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Eröffnung der Hauptversammlung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft am 2.11.2008 in Potsdam Grußwort der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Prof. Dr. Johanna Wanka [Es gilt das gesprochene Wort!] Anrede, im Namen von Herrn Ministerpräsident Matthias Platzeck begrüße ich Sie herzlich zu Ihrer Jahreshauptversammlung hier in der Landeshauptstadt Potsdam – eine Stadt, die mit Unterstützung der Landesregierung um die Wiederherstellung jüdischen Lebens sehr bemüht ist. Hier ist an der Universität Potsdam der interdisziplinäre Jüdische Studien angesiedelt, hier werden Rabbiner und Kantoren ausgebildet und wird jüdische Geschichte erforscht und hier soll in einigen Jahren auch wieder eine Synagoge stehen. Ein solches Wiederaufleben jüdischer Kultur ist in einem ostdeutschen Bundesland durchaus nicht selbstverständlich. Denn schließlich vertrat die DDR, wie die Sowjetunion, eine antizionistische Haltung. Israel war von der DDR als Staat nie anerkannt worden, Reparationszahlungen lehnte sie ab, der Handel mit Israel war DDR-Firmen seit 1976 verboten. Zudem war das Gedenken etwa in den ehemaligen Konzentrationslagern stark fokussiert auf die kommunistischen Häftlinge, und über Juden, Judentum, jüdische Kultur und Traditionen, jüdische Leistungen in der Geschichte wurde kaum gesprochen. 1989 umfasste die „kontinuierlich schrumpfende jüdische Restgemeinde“ in der DDR noch 380 Menschen im Vergleich zu etwa 5000 im Jahr 1953. Heute hat allein der Landesverband Jüdischer Gemeinden im Land Brandenburg rund 1400 Mitglieder. Erst 1990, also nach dem Fall der Mauer, bat die erste frei gewählte Volkskammer das Volk Israel um Verzeihung für, ich zitiere „Heuchelei und Feindseligkeit der offiziellen DDR-Politik gegenüber dem Staat Israel und für die Verfolgung und Entwürdigung jüdischer Mitbürger auch nach 1945 in unserem Land.“ Herr Staatssekretär Harms hat es Ihnen bereits gestern gesagt – das Land Brandenburg pflegt sehr enge Beziehungen zum Staat Israel und fördert jüdisches Gemeindeleben, jüdische Kultur und Forschung. Und hier in Potsdam konzentriert sich all dies in besonderem Maße. Vielleicht weil Potsdam, meine Damen und Herren, eben auch eine ganz besondere Stadt ist. Sie hat traditionell immer wieder Menschen aus anderen Ländern aufgenommen, die ihre Spuren im Stadtbild hinterlassen haben – mit dem holländischen Viertel, der französischen Kirche, den Weberhäusern in Babelsberg usw. Potsdam umfasst zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Schlösser und Parks ebenso wie moderne Kultureinrichtungen, etwa den Kulturstandort Schiffbauergasse. Und Potsdam ist auch die Stadt mit der höchsten Wissenschaftlerdichte (2007: 123) pro 10.000 Einwohner in Deutschland. Diese Wissenschaftler arbeiten z.B. an der Universität Potsdam, der Fachhochschule Potsdam - beide mit Kooperationsbeziehungen zu israelischen Hochschulen - an der Hochschule für Film und Fernsehen und an den außeruniversitären Forschungsinstituten. Alle bedeutenden deutschen Forschungsorganisationen sind hier mit teilweise mehreren Instituten vertreten. Weitere Forschungsinstitute befinden sich an den übrigen 7 Universitäts- und Fachhochschulstandorten des Landes. Zwischen Brandenburger Wissenschaftlern und ihren israelischen Kollegen gibt es eine vielfältige Zusammenarbeit, insbesondere in den Bereichen Klima und Umweltschutz, Wassermanagement, Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung und alternativer Landbau. Aufbauend auf diesen bisherigen gemeinsamen Forschungsprojekten wären weitere Kooperationen mit Israel begrüßenswert, und zwar im Zusammenhang mit der in unserem Lande gegründeten Forschungsplattform zum Klimawandel. Sie wird maßgeblich mitgestaltet vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und seinem Direktor, Professor Hans Joachim Schellnhuber, der auch klimapolitischer Berater der Bundeskanzlerin ist. Anpassungstechnologien, Bewässerungs- und Landtechnik, Biowissenschaften wie Züchtungsforschung oder Systembiologie sind die Bereiche, in denen wir angesichts der Veränderungen des Klimas in Brandenburg von den Erfahrungen in Israel lernen könnten. In ganz besonderer Form arbeitet seit seiner Gründung das Einstein Forum hier in Potsdam mit Israel zusammen. Denn bereits an der Gründung des Forums hatte die Hebrew University in Jerusalem maßgeblichen Anteil. Dem Einstein Forum gelingt es bereits seit vielen Jahren, Verbindungen zu knüpfen zwischen Geistes- und Naturwissenschaften, Wissenschaft und Kultur, Wissenschaft und Öffentlichkeit, und zwischen Deutschland und Israel. Seit dem vergangenen Jahr besteht zwischen dem Einstein Forum und der Hebrew University in Jerusalem ein zunächst auf 10 Jahre angelegter Vertrag über die Nutzung des Einsteinhauses in Caputh, einer der wenigen Orte in Berlin-Brandenburg, an denn Einstein wirklich war. Das Haus gehört der Hebrew University, seine denkmalgerechte Restaurierung hat der Bund gemeinsam mit der Cornelsen Stiftung finanziert. So wird es zwischen beiden Partnern nun zukünftig intensiven Kulturtransfer geben. Hier in Potsdam befindet sich auch das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien. Neben seinen wissenschaftlichen Verbindungen nach Israel hat es in diesem Jahr anlässlich des sechzigjährigen Bestehens des Staates Israel zur Israelreise von Herrn Ministerpräsident Platzeck eine Wanderausstellung konzipiert. Sie trägt den Titel „Wenn Ihr wollt ist es kein Märchen!“ und untersucht Theodor Herzls Israel-Bild in seinem Roman „Altneuland“. Gezeigt wurde sie in Israel und in verschiedenen Städten in Europa, Asien und Amerika und stieß dort auf großes Interesse. Ich erwähnte eingangs, dass in Potsdam auch Rabbiner und Kantoren ausgebildet werden – dies erfolgt im Abraham-Geiger-Kolleg an der Universität Potsdam. Es wurde am 17. August 1999 als erstes Rabbinerseminar in Zentraleuropa nach 1945 gegründet. Das Kolleg, das der liberalen Richtung des Judentums nahe steht, wird von der World Union for Progressive Judaism, dem Bundesministerium des Innern, dem Zentralrat der Juden in Deutschland und meinem Haus finanziell unterstützt. Das Kolleg bildet Rabbinerinnen und Rabbiner für alle liberalen Jüdischen Gemeinden in Deutschland aus, aber auch weit darüber hinaus, zum Beispiel für Israel. Die erste Ordination von Rabbinern in Deutschland seit dem Holocaust fand 2006 statt, mit entsprechender nationaler und internationaler Resonanz. Außerdem hat das Kolleg in diesem Jahr mit der Ausbildung von Kantoren begonnen. Das Kolleg arbeitet mit wissenschaftlichen Einrichtungen des Judentums im In- und Ausland zusammen und fördert wissenschaftliche Publikationen. Die Arbeit des Kollegs ist also von überregionaler Bedeutung und im Interesse aller Bundesländer. Vor diesem Hintergrund und eingedenk der gesamtstaatlichen Verantwortung für die Wiederentstehung und Stärkung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Deutschland, werde ich die dauerhafte gemeinsame Förderung des Abraham Geiger Kollegs durch die Kultusministerkonferenz beantragen. Ich weiß, dass mein Anliegen außerordentlich breite öffentliche Unterstützung findet, und in den vorklärenden Gesprächen in den Gremien der Kultusministerkonferenz sowie mit den einzelnen Bundesländern ist eine große Aufgeschlossenheit für den Antrag deutlich geworden. Meine Damen und Herren, ich erwähnte eingangs, dass die DDR in ihren KZ-Gedenkstätten den antifaschistischen Widerstandskamp in heroisierender Form darstellte, so dass jüdische Häftlinge weitgehend nur vorkamen, wenn sie auch Kommunisten gewesen waren. Mit der nach Gründung des Landes Brandenburg erarbeiteten neuen Gedenkstättenkonzeption wird nun allen Häftlingen in den Lagern gleichermaßen gedacht. In diesem Jahr hat zudem die Gedenkstätte Ravensbrück mit der Ausstellung „Jüdische Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück“ die erst seit wenigen Jahren vorliegenden Forschungsergebnisse zur Geschichte der jüdischen Frauen in Ravensbrück präsentiert. Was das bedeutet, wird erst klar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Mitte der Neunziger Jahre nur 2 Namen jüdischer Frauen aus Ravensbrück bekannt waren. Dank der Forschung liegen diese Namen nun vor und anlässlich des Besuches von Herrn Ministerpräsident Platzeck in Israel kam es zu einem ersten Treffen der noch überlebenden Ravensbrückerinnen. Neben dem Gedenken an die Vergangenheit und der Forschung, Kultur und Gemeindeleben in der Gegenwart freuen wir uns auch besonders auf einen Termin in der Zukunft – den Bau der Neuen Synagoge in Potsdam. Das Land stellt dafür das entsprechende Grundstück zur Verfügung. In unserem Staatsvertrag mit der Jüdischen Gemeinde ist die Unterstützung bei der Errichtung dieser Synagoge festgeschrieben. Derzeit wird die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs vorbereitet. Einen letzten Punkt zu jüdischem Leben und der Brandenburger Bevölkerung möchte ich noch erwähnen. In der Stadt Zehdenick im Landkreis Oberhavel, im Jahr 1998 der 100 Jahre alte jüdische Friedhof dank großen bürgerschaftlichen Engagements wiederhergestellt wurde. In diesem Jahr war ich bei der Feier zum zehnjährigen Jubiläum der Wiedereinweihung, und es hat mich sehr gefreut zu sehen, wie stark die örtliche Bevölkerung sich an der Veranstaltung beteiligte. Auch das ist ein Zeichen für Erneuerung. Meine Damen und Herren, ich bin in meinen Ausführungen auf jüdisches Leben in Brandenburg ebenso wie auf die Zusammenarbeit mit Israel eingegangen. Denn so wie in der DDR das eine gar nicht, das andere nur sehr begrenzt stattfand, so sind auch die Erneuerung jüdischen Lebens im Lande Brandenburg und die vielfältigen Beziehungen zum Staate Israel eng miteinander verbunden. Ich freue mich, wenn sich beides zukünftig stetig weiter entwickeln wird und wünsche Ihnen zwei interessante und anregende Tage in Potsdam.
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