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Grußwort von S.E. Botschafter Shimon Stein anlässlich des 10. Rabin-Gedenkkonzertes
am Donnerstag, 2. November 2006


Die heutige Veranstaltung werden wir mit einem weinenden und mit einem lachenden Auge begehen. Mit einem weinenden, weil wir zusammengekommen sind, an Yizhak Rabin zu gedenken.

Elf Jahre sind schon vergangen, seit dem Samstag abend, dem 04.11.95 in Tel Aviv. Ich sage schon, weil mir scheint es, als ob es gestern geschehen ist. Gleichzeitig kann man staunen, dass nur elf Jahre vorbei sind - nur, weil seit dem traumatischen Abend zahlreiche innenpolitische wie auch außenpoli-tische Ereignisse stattgefunden haben, die das Attentat in weite Ferne gerückt haben. Deshalb bietet uns der Gedenktag die Möglichkeit, innezuhalten und uns an Yizhak Rabin zu erinnern.

An Rabin, die integre und gradlienige Person, an den Soldaten, I.D. 30740, an seine militärischen Erfolge und an den Staatsmann, der eine Vision hatte, die er versucht hat, mit Mut und Entschlossenheit zu implementieren; versucht, wohl wissend, wie er es auch auf der Friedenskundgebung an dem bewußten Samstag abend zum Ausdruck brachte, Zitat: Der Frieden bringt Schwierigkeiten und auch Schmerz mit sich. Israel kennt keinen Weg, der frei von Schmerz ist. Aber der Weg zum Frieden ist vorzuziehen dem Weg des Krieges, und deshalb will ich, dass meine Regierung jede Anstrengung unternimmt, jede Möglichkeit ausschöpft, um zu einem umfassenden Frieden zu kommen.

Wie wir ja alle wissen, hat er seine Aufgaben, seine Vision, einen gesicherten, demokratischen und prosperierenden Staat zu errichten, der in Frieden mit seinen Nachbarn lebt, nicht erfüllen können. Nicht erfüllt bleibt seine Vision leider auch elf Jahre nach seiner Ermordung. Die Aufbruchstimmung und die Hoffnung der 90er Jahre, die in breiten Teilen der israelischen Gesellschaft (trotz des Terrors) herrschte, die Überzeugung, dass wir uns in Richtung der Beilegung des Konflikts mit den Palästinensern bewegen, ist mit dem Scheitern von Camp David im Jahre 2000 vorläufig zu Ende gegangen.

Seitdem ist der Alltag überwiegend vom Terror beherrscht, der von Terrorganisationen initiiert und durchgeführt wird, Organisationen, die kein Interesse an einer politischen Lösung haben. Ein letztes trauriges Beispiel dafür hat uns die Terrororganisation Hizbolla vor Augen geführt.

Vor diesen politischen Entwicklungen stellen sich manche hypothetischen Fragen - was wäre wenn etc.etc. Stattdessen, so meine ich, ist die israelische Gesellschaft verpflichtet, nach vorn zu schauen und sich auf die unerfüllten Aufgaben von Rabin zu konzentrieren, nämlich in Sicherheit und Frieden mit unseren Nachbarn zu leben - unter Bewahrung des jüdischen und demokratischen Charakters des Staates. Und wenn von Demokratie die Rede ist , dann stellt sich für uns Israelis die Frage, ob wir aus dem Attentat und den Rahmenbedingungen, die zu dem tödlichen Anschlag führten, gelernt haben. Die Tatsache, wonach Meinungsumfragen zufolge fast 70% der Israelis ein politisches Attentat nicht aussschließen, sondern für möglich halten, und dass jeder dritte Israeli prinzipiell eine Amnestie für den Attentäter akzeptieren würde, sind nicht ermutigend.

Weil historische und schwierige Entscheidungen noch vor uns stehen, Entscheidungen, die mit aller Wahrscheinlichkeit nicht im Konsens verabschiedet werden, wird die Mehrheit lernen müssen, die Meinung der Minderheit zu respektieren und sie nicht auszugrenzen, genauso wie die Minderheit die demokratischen Entscheidungen der Mehrheit zu respektieren haben wird. Wenn wir wieder erlauben, dass die Meinungsfreiheit sich in Aufhetzung umwandelt, wenn wir stillschweigend die Hasstiraden von denen akzeptieren, die versuchen werden , gegen den Andersdenkenden anzugehen, wenn wir hinnehmen, die Sprache der Polarisierung und des Hasses zu ignorieren, wenn wir erlauben werden, Ideologien zu verbreiten, die sich über das Gesetz und die Demokratie stellen, wenn wir zurückschrecken vor Drohungen und dem Infragestellen der demokratischen Organe des Staates, dann werden wir uns vor einem Abgrund befinden.

Am heutigen Abend möchte ich hoffen, dass die israelische Gesellschaft die Vision Rabin’s und die Schlußfolgerungen aus dem Attentat vor Augen behält und mit Mut und Entschlossenheit zukünftig agieren wird.

Um von dem weinenden zu dem lachenden Teil des Abends überzuleiten ....

als sich die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin gründete, waren sich ihre Mitglieder gewiß bewußt, daß die vor ihnen liegende Aufgabe eine besondere und spannende sein würde. Ja, eine Herausforderung, die ein Deutscher mit Geschichtsbewußtsein annehmen sollte.

Die Mitglieder waren sich auch darüber im klaren, daß ihr Werben um die Solidarität mit Israel und seiner Bevölkerung ein mühsames Unterfangen werden würde. Mühsam, weil die Schoah noch nicht weit genug zurücklag, um zur deutschen Geschichte zu gehören. Und mühsam, weil einige wenige Hartnäckige schon zu der Zeit forderten, die beiden Völker müßten miteinander reden, sich aussöhnen. Erinnern wir uns: auch die Politik hatte sich mit der Entscheidung für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen schwer getan.

Meine Damen und Herren, in den vergangenen Jahrzehnten bestand in zumeist trauriger Regelmäßigkeit Grund zur besonderen Solidarität mit Israel. Unser Zusammenwirken und Zusammenhalten war und ist in Krisenzeiten besonders wichtig, doch wir hoffen auf eine Zukunft ohne Krisen.

Gehörte es in der Gründungsphase der DIG in der gesellschaftlichen und politischen Arena zum „guten Ton“, Mitglied in der DIG zu sein, so ist das wieder wünschenswert statt daß es in jener Arena zum „guten Ton“ gehört, die Mär eines angeblichen Israel-Kritik-Tabus zu kommunizieren.

In ihren Leitsätzen hat die DIG den Auftrag der Aussöhnung zwischen den beiden Völkern verankert. Diese Verpflichtung ist mit der Notwendigkeit verbunden, die Aussöhnungsgedanken auch der nachwachsenden Generation zu vermitteln.

In einer Zeit des Generationswechsels und des zahlenmäßigen Abnehmens der Zeitzeugen ist das Erinnern wichtiger denn je. Daher freue ich mich besonders über das DIG-Jugendforum, das nicht nur eine große Hoffnung für die Zukunft ist, sondern auch ganz konkret ein sehr hilfreicher und großartiger Partner bei unseren Projekten.

Die Arbeitsgemeinschaft Berlin gründete sich im November 1966, ein halbes Jahr nach der bundesweiten DIG. Sie bestand bei dieser Gründungssitzung aus 56 Mitgliedern, inzwischen ist sie um das Zehnfache gewachsen. Ihr Erfolg ist auch den charismatischen Vorsitzenden zu verdanken, die sich über die Jahre mit ihrem Engagement in die Organisation eingebracht haben: Ich danke Walter Sylten, der das erste Jahrzehnt insbesondere für die Verständigung zwischen den beiden Völkern gewirkt hat.

Ihm folgte im Amt Heinz Striek, ehemaliger Senator für Finanzen und Bürgermeister von Berlin a.D., der mit Leib und Seele seine Kräfte für die DIG eingesetzt, ja sie mit Herzblut aufgebaut hat. Hier möchte ich noch hinzufügen, daß er für die DIG Berlin noch viele Jahre als Schatzmeister tätig war. Nach ihm hatte Klaus Schütz, Bürgermeister von Berlin a.D. den Vorsitz inne. 1999 übernahm Jochen Feilcke das Amt. Seit dieser Zeit ist die Organisation noch einmal beträchtlich gewachsen und erfreut sich großen Zuspruchs.

Durch den Umzug der Botschaft nach Berlin ist die Kommunikation zwischen der Botschaft und der DIG um einiges leichter geworden. Die Tradition des Rabin-Gedenkkonzertes und des Sommerfestes sind starke Bindeglieder, die darüber hinweghelfen, daß die Beziehungen mit den Diplomaten nach vier Jahren immer wieder neu aufgebaut werden müssen. Diese Kulturereignisse sind akustisch, visuell und kulinarisch inspirierend, sie bieten Raum für gute Gespräche mit Freunden und werden immer zugunsten israelischer Institutionen veranstaltet. So auch heute für die israelische Hilfsorganisation Kfar Tikva. Dafür möchte ich Ihnen meinen herzlichen Dank aussprechen. - Bleiben Sie uns treu.

Als ein ausgesprochen lobenswertes Beispiel für das Solidaritätsengagement der DIG möchte ich die gelungene Delegationsreise nach Israel Ende Juli 2006, während des Libanon-Krieges nennen.

Ich bin überzeugt, daß die DIG künftig noch viele engagierte Mitglieder gewinnen kann, um die Verbindung zwischen den Menschen, zwischen Israelis und Deutschen zu stärken.

Deutschland ist für Israel ein strategischer Partner. In der globalen Welt stehen unsere beiden demokratischen Länder vor Herausforderungen, die wir nur gemeinsam bewältigen werden. Die deutsch-israelischen Beziehungen sind besonderer Art und werden immer einzigartig bleiben, und zwar auch, weil Europa für uns wichtig ist. Die DIG bietet sich als Partner an, um für diese Aufgaben in der Zivilgesellschaft Gleichgesinnte zu finden. Die DIG steht für Zuverlässigkeit, daher wird sie dieser Herausforderung gerecht werden.

Die kommenden 40 Jahre können auf diese positive Bilanz aufbauen. Ich wünsche Ihnen bei der keineswegs leichten, aber interessanten Aufgabe weiterhin viel Erfolg!

Vielen Dank.

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