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Gegen politischen Islam und Antisemitismus Rede auf der Kundgebung gegen den Al-Quds-Tag in Berlin am 29.10.2005 von Meggie Jahn, DIG Berlin
Sehr verehrte Damen und Herren,
liebe Israel-Freunde,
ich möchte Sie/Euch im Namen der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, die ich hier als Stellv. Vorsitzende der Berliner Arbeitsgemeinschaft und als Mitglied des Präsidiums vertrete, sehr herzlich begrüßen.
Seit drei Jahren beteiligt sich die DIG Berlin an den Aufrufen und Kundgebungen gegen den Al-Quds-Tag in Berlin. In diesem Jahr gehören wir mit dem Berliner Jugendforum erstmals zu den Mitinitiatoren. Neben Jochen Feilcke, DIG-Vizepräsident und Vorsitzender der DIG Berlin, gehören auch unser Präsident, Bundesminister a.D., Prof. Manfred Lahnstein, und Dirk Niebel, ebenfalls DIG-Vizepräsident, zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs. Auch in ihrem Namen darf ich Ihnen sehr für Ihr Kommen danken.
Die DIG ist mit mehr als 5000 Mitgliedern die zentrale Organisation in der Bundesrepublik Deutschland, in der sich Freunde Israels in überparteilicher Zusammenarbeit zusammengefunden haben, um vor dem Hintergrund der historischen Verantwortung durch die Shoa in Solidarität mit dem Staat Israel und seiner Bevölkerung zu wirken.
Die DIG engagiert sich seit fast 40 Jahren für einen Frieden im Nahen Osten, der die Lebensfähigkeit Israels dauerhaft sichert. Wir treten ein für eine Verständigung zwischen allen Völkern der Region und wenden uns entschieden gegen all diejenigen Kräfte innerhalb und außerhalb der Bundesrepublik Deutschland, die Israels Lebensrecht als jüdischer Staat bestreiten - so nachzulesen in unseren Leitsätzen.
Nur wenige Meter von uns entfernt haben sich in diesen Stunden Menschen zu einer Demonstration zusammen gefunden, die jedes Jahr dem Aufruf Ayatollah Khomeinis aus dem Jahr 1979 folgen und offen oder versteckt dem Staat Israel dieses Lebensrecht absprechen, da er als Fremdkörper in einer islamischen Welt empfunden wird. Wer sich nach allem, was vor zwei Tagen von Irans neuem Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad in Teheran verkündet wurde und sich dort am Al-Quds-Tag abspielte, diesem Zug anschließt, braucht kein Plakat und nicht das Wort zu erheben, um deutlich zu machen, welche Ziele er verfolgt.
Bei dem Kampf um Jerusalem – arabisch Al Quds - geht es eben nicht um ein Ende der israelischen Besatzung, die mit dem einseitigen Rückzug Israels aus dem Gazastreifen einen guten Anfang genommen hat, sondern um die Auslöschung des jüdischen Staates. Nur wer weiß, dass das Trauma des Holocaust dort bis heute gegenwärtig ist, kann erwägen, was eine solche Drohung für Israel bedeutet, zumal der Iran seit Jahren an einem Atomprogramm arbeitet, das nicht nur Israel, sondern die gesamte westliche Welt bedrohen könnte.
Mit der Ideologisierung und ständigen Rekrutierung von neuen Selbstmordattentätern ist der Iran einer der Hauptbrandstifter im Nahen Osten. Selbst langjährige israelische Friedensaktivisten begannen nach der Rückkehr zum Terror in den palästinensischen Gebieten im Zuge der zweiten Intifada daran zu zweifeln, ob es wirklich um die Gründung eines Palästinenserstaates an der Seite Israels oder nicht vielmehr um das Verschwinden des jüdischen Staates gehen solle.
Nach den Äußerungen Ahmadinedschads muss sich eine solche Position bestätigt sehen.
Ohne die Hasspropaganda durch die Verbreitung antisemitischer Filme, die Vertreibung der „Protokolle der Weisen von Zion“ – wie jüngst sogar am iranischen Stand auf der Frankfurter Buchmesse - oder auch Hitlers „Mein Kampf“ in der arabischen Welt könnte der Frieden zwischen Israelis und Palästinensern längst Realität sein, davon bin ich fest überzeugt. Daniel Barenboim liefert mit seinem West-östlichen Divan dafür ein überzeugendes Beispiel.
Niemand konnte zu Beginn dieser Woche ahnen, welch deutliche Worte Irans neuer Präsident anlässlich einer Konferenz mit dem vielsagenden Titel „In einer Welt ohne Zionismus“ finden würde und wie berechtigt wir heute hier stehen. Es scheint kein Zufall, dass just an dem Tag ein Terroranschlag in Israel stattfindet, an dem der iranische Präsident dazu aufgefordert hatte, Israel „auszuradieren“.
Lassen Sie mich noch ein paar Worte zum Initiatorenkreis dieser Kundgebung sagen und mich zugleich für die freundschaftliche Zusammenarbeit in den letzten Wochen bedanken.
Angesichts der inzwischen weit verbreiteten Tendenz, aus Angst vor wachsender Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie die Gefahr durch radikalisierte Muslime als mögliche Multiplikatoren für antisemitische Propaganda in Europa zu verharmlosen – das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin hat hier mit der Rückziehung ihrer vom European Monitoring Center on Racism und Xenophobia“ (EUMC) in Auftrag gegebenen Studie vor zwei Jahren leidvolle Erfahrungen gemacht - freue ich mich, dass in unserem Bündnis gegen den Al-Quds-Tag in Berlin gerade Migrantinnen und Migranten eine führende Rolle spielen. Besonders hervorzuheben ist hier das „Kreuzberger Bündnis gegen Antisemitismus“, das schon vor Jahren gegen islamistische Anschläge auf Synagogen und andere jüdische Einrichtungen demonstriert hat.
Erst durch ihre deutlich vernehmbare Stimme und ihr Engagement lernen die Menschen zu unterscheiden und verstehen, dass nicht alle Migrantinnen und Migranten aus einer islamisch geprägten Welt radikale Islamisten und damit eine Gefahr für uns sind.
Mit unserem Aufruf und dieser Kundgebung treten wir gemeinsam - gleich welcher Herkunft, Religion oder politischen Einstellung – für das Lebensrecht Israels, aber auch für universelle Werte wie Demokratie, Freiheit und Menschenrechte ein. Die menschenverachtende Ideologie der Islamisten hat darin keinen Platz.
Vielen Dank.
Berlin, 29. Oktober 2005
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