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Rede des Gesandten an der Israelischen Botschaft, Ilan Mor 11. Rabin-Gedenkkonzert 3. November 2007, Großer Sendesaal des RBB Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, am 4. November 1995 hatten sich weit über 100.000 Demonstranten auf dem "Platz der Propheten" in Tel Aviv versammelt. Sie waren gekommen, um die Friedenspolitik der israelischen Regierung zu unterstützen. Die überwiegend jungen Leute befürworteten die Bemühungen der israelischen Regierung um einen dauerhaften Frieden – und damit einen teilweisen Rückzug aus den Gebieten und die Entstehung eines palästinensischen Staates. Was für ein tragisches Ende diese Friedensdemonstration nahm, ist bekannt. Nach dem Mord an Ministerpräsident Yitzhak Rabin befand sich Israel in einem tiefen Schockzustand. Eine Welle der Trauer und der Tränen überrollte das Land. Für die Generation der damaligen Jugendlichen war der Mord an Rabin mit Sicherheit ein besonders tiefer Einschnitt. Shimon Peres fasste seine Trauer damals in folgende Worte: „Du hast uns keinen letzten Willen hinterlassen, aber Du hast uns einen Weg hinterlassen, auf dem wir mit Überzeugung und Glauben weitergehen werden.“ Er nannte Rabin „einen großen Visionär, der eine neue Realität in unserer Region geschaffen hat.“ Vor dem Attentat - zur Zeit des Osloer Abkommens - befand sich zwar nicht die ganze israelische Gesellschaft, aber immerhin ein beträchtlicher Teil von ihr in einer Aufbruchstimmung. Die Menschen waren von der Hoffnung durchdrungen, in Frieden mit ihren Nachbarn leben zu können. Der mühsam eingeleitete Aussöhnungsprozeß mit den Arabern - und mit den Palästinensern im Besonderen - geriet nach dem Attentat auf Rabin für viele Jahre ins Stocken. Die politische Situation verhärtete sich. Und auch unser Rückzug aus dem Gaza-Streifen führte nicht zu der angestrebten Wende in den Beziehungen. Stattdessen gewannen die Terrororganisationen Hizbollah und Hamas, die die Existenz des Staates Israel ablehnen, an Boden und diktieren ihre Politik. Immer wieder haben wir gehofft, dass die Palästinenser zu der Einsicht gelangen, dass dieser Rückschritt Folgen für alle Menschen in der Region hat. Meine Damen und Herren, die Sehnsucht der Menschen nach Frieden ist eine uralte Sehnsucht. Um einen langlebigen Frieden gewährleisten zu können, braucht es außergewöhnliche und mutige Persönlichkeiten. Es braucht Menschen, die zugleich eine Vision und den nötigen Realitätssinn haben. Yitzhak Rabin war ein solcher Mensch. Er hat in den Reihen der Armee gekämpft. Er hat immer das Recht Israels betont, sich selbst zu verteidigen und verteidigen zu können und er wurde in seinen Entscheidungen von dieser Verantwortung für die Verteidigung seines Volkes geleitet. Yitzhak Rabin war sich bewusst, dass Israels Grenzen für die Existenz des Staates entscheidend sind. Später, als Staatsmann, wollte er jede Möglichkeit ausschöpfen, um einen umfassenden Frieden zu erreichen - doch niemals, ohne das Risiko nüchtern zu kalkulieren. Der Jahrestag des Attentats auf Yitzhak Rabin wühlt unsere Gemüter auf. Jedes Jahr aufs Neue. Und wir müssen und sollten uns immer wieder die Frage stellen: Haben wir, haben die Israelis, hat Israel als Staat aus dem Attentat gelernt? Haben wir die richtigen Schlussfolgerungen gezogen? Innenpolitisch wie außenpolitisch? Yigal Amir war bei seiner Tat getrieben von religiösem Fanatismus, von nationalistischem Denken und einem tiefen Hass auf die Araber. Er sah in Rabin einen Gegner, den er auslöschen wollte. In diesen Tagen mussten wir leider wieder erfahren, dass weder er noch sein ideologisches Umfeld Reue über seine Tat empfinden. Im Gegenteil. Eine rechte ultra-nationalistische Gruppe kämpft hartnäckig für seine Freilassung und kam damit in die Schlagzeilen. Israel muss alles unternehmen, um der Propaganda dieser extremen Rechten Einhalt zu gebieten. Und Israel muss verhindern, dass wahr wird, was ein recht großer Prozentsatz der israelischen Bevölkerung für möglich hält: die Wiederholung eines solchen Attentats. Meine Damen und Herren, der Staat Israel, der im Mai 2008 sein 60-jähriges Bestehen feiern wird, steht vor schwierigen Entscheidungen, für die vor allem Weitsicht nötig ist. In einer Demokratie ist es häufig problematisch, sich darauf zu einigen, welche die richtige Weitsicht ist. Nur sind es eben diese Kontroversen, die eine Demokratie ausmachen. Hat Yigal Amir sein Ziel erreicht, den diplomatischen Prozess zu stoppen und alle weiteren Konzessionen an die Palästinenser unmöglich zu machen? Bei uns wird häufig darüber gestritten. In diesem Monat findet die geplante Nahost-Konferenz in Annapolis im US-Staat Maryland statt. Diese Konferenz wird zweifellos keine bilateralen, direkten Verhandlungen zwischen uns und den Palästinensern ersetzen. Das Treffen soll beide Seiten ermutigen, wieder aufeinander zuzugehen und einen Rahmen für den direkten Verhandlungsprozess schaffen. Der Konflikt zwischen Hoffnung und Furcht, den solche Verhandlungen ständig begleiten - und den auch Yitzhak Rabin durchmachte - ist ein Konflikt, mit dem wir in Israel jeden Tag leben. Viele Menschen und Entscheidungsträger in Europa und der Welt können diesen Konflikt nicht nachvollziehen, weil sie in Sicherheit leben. Meine Damen und Herren, trotz aller Schwierigkeiten muss uns der Wille zum Ausgleich und zur Versöhnung erhalten bleiben. Die Versöhnung ist auch ein Leitgedanke der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, die sich mit ihrer Freundschaft und Solidarität aktiv für die Unterstützung Israels einsetzt. Ich möchte der Arbeitsgemeinschaft Berlin und Potsdam dafür danken, dass Sie mit diesem Benefizkonzert an den außergewöhnlichen Staatsmann Yitzhak Rabin und an sein Vermächtnis erinnert. Verehrte Gäste, ich wünsche Ihnen ein schönes Konzerterlebnis und bedanke mich dafür, dass Sie mit Ihrer Anwesenheit die "Deutsch-Israelische Hilfe für krebskranke Kinder" unterstützen.
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