), aber auch bei ausländischen Musikveranstaltungen u.a. in Deutschland, Großbritannien, Belgien, Kroatien, Polen und in China, auf.

Die vielseitige und charismatische israelische Sängerin widmet sich dem Konzert- und Operngesang also ebenso wie israelischen Traditionals, Cross-Over- und Weltmusik. Seit 2008 gehört sie zu den von der Israel Cultural Excellence Foundation (IcExcellence) ausgezeichneten „hervorragenden Künstlern Israels“.

Yoni Farhi, Kind bulgarisch-argentinischer Eltern, faszinierte mit seiner Virtuosität am Flügel. Er ist nicht nur Pianist, sondern auch Dirigent, Arrangeur, Musikproduzent. Als Assistent des Direktors des Symphonieorchesters Haifa, Noam Sheriff, unterrichtet er auch Klavier am Levinsky College in Tel Aviv.

2006 gewann Yoni Farhi den „Gina Bachauer Award“ der American-Israeli Cultural Foundation. Er trat – oft gleichzeitig – als Solist und Dirigent beim Haifa Symphony-Orchester auf, beim „Jerusalem Camerata Orchestra“, „Israel Chamber Orchestra“, beim „Raanana Symphonette“ und „Tel-Aviv Soloists Ensemble“. Er lernte bei Noam Sheriff Dirigat, Komposition mit Sergiu Natra und Klavier bei Hadassa Biribis, Emanuel Krasovsky und Pnina Salzman. Außerdem erhielt er den „Master of Music“ von der Buchmann-Mehta School of Music an der Universität Tel-Aviv. Im Ausland trat er bisher in Großbritannien, Deutschland, Österreich und Belgien auf.

Joni Farhi mit Jochen Feilcke nach dem Konzert.
Joni Farhi mit Jochen Feilcke nach dem Konzert.

Keren Hadar hat bisher zwei CDs mit klassischer Musik, aber auch mit zeitgenössischen israelischen Kompositionen vorgelegt, “Mordechai Zeira’s Song – Lieder des israelischen Komponisten Mordechai Zaira, Anana records, 2005″ und “Dark am I – Das hohe Lied Salomos”, Komposition von Ella Milch-Sheriff, Newgen Prod., 2007

Meggie Jahn, die Keren Hadar vorgeschlagen hatte, mit beiden Künstlern.

Meggie Jahn, die Keren Hadar vorgeschlagen hatte, mit beiden Künstlern.

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Hören Sie im folgenden drei Hörproben aus dem Konzert von Keren Hadar (Ausschnitte):

Jerusalem of Gold

Life is beautiful

Song for Peace

Bericht von Meggie Jahn, Fotos von Margrit Schmidt, Fritz Zimmermann und Meggie Jahn


Wichtiger Hinweis zum Konzertbegleitheft
: Hier finden Sie den Artikel von Meggie Jahn zum Protest gegen den Al Quds-Tag in ganzer Länge. Im Konzertbegleitheft 2009 finden sich durch die redaktionelle Überarbeitung einige inhaltliche Verkürzungen.


Wolf Biermann im Großen Sendesaal des RBB, bekannt als Berliner Aufführungsort mit der besten Akkustik, was sich auch 2008 wieder bestätigte.

Wolf Biermann am 02.11.08 im Großen Sendesaal des RBB.

Im 60. Jahr der Staatsgründung Israels präsentierte die DIG Berlin und Potsdam mit dem Liedermacher Wolf Biermann einen außergewöhnlichen Künstler. Anlass war der 13. Jahrestag der Ermordung von Yitzhak Rabin, dessen Einsatz für einen Friedenskompromiß mit den Palästinensern ihn 1995 das Leben kostete. Jochen Feilcke, Vorsitzender der DIG Berlin und Potsdam, ging in seinem Grußwort vor rund 500 Gästen im Großen Sendesaal des RBB darauf ein und erinnerte zugleich an unser großes Israelfest auf dem Gendarmenmarkt am 8. Mai 2008. Am gleichen Tag wurde auch in Israel die Staatsgründung gefeiert. Auch der israelische Botschafter, S.E. Yoram Ben Zeev, gedachte des von einem jüdischen Fanatiker ermordeten israelischen Ministerpräsidenten, der für eine Mehrheit der israelischen Bevölkerung Hoffnung auf Frieden symbolisiert hatte.

Wenige Monate zuvor – am 6. März 2008 – hatte Wolf Biermann von der DIG Hannover den Theodor Lessing Preis für aufklärerisches Denken und Handeln erhalten, um nur einen der vielen Preise und Ehrungen zu nennen, die dem Musiker zuteil wurden, darunter auch der angesehene Georg-Büchner- und Heinrich-Heine-Preis. Seit 2007 ist Wolf Biermann Ehrenbürger Berlins. Wenige Tage nach seinem Auftritt beim RBB sollte ihm die Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität überreicht werden, u.a. als späte Wiedergutmachung für sein zu DDR-Zeiten verweigertes Philosophie-Diplom.

Rückblende:

Schon Anfang der 90er Jahre – also gleich nach der Wende – hatte sich der ehemalige DDR-Bürgerechtler und Liedermacher Wolf Biermann dezidiert gegen linke und friedensbewegte Fehldeutungen des Nahost-Konflikts ausgesprochen. Der Golf-Krieg hätte verhindert werden können, so Biermann damals, wenn Deutschland und Frankreich sich noch vor dem US-Angriff an der Koalition des Westens gegen Saddam Hussein beteiligt hätten. Sein Plädoyer für den Krieg am Golf – unter anderem in der Wochenzeitung DIE ZEIT - begründete er mit der Gefahr, die der irakische Diktator – für Biermann ein “gestandener Massenmörder” – für Israel bedeutete: Die Ausrottung war den Juden sowohl von Hitler als auch von Saddam Hussein offen angekündigt worden. Er verwies damals auch auf das Münchener Abkommen von 1938, in dem die Westmächte vor Hitler zurück gewichen waren. Die Quintessenz seiner Wortmeldung fasste er in der rhetorischen Frage zusammen: “Soll man einen Hitler machen lassen um des Friedens willen?” Diese und ähnliche Argumente spielten auch in den politischen Debatten der Folgejahre eine Rolle und tun dies bis heute. Sein klares Bekenntnis zu Israel brachte Biermann eine erste Einladung nach Israel ein.

Bekannt wurde Biermann zudem durch seine Übertragungen von Shakespeare-Sonetten sowie durch die von Arno Lustiger angeregte Nachdichtung des in jiiddisch verfaßten Poems “Großer Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk” des großen russischen Dichters Yitzhak Katzenelson. Entstanden war es im Warschauer Ghetto; nach dem Krieg wurde es von zwei Frauen ins damalige Palästina gerettet. Auf Wunsch von Benny Katzenelson, dem Neffen des in Auschwitz ermordeten Dichters, trug Biermann das Gedicht später in dem israelischen Kibbutz Shefayim vor, obwohl die Familie kein Wort Deutsch konnte – ein Erlebnis, das ihn offenbar tief berührt hatte.

Zurück zur Bühne im Großen Sendesaal des RBB:

Ehe Biermann zur Gitarre bzw. in die Klaviatur des Flügels griff, hatte er ein von ihm handgeschriebenes und -bemaltes Programm verteilen lassen. Sein Konzert bot eine grandiose und beeindruckende Würdigung der versinkenden Welt der Jeckes in Israel. Viele dieser Menschen hatte er selbst getroffen, darunter auch “rheinische Frohnaturen”, die bei ihrer Ankunft im damaligen Palästina “statt der russischen Blusen Jacken trugen”. Damit traf er besonders diejenigen ins Herz, die in den letzten Jahren den schmerzlichen Verlust von Freunden und unvergesslichen Zeugen der Jahrhundertkatastrophe des 20. Jahrhunderts zu beklagen haben.

Da war das Lied von “Jan Gat unterm Himmel in Rotterdam”, der die englischen Bomben wie Himmelsgeschenke hinnahm, nachdem ihn die Deutschen mit dem gelben Stern als Juden gebrandmarkt hatten: “Wo vorher sein Herz war, klafft jetzt ein Riesenloch.” Täuschend echt auch der von Biermann intonierte Fliegeralarm und schreiende Möwenschwarm – vielleicht weil der Künstler selbst in Hamburg die Bombardierung er- und überlebt hatte. Da war die Geschichte vom “Heimweh” des Kommunisten und Jakobinerforschers Walter Grab, den der israelische Botschafter nicht mehr kennen lernen durfte. Da war der alte Berliner in der Tel Aviver Jordanstraße, der im “Kanton Iwrit” ein neues Zuhause fand, und doch wie “Falschgeld im Morgenland” war: In tiefstem Berlinerisch erzählte ihm dieser, wie er “aus’m Kiez in Berlin-Moabit zum Berg Moab” gekommen war und man ihn wie alle Jeckes mit den Worten empfangen hatte: “Kommst Du aus Zionismus oder aus Deutschland?” Darunter auch sein Freund Natan Zach, heute ein bekannter hebräischer Dichter: “Ich hatte wohl mein Berlin verloren, aber nicht die Berliner Schnauze”. Und was fand sich im Gepäck der jüdischen Emigranten aus dem deutschsprachigen Raum? Eine Zahnbürste, deutsche Klassiker und Heines “Buch der Lieder”: “Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin …?”

Der Liedermacher versäumte auch nicht, mit der Erwähnung des in Warschau geborenen und 1924 nach Israel eingewanderten jiddischen Dichters Joseph Papiernikow auf die Ignoranz der “neuen Hebräer” gegenüber dem Jiddischen – der “Sprache der Diaspora” hinzuweisen. Ironischer Weise gilt Papiernikow heute als “Begründer der israelischen jiddischen Literatur”. Auch ließ Biermann sich nicht nehmen, auf die späte Anerkennung von Heinrich Heine, der “viel deutscher als alle Deutschen und viel jüdischer als manche Juden” gewesen sei, anzuspielen: “Es hat sehr lange gedauert, bis sie ihm verziehen, was er für sie getan hat …”

Adornos Zweifeln zum Trotz, so Biermann, gab und gibt es auch nach Auschwitz noch Gedichte, ja lustige Lieder: “Wir gehen ganz und gar zugrunde und erheben uns wieder”, so der Tenor eines jiddischen Cabaret-Liedes aus dem Ghetto Wilna “Wir lebn ejbig! Mir seyen do!” und so gingen die Juden in den Tod. Biermann erzählte und sang von dem Wiener Kabarettisten Karl Farkas, Schöpfer des bekannten Liedes “Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt” – beliebter Schlager unserer Eltern und Großeltern, er erzählte und sang von Walter Benjamin, der nach dem Verlust der deutschen (Sprach-)Heimat und der Gefahr, von den Spaniern an die Pétain-Franzosen und schließlich an die Gestapo ausgeliefert zu werden, in Port Bou seinem Leben ein Ende setzte.

Biermann brillierte durch faszinierende Bühnenpräsenz und musikalische Virtuosität. Zugleich erwies er sich ein weiteres Mal als wunderbarer Poet. Heinrich Heine zog sich wie ein Leitfaden durch den Abend; musikalisch klang mehrfach die “Hatikvah” an – Symbol der staatlichen Unabhängigkeit der Juden und der Hoffnung auf Frieden mit den arabischen Nachbarn.

Mit Bezug zu dem anhaltenden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern erklärte Biermann, es bringe nichts, den Juden Ratschläge zu geben, “weil es geschichtliche Konflikte gibt, die tiefer sind und eine Lösung vielleicht unmöglich ist”. Die Geschichte von Ismail und Isaak – beide Söhne von Abraham,- sei wohl eine Geschichte dieser Art. Das vermöge zwar nicht zu trösten, doch man müsse es wissen. Patentrezepte habe er keine anzubieten und rate auch anderen dringend davon ab.

Vor dem Konzert im 60. Jahr der Staatsgründung Israels hatte die Berliner Morgenpost Biermann gefragt, warum er dieses „Um meinetwillen: Israel“ überschrieben habe. Seine Antwort: “Ich habe ein Sonett geschrieben mit diesem Titel. So fängt es an: ‘Ach was, doch nicht um Himmels willen, nein: Um meinetwill’n gibts Israel, den Staat!“ – so gefällt es meinem Herzen. Denn wenn ich für Israel bin, dann nicht nur, weil ich dort viele Freunde habe und mich um die Juden kümmere oder bekümmere, sondern aus existenziellem Eigeninteresse. Ich war nie einer von den chronischen Gutmenschen, die sich immerzu nur „engagieren“. Und so heißt es im Sonett: „Damit auch Schlosser Dago Biermann (Biermanns in Auschwitz ermordeter Vater) weiss, wo er nach Auschwitz noch ‘ne Bleibe hat…“ Mehr ….

Quintessenz und Lehre dieses beeindruckenden Abends war: Hätte es in den 30er, spätestens 40er Jahren des 20. Jahrhunderts schon einen Staat für die Juden gegeben, hätte nicht nur Biermanns Vater überlebt, die Shoah wäre unmöglich gewesen und damit auch millionenfaches Leid, das bis heute nachwirkt. “Die Ermordeten meiner Hamburger Judenfamilie, 1941 in Minsk in die Grube geschossen, 1943 in Auschwitz vergast, sie alle haben ihr Toten-Heim in Israel gefunden – in Erez Israel, wo die Juden um ihr Überleben kämpfen, in einem heillosen Krieg, den sie nie gewinnen können und den sie nie verlieren dürfen.” Darum muss Israel leben und gedeihen – hierfür streiten wir gemeinsam mit Wolf Biermann.

Statt einer musikalischen Zugabe gab’s fürs Publikum eine weitere Geschichte. Provoziert dazu hatte Biermann das freundliche Angebot des DIG-Vorsitzenden, unserer Gesellschaft als Ehrenmitglied beizutreten. Das Angebot zum Beitritt hielt er für prüfenswert, die Ehrenmitgliedschaft aber lehnte er rundweg ab. Warum dies? Der Vorsitzende der spanischen Kommunisten Santiago Carillo (PCE) hatte Biermann einst die Mitgliedschaft in der PCE angeboten. Da der Ableger der PCE in der Bundesrepublik Deutschland am Tropf der von der DDR alimentierten DKP hing, bot ihm diese schließlich nur die Ehrenmitgliedschaft an, um Aktivitäten des ehemaligen DDR-Bürgers und kritischen Liedermachers auszubremsen und ihn politisch mundtot zu machen. Verständlich deshalb Biermanns Vorbehalte gegenüber einer Ehrenmitgliedschaft. Als einfaches Mitglied dagegen werde er gern der DIG Berlin und Potsdam beitreten, so das Happyend der Geschichte. Wir freuen uns, ihn künftig in unserer Mitte zu wissen.

Fotos von Margrit Schmidt, Meggie Jahn und Fritz Zimmermann


Im Folgenden finden Sie eine Fotogalerie von Margrit Schmidt, aus der Sie Ihre Lieblingsbilder auswählen und unter der Adresse margrit-schmidt1@gmx.de direkt bestellen können. Wir danken Fritz Zimmermann fürs Zusammenstellen der Fotogalerie.

  • Wolf Biermann provoziert voller Leidenschaft. Artikel von Felix Stefan in der Berliner Morgenpost vom 04.11.2008. Mehr …
  • Literaturtipps:
    W
    olf Biermann: Heimkehr nach Berlin Mitte, Verlag Zweitausendeins, 2008, 14.99 Euro u.a. Mehr …
  • Rabin-Gedenkkonzert 2007 mit Timna Brauer & Elias Meiri Ensemble

    Timna Brauer im Großen Sendesaal des RBB

    Timna Brauer im Großen Sendesaal des RBB

    Hier finden Sie den Bericht.

    10. Rabin-Gedenkkonzert mit LIEL am 2. November 2006

    Liel im Festspielzelt des Centrum Judaicum zum Abschluss der Jüdischen Kulturtage.

    Liel im Festspielzelt des Centrum Judaicum zum Abschluss der Jüdischen Kulturtage.

    Hier finden Sie den Bericht.

    Chava Alberstein – The first Lady of Israeli Song – sang zum 10. Todestag von Yitzhak Rabin beim 9. Rabin-Gedenkkonzert.

    Chava Alberstein mit Jochen Feilcke nach dem Konzert.

    Chava Alberstein mit Jochen Feilcke nach dem Konzert.

    Hier finden Sie den Bericht.

    8. Rabin-Gedenkkonzert mit den “Eve’s Women” am 07. November 2004  im Großen Sendesaal des SFB (heute RBB)

    Irit Orbach von den Eve's Women mit ihrer Klarinette.

    Irit Orbach von den Eve's Women an der Klarinette.

    Mehr zum Konzert finden Sie hier.

    7. Rabin-Gedenkkonzert am 2. November 2003 mit den “Mendelssohn-Players” unter Leitung von Maestro Lior Chambadal

    Die Mendelssohn Players mit Maestro Lior Shambadal (oben rechts)

    Die Mendelssohn Players mit Maestro Lior Shambadal (oben rechts)

    Hier finden Sie den Bericht.

    Timna Brauer sang, das Elias Meiri Ensemble begleitete sie beim 5. Rabin-Gedenkkonzert der DIG Berlin.

    Timna Brauer und Elias Meiri mit dem damaligen israelischen Gesandten in Berlin, Motti Levy.

    Timna Brauer und Elias Meiri mit dem damaligen israelischen Gesandten in Berlin, Motti Levy.

    Hier finden Sie den Bericht.

    Aktuelles

    21.05.2013 Kooperationspartner

    Israelisch-palästinensische Studienreise: Wirtschaft verbindet

    Israelische und palästinensische Jungunternehmer waren im April auf Einladung des Netzwerks „Palestinian-Israeli Young Business Leaders Forum“ der „Friedrich-Naumann-Stiftung für die [...] Mehr...

    25.04.2013 Nachruf

    Ester Golan in Memoriam

    Am 7. April 2013, am Vortag des Yom [...] Mehr...

    26.03.2013 Israelreise 2013

    Israelreise der DIG Berlin und Potsdam vom 14.06. bis 23.06.2013

    Politik, Gesellschaft, Natur – Israelreise der DIG Berlin und Potsdam vom 14.06. bis 23.06.2013 Finden Sie hier den Flyer und nähere [...] Mehr...

    22.02.2013 Nachbericht

    Regierungsbildung schwieriger denn je

    Welt-Korrespondent Richard Herzinger sprach am 31. Januar [...] Mehr...

    13.12.2012 Veranstaltungsbericht

    “Step by Step – Sauwa Sauwa”

    Mit Musik zu einem Frieden in Nahost – Ein arabisch-jüdisches Friedensprojekt In Kooperation mit dem Canisius-Kolleg und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin [...] Mehr...