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Prof. Dr. Kurt Franke (Foto: Margrit Schmidt)

Prof. Dr. Kurt F. Franke
27.02.1929 - 08.06.2005

Am 8. Juni 2005 verstarb nach langer schwerer Krankheit unser ehemaliges Vorstandsmitglied Prof. Dr. Kurt F. Franke im 76. Lebensjahr. Aus gesundheitlichen Gründen hatte er sich 2002 nach zweijähriger Tätigkeit als Stellv. Vorsitzender aus der aktiven Arbeit der DIG zurückgezogen und seinen zweiten Wohnsitz in Berlin ganz aufgelöst.

Viele von uns erinnern sich an einen engagierten Streiter gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, insbesondere an den Schulen und Universitäten - seinem ureigensten Verantwortungsbereich - und für die Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern. Sein Credo war nicht nur zu reden, sondern zu handeln. Auch uns forderte er immer wieder auf, den Kontakt mit Lehrern, Schülern und Studenten zu verstärken, um diejenigen zu erreichen, die künftig Verantwortung tragen. Anfang 2000 hat er sowohl an der Freien Universität als auch an der Humboldt-Universität einen ganztägigen Israel-Studientag organisiert, die auf reges Interesse stieß. Ich erinnere mich an die Podiumsdiskussion beim Israel-Studientag an der FU, etwa ein Jahr nach Beginn der Intifada -, bei dem er einen Vertreter der israelischen Botschaft mit einem Repräsentanten der Palästinensischen Generaldelegation zusammen brachte. Es schmerzte ihn persönlich, dass es zwischen dem damaligen Gesandten an der Israelischen Botschaft, Mordechai Levi, und Mohammed Nazzal als Repräsentanten der palästinensischen Generaldelegation zu keiner persönlichen Begrüßung kam und beide mit der Schilderung des Leidens ihres eigenen Volkes um die Gunst des Publikums wetteiferten, ohne sich selbstkritisch zu befragen, ob auch eigene Fehler gemacht wurden, was den Blick nach vorne gerichtet hätte.

Bei Kriegsende ein junger Mann von 16 Jahren, setzte er sich früh mit den Verbrechen der Nazizeit auseinander und sah sich in der Verpflichtung, alles zu tun, damit solches Unrecht niemals wieder geschieht. Ein Projekt gegen das Vergessen, für das er auch im Rahmen der DIG warb, war die Vorstellung einer CD-Rom der Shoah-Foundation mit Berichten von Überlebenden. Zeit seines Lebens setzte sich der Pädagoge für Toleranz, Mitmenschlichkeit und demokratische Grundsätze ein, die er nicht nur bei uns, sondern auch in Israel zunehmend als gefährdet ansah. Bis zur Grenze der physischen und psychischen Belastbarkeit versuchte er gerade jungen Lehrern seine tiefsten Überzeugungen zu vermitteln und möglichst viele junge Menschen und Multiplikatoren zu erreichen. Beispielhaft genannt sei seine Arbeit an der Universität Jena und in Brandenburg direkt nach der Wende, als es darum ging, mit Hilfe und finanzieller Unterstützung des Gesamtdeutschen Instituts – Vorgänger der Bundeszentrale für politische Bildung - Lehrernachwuchs auszubilden, der unbelastet von der SED-Vergangenheit eingesetzt werden konnte. Zuletzt arbeitete er an der Freien Universität in Berlin im Bereich Didaktik der Geschichte der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät sowie an der Humboldt-Universität, wo er auch Seminare zum Thema Nahost-Konflikt anbot.

Natürlich war ihm Israel schon früh eine Herzensangelegenheit, ein Beitritt in die Deutsch-Israelische Gesellschaft deshalb folgerichtig. Enge Kontakte pflegte er vor allem zu dem Kinderdorf Neve Hanna, das er auch privat unterstützte. Er setzte sich erfolgreich dafür ein, dass der Erlös aus einem unserer Rabin-Gedenkkonzerte an das Kinderdorf ging, in dem Kinder aus sozial benachteiligten und zerrütteten Familien leben, die in freundschaftlichem Kontakt zu den Kindern der benachbarten Beduinenstadt Rahat stehen. Selbst mehrfach mit der Bundeszentrale für politische Bildung in Israel, gelang es ihm gleich nach der Wende, u.a. für deutsche Studenten der Humboldt-Universität Informationsreisen nach Israel zu organisieren, um ihnen ein anderes Israelbild zu vermitteln, als sie es in der DDR-Zeit kennen gelernt hatten.

1995 wurde Prof. Kurt Franke von Bundespräsident Roman Herzog u.a. für seine Verdienste um die Jugendfortbildung und den Lehrernachwuchs in den neuen Ländern das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Seine Frau Hannelore hat ihn in den letzten Jahren seiner schweren Krankheit rührend umsorgt und war ihm eine unverzichtbare Stütze. In ihrer Nähe fühlte er sich sicher und geborgen, denn beide verband schon sehr früh der Idealismus, die Welt nach der Shoah und den Naziverbrechen zum Positiven verändern zu können. Von dieser Hoffnung war am Ende seines Lebens nicht viel geblieben, auch die Entwicklungen im Nahen Osten mit einer Zunahme des religiösen Fundamentalismus erfüllten ihn mit Sorge, ja Resignation - die oft unerträglichen Nervenschmerzen mögen ihren Teil dazu beigetragen haben. An der Arbeit der DIG war er auch nach seinem erzwungenen Rückzug ins Private interessiert, hin und wieder haben wir uns darüber ausgetauscht.

Wir werden unserem ehemaligen Vorstandskollegen ein ehrendes Andenken bewahren und in seinem Sinne weiter arbeiten. Unsere Hoffnung bleibt, dass es mit Hilfe der moderaten Kräfte auf beiden Seiten eines Tages Frieden zwischen Israelis und Palästinensern geben wird, und wir werden alles dafür tun, um diesen zu befördern.

Meggie Jahn, Stellv. Vorsitzende DIG Berlin

Berlin, den 15.06.2005



Kondolenzadresse:

Hannelore Franke

Am Breitenberg 82b

38667 Bad Harzburg

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