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Am 07.07.2008 stellte Werner Sonne bei DIG Berlin und Potsdam und FES Potsdam sein Buch "Wenn ich Dich vergesse, Jerusalem" vor und diskutierte mit dem Publikum Bericht und Fotos von Meggie Jahn
Am 7. Juli 2008 stellte der ARD-Korrespondent Werner Sonne im Haus der Preussisch-Brandenburgischen Geschichte - heute beliebter Veranstaltungsort der Friedrich-Ebert-Stiftung Potsdam - bei DIG Berlin und Potsdam - und der FES sein Buch "Wenn ich Dich vergesse, Jerusalem" vor. Die Veranstaltung ging zurück auf eine Verabredung zwischen dem langjährigen Potsdamer DIG-Vorsitzenden Steffen Reiche, heute Vizevorsitzender der DIG Berlin und Potsdam, mit Sonne auf der Leipziger Buchmesse vor wenigen Monaten.
"Kompliment, lieber Herr Sonne, so viele waren wir selten", eröffnete Steffen Reiche, zugleich Mitglied des Deutschen Bundestages, die Lesung mit dem prominenten Gast. Rund 300 Gäste hatten in den "Kutschstall" gefunden und lauschten interessiert Vortrag und Diskussion.
Der Leiter des Büros der FES Potsdam, Eugen Meckel, und der Vorsitzende der DIG Berlin und Potsdam, Jochen Feilcke, freuten sich, dass die DIG Berlin und Potsdam mit dieser Lesung auch mal wieder zu Gast in Potsdam war.
Sonne bedankte sich bei den Veranstaltern für die freundliche Einladung und die Gelegenheit, einem größeren Publikum sein Buch vorzustellen, das bewußt kein Sachbuch wie die Bücher vieler seiner Journalistenkollegen, sondern "Unterhaltungsliteratur" bzw. ein "wichtiges Stück Geschichte in Romanform" sein solle. Er habe damit "Kopf und Herz der Menschen erreichen" und dem israelisch-palästinensischen Konflikt mit seinen Figuren - einer israelischen Araberin und einer Holocaust-Überlebenden - "ein menschliches Gesicht geben wollen". Historische Vorbilder gebe es für sie nicht. Die Briten, als damalige Mandatsmacht am Suez-Kanal und am Öl in der Region interessiert, seien die dritte wichtige Partei in seinem Buch. Diese hätten am Ende alles getan, um eine weitere Zuwanderung von Juden zu verhindern, da sie sich die Sympathien auf Seiten der Araber nicht verscherzen wollten.
 Werner Sonne las selbst aus seinem Buch vor.
Zur Handlung: Februar 1947. Judith, die das KZ Dachau überlebt hat, ist nach Palästina gekommen, um ihren Onkel in Jerusalem aufzusuchen; in Deutschland hat sie keine Verwandten mehr. Als sie vom Tod ihres Onkels erfährt, versucht sie sich das Leben zu nehmen. Im Krankenhaus erhält sie eine Transfusion vom Blut einer jungen arabischen Lernschwester, Hana, mit der sie sich anfreundet. Hana ist ihrem Nachbarn Joussef versprochen. Doch sie möchte ihre Ausbildung am Hadassah-Krankenhaus beenden – und sie liebt einen jüdischen Arzt. Joussef, zutiefst in seiner Ehre verletzt, schließt sich den Männern des Muftis an, deren Ziel es ist, die Juden ins Meer zu treiben. Die politische Lage spitzt sich zu. Als am 29. November 1947 die UNO den Teilungsplan annimmt, explodiert die Gewalt, und die Freundschaft zwischen Judith und Hana wird auf eine harte Probe gestellt.
Steffen Reiche, links, moderierte den Abend.
Der Titel des Buches, so Werner Sonne auf Nachfrage von Steffen Reiche, basiere auf dem uralten jüdischen Traum, "Nächstes Jahr in Jerusalem", der über die Jahrhunderte immer wieder Juden nach Palästina gebracht habe.Wie im wirklichen Leben gebe es in seinem Buch kein "Happy End" - ein Symbol für den bis heute ungelösten israelisch-palästinensischen Konflikt. Während die Juden 60 Jahre nach der Staatsgründung dieses Ereignis ausgelassen feierten, beklagten die Palästinenser 60 Jahre "Nackba" ("Katastrophe") - den Verlust der angestammten Heimat. Auf beiden Seiten gebe es "tragische Schicksale" und er wolle zeigen, dass es hier wie dort "Opfer wie Täter" gebe, so Sonne. Als Journalist sei er über dreißig Mal in Israel und im Nahen Osten gewesen - zuerst im Jahr des Yom-Kippur-Krieges 1973, wo er noch nicht gewagt hatte, ein deutsches Wort zu sprechen. Er begleitete Bundespräsident Köhler und im März 2008 die Bundeskanzlerin nach Israel und erlebte in Jerusalem ihren historischen Auftritt in der Knesset.
 Vorne: Marcus Mohr und Annegret Mielke vom DIG-Vorstand. Rechts die Frau von Werner Sonne.
In seinem Buch vermittelt Sonne auf eindrucksvolle Weise ein Stück Geschichte, mit dem viele der Probleme des aktuellen Nahostkonflikts ihren Anfang nahmen. In der anschließenden Diskussion stand die durch die Staatsgründung Israels ausgelöste Flüchtlingsfrage im Mittelpunkt. Umstritten war, ob auch die Kinder und Enkel der damals ihrer Heimat verlustig gegangenen arabischen Flüchtlinge noch einen Anspruch auf Rückkehr in ihre "Heimat" haben dürften.
Jochen Feilcke (rechts) machte deutlich, in welcher Situation sich die Gründungsväter und -mütter angesichts der historischen Entwicklungen kurz vor der Staatsgründung Israels befunden hätten. Auch dürfe man nicht vergessen, dass es eine Art "Bevölkerungsaustausch" gegeben habe, da viele Juden aus den arabischen Ländern aus Angst vor Verfolgung in den jungen Staat Israel geflohen seien, womit dort Platz für die arabischen Flüchtlinge aus Palästina gewesen wäre.
Mit Verweis auf das jüngste Buch des israelischen Historikers (und Journalisten) Tom Segev, "Die ersten Israelis", mit dem er seine eigene Position untermauerte, verwies Sonne jedoch auf gravierende Fehler der Staatsgründer im Zusammenhang mit der "Vertreibung" der arabischen Bevölkerung aus ihrer Heimat.
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Stefan Krikowski (oben) machte auf das Schicksal seiner Familie aufmerksam, die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten vertrieben worden war. Die Flüchtlinge seien nach dem Krieg in Deutschland aufgenommen und integriert worden. Die arabischen Staaten dagegen hätten die palästinensischen Flüchtlinge in ihrer Mehrzahl nicht integriert, sondern bewußt in Flüchtlingslagern gehalten. Der Verlust der Heimat sei ein "ständiger Stachel im Fleisch" geblieben und auch an die jungen Generationen weitergegeben worden. Die Flüchtlingsfrage war zwar in Oslo schon auf dem Tisch, habe sich aber zusammen mit Jerusalem und der Siedlungspolitik als schwerstes Hindernis für eine Lösung erwiesen.
Im Anschluss an den Vortrag und eine angeregte Diskussion signierte Sonne sein Buch und stand bei einem kleinen Empfang der FES mit kalten Getränken, Wein und Brezeln zu vertiefenden Gesprächen mit den Gästen zur Verfügung.
Rechts: Werner Sonne und seine Frau im Gespräch mit einer Redakteurin der "Berliner Morgenpost" und Jochen Feilcke. Rechts: Das Ehepaar Schwabe, Maria Haendtke-Hoppe-Arndt und Renate Bernard, alle langjährige DIG-Mitglieder.
 | | Potsdamer Gäste ins Gespräch vertieft ...
Vorstandsmitglied Marcus Mohr und der Bundestagsabgeordnete Hellmut Königshaus diskutierten ebenfalls weiter.

Steffen Reiche als Organisator und Jochen Feilcke freuten sich mit Werner Sonne über einen gut besuchten und anregenden Abend.
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