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Am 15.04.2008 sprach Melody Sucharewicz in der Konrad-Adenauer-Akademie Berlin über „Israel heute – Chancen für Frieden“ Bericht von Meggie Jahn 
Von links: Andreas Kleine-Kraneburg, Leiter der Konrad-Adenauer-Akademie, Melody Sucharevicz und Jochen Feilcke.
Mit Münchner Charme und erfrischender Offenheit zeichnete die "junge Botschaferin Israels", Melody Sucharevicz, geboren in München und seit 8 Jahren Israelin, ein Bild Isaels, das zwar vielen von uns nicht neu, Nichtkennern der Region aber weitgehend unbekannt sein dürfte. 1980 war sie bei einer TV-Reality-Show von einer hochrangigen Jury zur „Good-Will-Botschafterin“ Israels ausgewählt worden und ein Jahr lang durch die Welt gereist, um insbesondere Schulklassen und jungen Menschen „ein anderes Israel“ vorzustellen. Erst am Vormittag war sie in der John-Lennon-Schule in Berlin mit Schülerinnen und Schülern zusammen getroffen und stand noch unter dem Eindruck der Begegnung, bei der zwar kritische Fragen gestellt wurden, aber auch ein großer Wissensdurst deutlich geworden war.
Sucharewicz schilderte aus ihrer Sicht die entscheidenden Hindernisse für einen Frieden in Nahost und wünschte sich ein Umdenken bei den politisch Verantwortlichen und bei den Medienmachern. 
"Den Frieden machen letztlich die Menschen. Sie müssen an einen Frieden glauben können."
Israel biete nicht nur Terror und Gewalt, wie es uns von diesen täglich suggeriert werde, sondern „ein Nachtleben, das London und Paris in die Tasche“ stecke. Darüber hinaus gebe es einen blühenden Tourismus, mehr Museen in einem Land als irgendwo sonst, Wissenschaft und Forschung und eine boomende High-Tech-Industrie, die bereits „in Konkurrenz zum Silicon-Valley“ stehe.
In Israel sei man täglich – ob in den Medien oder beim Friseur – mit dem Konflikt konfrontiert, er gehöre somit zur Normalität. Eine realistische Chance auf Frieden aber gebe es nur dann, wenn neben der Politik auch die Zivilgesellschaft und die Medien stärker in den Blick genommen würden. Er sei nur möglich, wenn er von beiden Völkern – Israelis und Palästinensern – wirklich gewollt werde. Ihrer Meinung nach finde die psychologische Ebene bei der Betrachtung des Konflikts zu wenig Beachtung. Eine Mehrheit der Israelis wolle den Frieden und 70 Prozent sprächen sich für einen Palästinenserstaat neben Israel aus, die Frage sei nur, wie dieser aussehen solle. Bei dem Konflikt stießen „zwei völlig konträre Narrative“ aufeinander. Während die Israelis jedes Jahr am 14. Mai den Unabhängigkeitstag feierten (nach dem jüdischen Kalender fällt er dieses Jahr auf den 8. Mai!), sei der Tag der Staatsgründung für die Palästinenser ein „ Tag der Trauer und der Wut“. Während sie als Enkelin einer Holocaust-Überlebenden den Yom Haazmauth „voller Stolz“ feiere, wüchsen zu viele palästinensische Kinder dank der Existenz von Gruppen wie die Hamas "in systematischer Hetze gegen Israel" auf. Laut der Umfrage eines palästinensischen Psychiaters träumten die Hälfte aller palästinensischen Kinder zwischen 6 und 11 Jahren davon, Selbstmordattentäter zu werden. Im arabischen und palästinensischen Kinderkanal gebe es Mickey-Maus-Filme, in denen vor aller Augen Israelis getötet würden. In Sommer-Camps und Publikationen werde ein Feindbild Israels vermittelt, das die Wirklichkeit völlig verzerre. Dieser „Ideologieimperialismus“ impfe schon Kindern ein, dass ein Menschenleben nichts wert sei, solange man für die „Befreiung Palästinas“ sterben könne.
Als "lebendige Demokratie" gebe es in Israel dagegen alle Facetten politischer Strömungen - vom rechten Rand über die Orthodoxie und eine „riesengroße reiche Facette liberaler Juden“ bis hin zur Linken, die sich gegen die Eltern und sogar gegen den Militärdienst auflehnten. Eine systemmatische Verhetzung der Kinder sei nicht denkbar. Jeder israelische Bürger und jedes Kind habe seine „individuelle Gedankenwelt“, sage laut seine Meinung und brauche sich nicht zu verstecken.
Solange palästinensischen Kindern diese Freiheit verwehrt bliebe und sie in dem Glauben erzogen würden, dass der Staat Israel in der Region zu Unrecht bestehe, werde es keinen Frieden geben. Viel wichtiger sei es, die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Völkern zu betonen, äßen sie nicht beide gerne Pita und Humus, liebten nicht beide Seiten das Mittelmeer, ja, fluchten nicht beide gerne und besonders heftig? So die junge Botschafterin Israels.
Statt ständig die „Vorwurfsmaschinerie“ zu bedienen, sollten auch die Medien vermitteln, dass ein friedliches Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern möglich sei. Stattdessen seien z.B. im Libanon-Krieg 2006 wiederholt von der Hisbollah gefälschte Bilder von getöteten Kinder über die Bildschirme gelaufen. Natürlich sei es wichtig,zu informieren, Aufgabe der Medien müsse aber auch sein, gemeinsame Identitäten aufzubauen. Das Internet biete hier eine „mächtige Plattform“, die negativ, aber auch positiv genutzt werden könne. Es diene zum einen der Verbreitung von Hasspropaganda, könne aber zugleich Lügen aufklären, wie es z.B. auf "You tube" immer wieder passiere. Durch virtuelle Chatrooms, so Melody, könnten schließlich Brücken gebaut und der Dialog zwischen beiden Seiten befördert werden.
"Den Frieden machten letztlich die Menschen", so Melody. Und so arbeiteten in Israel 100 Nichtregierungsorganisationen, in Palästina 60. Das "Peres-Center for Peace", für das sie inzwischen arbeite, betreue z.B. ein medizinisches Großprojekt, über das durch ein palästinensisch-israelisches Ärzteteam bereits 5000 Operationen palästinensischer Kinder stattgefunden hätten. Es gebe gemeinsame Fußballprojekte, bei denen sich jährlich über 1000 israelische und palästinensische Sportler getroffen hätten. Zudem gebe es Partnersportschulen zwischen Deutschland und Israel, zwei davon in dem täglich von Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen bedrohten Sderod und Tulkarem in der Westbank. Nachdem Yossi Chaimov bei einem Raketenangriff schwer verletzt worden sei, hätten ihn seine palästinensischen Sportsfreunde besucht, wodurch er zwar nicht die Traumatisierung verloren, wohl aber gelernt hätte, zwischen Freunden und Terroristen zu unterscheiden, so Melody.
Um solche Initiativen stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken, brauche es einen „klugen und kreativen Einsatz und Gebrauch der Medien“. Nur dann würde die Botschaft vermittelt, dass ein Frieden zwischen den verfeindeten Völkern möglich sei. Und so zitierte Melody am Ende ihres Vortrags Schimon Peres, mit den Worten „Wir in Israel glauben an den Frieden“. Von großer Bedeutung sei, so Melody, dass auch die Palästinenser daran zu glauben lernten.
Diskussion: 
In der Diskussion kam es zu einer Polarisierung der Positionen: Während ein Zuhörer nur wenig Unterschiede zwischen den "Fundalentalisten auf beiden Seiten" erkennen konnte und den Hauptgrund für den bis heute fehlenden Frieden in der israelischen Siedlungspolitik zu erkennen glaubte, wies ein anderer kritisch auf Umfragen hin, denen zu folge mehr als 65 % der Deutschen und Europäer Israel noch vor dem Iran und Nordkorea als "größte Gefahr für den Weltfrieden“ hin. Dies beweise, dass die Medien Israel zu allererst als aggressives und gewalttätiges Monster darstellten. Eine Zuhörerin wollte wissen, wie die israelische Bevölkerung mit der täglichen Bedrohungssituation umgehen lerne. Was die Kritik an der Siedlungspolitik anging, so machte die Referentin deutlich, dass diese bei aller berechtigten Kritik weder der Ursprung, noch die Ursache für den Konflikt se, denn der palästinensische Terror habe bereits vor 1967 begonnen und Gaza sei inzwischen ganz geräumt worden. Nach dem einseitigen Rückzug von 8 000 Siedlern aus Gaza unter dem "Gotfather of settlement", Ariel Scharon, hätten die Kassam-Raketenangriffe auf den Süden Israels gravierend zugenommen, was insbesondere in Sderot viele Menschen traumatisiert habe. Auch der Libanon-Krieg 2006 sei nichts anderes als die Folge von Provokationen der Hizbollah durch Entführungen und Raketenangriffe. Olmert habe schließlich gleich nach Regierungsübernahme einen Rückzug aus besetzten Gebieten angekündigt, woran ihn der Terror der Hizbollah und der Hamas gehindert habe. Ein Zuhörer meinte hinzufügen zu müssen, dass die Kritik an der Siedlungspolitik - ob berechtigt oder unberechtigt - manchem nur Vorwand dafür sei, um Israels Existenz gleich ganz in Frage zu stellen. 
"Wir haben keine andere Chance als optimistisch zu bleiben."
Was die Frage nach Jugend anging, so antwortete die Referentin, diese halte die Belastungen in einem ständig bedrohten Land nur dadurch aus, dass sie sich in Eskapismus flüchte und jeden Tag wie den letzten lebe, was die positive Begleiterscheinung habe, dass die Jugendkultur boome. Dank der jüdischen Immigranten aus verschiedenen Ländern, so u.a. eine Million aus der ehemaligen Sowjetunion, gebe es auch eine bemerkenswerte und vernetzte Kunst- und Kulturszene. Typisch sei für junge Israelis, nach dem Militätdienst eine „Auszeit“ zu nehmen und andere Länder zu bereisen, in denen man sich eine Zeit lang sicher fühle. Das negative Image Israels im Ausland führe bei manchen Israelis auch dazu, dass sie sich selbst des Unrechts bezichtigten, besonders ehrgeizig und erfolgreich seien, so insbesondere in der High-Tech-Branche, so Melody. Die Hoffnung, dass die 20 % arabischen Israelis eine „Brücke zu den Palästinensern“ sein könnten, konnte Melody leider nicht bestätigen, da die intifada eher zu einer „ideologischen Verbrüderung“ mit den Palästinensern geführt habe und natürlich Angst im Spiel sei. Diese müssten ihre Kinder nicht zu Hass, sondern zum Dialog mit der anderen Seite erziehen, um der in den leztten Jahren weiter gewachsenen Entfremdung entgegenzuwirken. Leider gebe es heute kaum noch christliche Araber in Israel, mit denen der Dialog einfacher gewesen sei. Gefragt, ob die internationale Gemeinschaft Druck auf die Kontrahenten ausüben solle, um den Friedensprozess voranzubringen, antwortete Melody, die USA praktizierten dies bereits. Für Deutschland sei die Zeit noch nicht reif. Israelis und Palästinenser bräuchten „keine Polizisten“. Wichtig sei, dass die internationale Gemeinschaft den Prozess positiv begleite.
Nach Vortrag und Diskussion dankte Jochen Feilcke im Namen beider Kooperationspartner der „jungen Botschafterin Israels“ für ihre kompetente Lobby-Arbeit und den spannenden Austausch. Er lud das Publikum für die Konrad-Adenauer-Stiftung noch zu Wein und Brezeln und einer Vertiefung der Gespräche ein.

Das Team von KAS und DIG freut sich über eine gelungene Veranstaltung.
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