"Zion Tamati, Zion, meine Liebe" - Konzert mit dem Schalom-Chor in der Synagoge Rykestraße aus Anlaß von "60 Jahre Israel" am 29. Juni 2008
Bericht von Meggie Jahn, Fotos von Fritz Zimmermann und Meggie Jahn

Synagoge Rykestraße: Blick von der Frauenempore auf den Thora-Schrein und die Bühne
Anlässlich des 60jährigen Jubiläums der Staatsgründung Israels luden die DIG Berlin und Potsdam und die Stiftung Centrum Judaicum am 29. Juni - früh genug vor dem Endspiel zur Fußballeuropameisterschaft - erneut zu einem Konzert mit dem Schalom-Chor ein. Mit der Synagoge Rykestraße, Berlin-Prenzlauer Berg, der größten in Berlin, so Jochen Feilcke in seinem Grußwort, wurde ein "wunderbarer Ort" für den Auftritt gefunden. Die Geschichte des aus jüdischen und christlichen Sängerinnen und Sängern bestehenden Chores geht auf die 1994 begonnene Zusammenarbeit zwischen dem legendären Kantor Estrongo Nachama s.A. und der Leiterin der Chors der Steglitzer Baptistengemeinde, Elisabeth Liebig, zurück. Geboten wurden israelische Lieder und Chormusik. Als Solist brillierte Kantor Isaac Scheffer, dessen wunderbare Stimme die Verstärkung durch das Mikrofon kaum benötigt hätte. Die musikalische Leitung des Chores liegt seit Jahren in den bewährten Händen von Regina Yantian. Am Klavier begleitete die Pianistin Svetlana Stepovaja.
|  |
Links Jochen Feilcke bei seinem Grußwort, rechts Svetlana Stepovaja am Klavier.

Mit rund 400 Gästen war die Synagoge - sieht man ab von den Emporen - fast bis auf den letzten Platz besetzt.

Als Dank für die wunderbaren musikalischen Leistungen erhielten Kantor Isaac Scheffer, Regina Yantian und Svetlana Stepovaja aus der Hand des DIG-Vorsitzenden drei wunderschöne Blumensträuße.

Mit besonderer Inbrunst wurde zum Schluß das Lied "Jerushalaim Shel Sahav" gesungen, von vielen als die "heimliche Nationalhymne Israels" bezeichnet. Es symbolisierte besonders gut das Jubiläum zu 60 Jahre Israel. Der Applaus war überwältigend, so dass selbstverständlich eine Zugabe gegeben wurde.
Blick in die Synagoge vom Eingang aus gesehen ...
In der Pause und nach dem Konzert offerierte das neue israelische Restaurant "Dahlmanns" in Berlin-Charlottenburg, betrieben von Geli und Tuvia Aram, besonders leckere "Borekas" (Blätterteigtaschen), diesmal mit Kartoffelfüllung. Sie sollten sich dort mal mit der kulinarischen Vielfalt der israelischen Küche verwöhnen lassen. Mehr ...
Konzertablauf, Texte:
Zion Tamati Solo (T. Menachem Mendel Dulitzki, M. Volksweise, A. Goldfarb)
Zion, meine Liebe, Zion, meine Begehrte. Aus der Ferne sehnt sich meine Seele nach dir.
Sollte ich dich vergessen, meine Schöne, dann soll meine rechte Hand verdorren,
bis sich mein Grab über mich schließt.
Tzur Mishelo Achalnu Chor (Tischgebet / Arr. Charles Davidson)
Der Fels, von dem wir gegessen haben, preiset ihn, meine Treuen!
Wir haben uns satt gegessen und etwas übrig gelassen nach dem Wort Gottes.
Er gab seiner Welt zu essen, unser Hirte, unser Vater.
Wir haben sein Brot gegessen und seinen Wein getrunken.
Lasst uns ihm daher danken und ihn mit unserem Munde lobpreisen.
Wir haben gesagt und geantwortet: Keiner ist so heilig wie unser Gott.
Lecha Dodi Chor (T. Shlomo Alkavetz / M. Mordechai Zeira / A. Yechezkel Braun)
Komm, mein Freund, der Braut entgegen, laß uns den Schabbat willkommen heißen.
Friede dem Schabbat, Friede und Segen dem Schabbat.
Eli, Eli Chor (T. Chana Senesh / M. David Zehavi / A. Gil Aldema)
Mein Gott, mein Gott, laß niemals enden den Sand und das Meer,
das Rauschen des Wassers, den Donner des Himmels, das Gebet des Menschen.
Eli, Eli Solo (T. Chana Senesh / M. David Zehavi / A. Menachem Wiesenberg (MW))
Inhalt, s. vorheriges Lied
Schir Eres Solo (Wiegenlied) (T. Nathan Alterman / M. + A. Sascha Argow)
Der Tempel, die Stadt sind plötzlich still, und die Bazare Persiens.
Nur eine Klarinette irgendwo, eine Geige und ein Kontrabass flüstern: Nicht zaudern.
Und Stille. Stille! Wir sind Tand nachgelaufen, aber nun neigen wir den Kopf.
Ganz gleich, ob er eine Krone trägt oder einen Eimer, es ist kein Unterschied –
am Ende wird er schlafen. Ruh‘, Apfel, ruh‘ Baum, ruh‘ König, ruh‘ Narr, ruht Flüsse und Ufer,
Trompeten und Tamburine, Vielleicht trotzdem ein Viertel Hähnchen. Nein, nein. Das Ende.
Jede Verärgerung, jede Wut und jedes Ärgernis, jede Gier, jedes Zähneknirschen werden
vorübergehen. Sie sollen vorübergehen, ich schlafe! Keine Frage ist mehr zu stellen, kein Vorteil
mehr zu haben. Weg all die Lieder, all die Töne, Aber das Wiegelied, das wir kannten,
Nur das wird am Ende bleiben: Lass mich! Lasst uns alle! Ruh‘, Strasse, es kommt das
Ende. Ruh‘, König, es kommt der Narr. Ruht Wind und Segel, Persien ist ruhig.
Aus die Laterne. Ja, ja. Ruhe
La Midbar Sa’enu Solo (T. Alexander Penn / M. Nachum Nardi / A. M.W.)
Trage uns in die Wüste auf den Höckern von Kamelen an ihren Hälsen sind Glöckchen.
Lasst nicht die Trommel klingen und nicht die Flöte – die Hirten schlafen!
Und in der Nacht, die Pfade entlang, zeigen die Sterne den Weg. Trag uns in die Wüste …
Sapri Tama Chor (T. Ben Amram / M. Jemenitisches Volkslied / A. Jaakov Holländer)
Dieses Lied handelt von der Liebe von einem Mann zu einer Frau, die sinnbildlich für die
Liebesbeziehung zwischen dem Menschen und Gott ist.
------------------------------ P a u s e ----------------------------
Links: Regina Yantian, Judith Schwieder und Jochen Feilcke in der Pause. Rechts: Karin Marcus, Mitglied des Chores (2. v. links), deren Familie zum Konzert gekommen war. Während unserer Israel-Reise im Mai hatten wir miterleben dürfen, wie sehr sie sich auf ihr Enkelkind freute, das inzwischen da ist. Rechts neben ihr ihre Tochter mit Mann und Kind.
Hitrag’ut Chor + Solo (T. Y. Karni / M. ? / A. Paul Ben Haim)
Gäbe es irgendwo, weit weg, ein ruhiges Häuschen mit einem hölzernen Balkon,
und daneben einen Mandelbaum … Gäbe es irgendwo, weit weg, auch hunderte Meilen weit
einen Ort, wo eine Oma ihrer Enkelin ein Wiegelied singt ... Dann würde ich dorthin fliegen,
an einem dieser Abende und zusammen könnten wir wieder die Sterne zählen.
Ma Omrot Einaich Solo (T. Yizchak Shenhar / M. Mordechai Zeira / A. M.W.)
Die Sonne versinkt im Meer, und eine leichte Brise weht. Wer träumt von dir in diesem kahlen
Vorposten? Zwei Lichter in der Nacht deuten mir plötzlich an was Deine Augen, sagen ohne es
ganz zu verraten. Zwischen Felsen und Bergen schläft ein einsamer Baum. Wer geht zu dir heut
bei Sonnenuntergang?
Zwei Lichter in der Nacht … Wenn der Morgen kommt und ich vom Krieg heimkehre
werde ich noch eine Erinnerung an diesen Traum finden? Zwei Lichter in der Nacht …
Schir Lajakinton Solo (T. Lea Goldberg / M. Riwka Gwily )
Nacht für Nacht schaut der Mond auf die Blumen, die im Garten blühen, auf die Hyazinthe in unserem kleinen Garten. Und der Mond spricht zu den Wolken: Gebt einen Tropfen, den Gärten noch einen Tropfen. Damit die Hyazinthe in unserem kleinen Garten blühe. Der Regen kam und prasselte an mein Fenster, sang der Blume in meinem Garten ein fröhliches Lied.
Und die Hyazinthe antwortete freudig dem Regen, der fröhlich an mein Fenster prasselte.
Laila, Laila Solo (T. Nathan Alterman / M. Mordechai Zeira / A. M.W.)
Nacht für Nacht bläst kräftig der Wind, es rauschen die Baumkronen, es singt ein Stern
Schlaf, schlaf, mach die Kerze aus. Nacht für Nacht schließ deine Augen, auf dem Weg zu dir ritten drei bewaffnete Reiter. Schlaf, schlaf. Nacht für Nacht wurde einer zur Beute, es starb der zweite durch das Schwert, und derjenige, der übrig blieb vergass deinen Namen. Schlaf, schlaf.
Ken Bakodesh Chor (M. Chassidische Volksweise / A. Gil Aldema)
Ja, in Heiligkeit habe ich Dich gesehen, Deine Macht und Deine Ehre.
Meine Seele dürstet nach Dir, mein Leib geht zu Dir.
El Hazipor Chor + Solo: Frauke Twork (T. Chaim Bialik / M. Volkslied / A. Gil Aldema)
Ich grüße Deine Rückkehr, anmutiger Vogel der Du aus warmen Ländern an mein Fenster zurückgeflogen kamst. Wie habe ich mich nach Deiner lieblichen Stimme gesehnt im Winter, als Du von mir wegflogst.
Sing, erzähl’ mein lieber Vogel, vom fernen, wunderbaren Land. Ob auch dort in dem warmen, schönen Land die Menschen das Schlechte und die Mühsal fürchten?
Ob der Tau wie Perlen auf den Berg Hermon fällt? Oder fällt er wie Tränen? Und wie geht es
dem Jordan und seinen klaren Wassern? Wie geht es all den Bergen, den Hügeln?
Und meine arbeitenden Brüder, ob sie unter Tränen säen? Ob sie die Ähren freudig ernten?
Gäbe mir jemand Flügel, würde ich in das Land fliegen, wo die Mandeln und die Datteln blühen.
Zwar sind meine Tränen getrocknet, doch habe ich keine Hoffnung. Friede sei bei Deiner
Rückkehr, lieber Vogel. Mögen Deine Stimme und Dein Gesang Freude spenden.
Hasimla Hasgula Solo (T. Chaim Cheffer /Sascha Altermann)
Der Morgen kommt, wir werden ihm entgegen wachen, wir werden entlang der Straße sitzen am
Ufer des Kanals. Wir werden im Lastwagen fahren, im Nachtwind. Wir werden die Hügel sehen,
wie sie im violetten Licht erwachen. Dein Haus wird lachen, und am Fenster Sommer sein.
Wenn wir zusammen hinausgehen. Du wirst den violetten Rock tragen, und wieder
werden deine Augen baden im Licht der Nacht. Du wirst jedem, der vorbeigeht, ein Lächeln
schenken. Und plötzlich wird in deinem Haar ein Veilchen blühen. Du wirst ein Lied singen,
dessen Worte du vergessen hast, Du wirst plötzlich lachen und nicht wissen, warum,
wenn wir zusammen hinausgehen.
Der Morgen kommt, wir werden ihm entgegen wachen. Wir werden entlang der ganzen Küste
rennen, die ganze Stadt aufsaugen. Wir werden im Autobus verrückte Lieder singen und hundert
Stunden auf dem Zaun sitzen gegenüber deinem Haus. Und so wird’s wieder sein, und so wird’s
immer sein, so wird es sein, wenn wir zusammen hinausgehen.
Mei-al Pisgat Har Hazofim Frauenchor (T. Hameiri, A. Isadore Freed)
Vom Gipfel des Berges Skopus werde ich mich zu dir beugen vom Gipfel des Berges Skopus, Friede dir, Jerusalem!
Hundert Generationen lang habe ich von dir geträumt [dich] zu erreichen, [dich] zu sehen im Licht deines Angesichts.
Jerusalem, Jerusalem, zeige dein Angesicht deinem Sohn.
Jerusalem, Jerusalem, aus deinen Ruinen werde ich dich erbauen.
Schir Eretz Solo (T. Nathan Jonathan / M. Sascha Argow / A. M.W.)
Ein Land, das seine Menschen frisst wo Milch und Honig fließen und himmelblau
Manchmal raubt es gar das Schaf des Armen.
Ein Land der süßen Scholle und der salzigen Ufer, wie Tränen
Ein Land, dem die Liebenden gaben, alles, was sie geben konnten.
Wieder blüht weiß der Meerzwiebel dort auf der Straße, allein
Und der Jasmin erwidert den Duft seiner verlorenen Felder der Zeit.
Jeden Frühling kommt das Jakobskreuzkraut wieder, um jede Falte seines Gesichts zu bedecken
Der Sommerwind streichelt die Traurigkeit seiner Steine mit Licht.
Und wieder der Herbst mit schweren Wolken, um seine Gärten mit Grau zu bedecken
Und der Winter wird die Lider seiner weinenden Augen schließen.
Jerushalayim Shel Zahav Chor (T. Naomi Shemer / M. Naomi Shemer / A. Gil Aldema)
Die Luft der Berge ist klar wie Wein, und der Duft der Pinien schwebt in der Abendluft im Klang der Glocken. Und im Schlummer von Baum und Stein, gefangen in ihrem Traum,
Die Stadt liegt einsam, und in ihrem Herzen ist eine Mauer.
Jerusalem, die Stadt aus Gold, aus Kupfer und aus Licht, laß mich doch für alle deiner Lieder die Geige sein.
Wie vertrocknet sind die Brunnen, der Marktplatz ist leer und keiner besucht den Tempelberg in
der Altstadt. In den Höhlen, in den Felsen, heulen die Winde,
und niemand geht über Jericho den Weg zum Toten Meer hinab.
Jerusalem die Stadt aus Gold ....
Aber als ich heute kam, um für Dich zu singen und um dir Kronen zu binden war ich das kleinste deiner Kinder und der letzte deiner Dichter. Dein Name brennt auf den Lippen wie der Kuß eines Seraphim. Sollte ich dich vergessen, Jerusalem, du, die ganz aus Gold bist ...
Jerusalem, die Stadt aus Gold ...
…………………………………………………………………………………
Das nächste Konzert des Shalom-Chores ist am 27. Juli 2008, um 20.00 h in der St. Marienkirche am Alexanderplatz.
Kontakt zum Shalom-Chor: Walter Löhr, Tel. 812 21 87
Möchten Sie mitsingen? Chorprobe ist montags um 19.00 h in Steglitz, Rothenburgstr. 12a