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Berliner Morgenpost, 04.11.2008
 
Konzert - Wolf Biermann provoziert voller Leidenschaft
von Felix Stefan

Berlin - Großer Andrang im Sendesaal des RBB. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft feierte den 60. Geburtstag Israels und gedachte zum 12. Mal des ermordeten Premiers Itzhak Rabin. Im Mittelpunkt: Wolf Biermann, der ein Benefizkonzert zugunsten von im Krieg zerstörten Wäldern Israels gab.

Der Liedermacher nahm auch in diesem festlichen Rahmen kein Blatt vor den Mund. Er provozierte betretene Gesichter. Biermann sparte nicht mit Kritik und Belehrung, hatte aber auch resignativ Versöhnliches parat: "Wer wie ich oft in Israel war, der weiß, dass es wenig nützt, Ratschläge zu erteilen. Die Konflikte der Juden haben keine Lösung, nur eine Geschichte. "

Zwar widmete sich Biermann auch diesmal wieder seiner höchstpersönlichen bewegten Vergangenheit, seinen Phantomschmerzen, seinen offenen Wunden, seiner Sehnsucht und seinem Zorn. Doch er entfaltete all dies innerhalb des größeren Themas Israel. Und siehe da: Der Anlass milderte Biermanns Eitelkeit. "Eigentlich wollte ich's ja heute ganz kurz machen", entschuldigte sich der Künstler: "Aber wenn ich Ihre Gesichter sehe, dann muss ich einfach Geschichten erzählen." In der Tat wurden Biermanns Reden zwischen seinen Liedern und Gedichten immer länger. Er spurtete über die Grenzen seiner eigenen Konzentrationsfähigkeit. Gerade weil Biermann einen klaren Adressaten vor sich hatte, lief er zu großer Form auf. Durch den Umweg über seine eigene Person erzwang er Aufmerksamkeit für die innen- und außenpolitischen Probleme Israels.

Einen besonderen Platz an diesem Abend räumte Biermann Heinrich Heine ein, einem seiner Lieblingsdichter, "der von seinen jüdischen Landsleuten leider mit viel Gift und Galle überschüttet worden ist." Biermanns Hommage an Heine war ein leidenschaftlicher Appell ans Querdenkertum.

Als ihm der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft am Ende die Ehrenmitgliedschaft antrug, reagierte der Liedermacher in bester Biermann-Manier: "Da muss ich gar nicht lange überlegen. Natürlich lehne ich die Ehrenmitgliedschaft ab." Nach einer Schrecksekunde fügte er hinzu: "Ich werde lieber ein ganz normales Mitglied bei Ihnen."

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