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EIN FREUND IST GEGANGEN - Zum Tode von Johannes Rau
von Prof. Manfred Lahnstein


Noch zu Beginn dieses Monats hatten wir uns bei ihm zuhause getroffen. Gewiss, die Krankheit war Johannes Rau deutlich anzumerken. Aber sein Geist war wach wie immer, die Stimme fest und sein legendärer Humor immer noch spürbar. Wir sprachen über die Familien, über gemeinsame Freunde, über die Einrichtung einer "Johannes Rau Bibliothek" und, wie konnte es anders sein, über Israel, das Land, das ihm so viel bedeutete und das er geliebt hat.

Dann kam die Feier zu seinem 75. Geburtstag, von Bundespräsident Köhler im Schloss Bellevue ihm zu Ehren ausgerichtet. Johannes Rau konnte nicht kommen, und damals wird viele seiner Freunde und Weggefährten eine düstere Ahnung überkommen haben.

Dennoch - die Nachricht von seinem Tode kommt völlig überraschend. Ich kann es nicht fassen, dass er nicht mehr unter uns ist.

Mit Johannes Rau ist ein großer deutscher Patriot von uns gegangen. Darüber wird in diesen Tagen viel und Wichtiges gesagt werden. Er ist aber auch der Politiker gewesen, der Israel seit Jahrzehnten wie kein zweiter gekannt hat und den Menschen dort aus tiefer Solidarität verbunden gewesen ist. Überaus groß die Zahl seiner Freunde dort, unvergleichlich tief seine Einsichten und Gedanken in die Welt des jüdischen Volkes und Geistes, aber auch in die großen politischen Entwicklungen Israels und des Nahen Ostens. Noch wichtiger aber war seine Bereitschaft zu helfen. Am besten aber kennzeichnen ihn die vielen bescheidenen und doch so wichtigen Zeichen, die er gesetzt hat. Das alles wird nie vergessen sein!

Die Deutsch - Israelische Gesellschaft trauert tief um ihr langjähriges Mitglied. Wir erinnern uns mit Erschütterung, aber auch in tiefer Dankbarkeit der Rede, die er vor einem Jahr, bereits von der Krankheit gezeichnet, zur Verleihung unseres Friedenspreises an die Jerusalemer "Hand in Hand Schule" gehalten hat. Vielleicht nirgendwo wie hier ist uns die tiefe Bedeutung seines Wahlspruchs "Versöhnen statt Spalten" aufgegangen. Seine Überzeugung ist Vermächtnis für uns alle.

Mit Johannes Rau verliere ich aber auch meinen ältesten politischen Freund. Wir haben uns seit 1957 gekannt. Für ein halbes Jahrhundert Rat, Vorbild, Ermunterung und Freundschaft werde ich immer zutiefst dankbar bleiben. Lieber Johannes, Du fehlst mir so sehr!

Shalom, Chaver!


27.01.2006

 

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