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Am 23. Juni 2008 sprach Marcus Mohr in der Akademie der KAS über das Thema "60 Jahre Pragmatismus? Sicherheitspolitik und deutsch-israelische Beziehungen" Text und Fotos von Meggie Jahn

Jochen Feilcke begrüßte für die DIG Berlin und Potsdam die rund 200 Gäste.
Rita Schorpp, zuständig für das Veranstaltungsmanagement der Konrad-Adenauer-Stiftung, freute sich über den regen Zuspruch, den auch diese Kooperationsveranstaltung mit der DIG Berlin und Potsdam gefunden hatte und begrüßte im Kreis der Gäste den Referenten sowie den DIG-Vorsitzenden Jochen Feilcke besonders herzlich. Die Adenauer-Stiftung nutze damit die Gelegenheit, im 60. Jahr der Staatsgründung Israels ein weiteres wichtiges Thema im Rahmen der deutsch-israelischen Beziehungen zu präsentieren, so Rita Schorpp.
Der Vortrag von Marcus Mohr, Doktorand im Fach Politikwissenschaft, schlug einen großen Bogen seit Gründung des Staates Israel vor 60 Jahren bis heute, schließlich seien militärische Sicherheit und ausländische Unterstützung für den Staat bis heute von existenzieller Bedeutung. In seiner Power-Point-Präsentation widmete sich Mohr folgenden Fragen: Welche Rolle spielte Rüstung in den deutsch-israelischen Beziehungen? Welche sicherheitspolitischen Beziehungen und welche Formen der Zusammenarbeit bestanden und bestehen zwischen Deutschland und Israel heute? Und wie reagierte die Bevölkerung auf beiden Seiten auf diese Kooperation?
Bei seinem spannenden Überblick über die deutsch-israelische Rüstungszusammenarbeit arbeitete er heraus, dass die israelische Führung vor dem Hintergrund der anhaltenden Bedrohungslage gleich nach der Staatsgründung im Verhältnis zur damaligen Bundesrepublik äußerst pragmatisch vorging und sich mit Shimon Peres und Franz-Josef Strauss in den 1960er Jahren zwei Partner fanden, die die Kooperation zum Nutzen beider Seiten ausbauten.
Marcus Mohr war eingeladen als ausgewiesener Experte für die Thematik. Er ist Politologe und Historiker. Seine Magisterarbeit schrieb er zum Thema „Waffen für Israel – Westdeutsche Rüstungshilfe vor dem Sechstagekrieg“. Gegenwärtig promoviert er über ein Thema aus dem Bereich der Geschichte der westdeutschen Sicherheitspolitik.

Rita Schorpp bei der Begrüßung
Hier finden Sie den gesamten Vortrag.

Marcus Mohr
Rita Schorpp forderte das Publikum im Anschluss dazu auf, mit dem Referenten ins Gespräch zu kommen.
In der anschließenden Diskussion wurden vor allem vertiefende Nachfragen zum Vortrag gestellt. Ein Zuhörer aus Israel fühlte sich aber herausgefordert, darauf hinzuweisen, dass der eingeführte Begriff der "Zweitschlagskapazität" Israels für ihn irritierend sei, da das kleine Land keinerlei Überlebenschance habe, wenn es mit Atomraketen angegriffen würde. Das zeige sich in der augenblicklichen Diskussion um den Iran besonders deutlich. Mohr gab dem Nachfrager recht, verwies aber darauf, dass es sich hier um einen "Terminus technicus" handele, der im Kalten Krieg geprägt worden sei und für die Supermächte eine ähnliche Bedeutung hatte. Tatsächlich habe er nur der Abschreckung gedient. Zwei andere Stimmen aus dem Publikum thematisierten die neue Gefahr, die vom Islamismus ausginge, was vom Referenten bestätigt wurde. Vieles deute allerdings darauf hin, dass diese Gefahren in einem Teil der arabischen Welt inzwischen auch erkannt würden. Deshalb gelte es, gemeinsam mit den gemäßigten Muslimen nach politischen Lösungen zu suchen.
Hier finden Sie eine vom Referenten für den Vortrag zusammen gestellte "Zeitleiste" der deutsch-israelischen Rüstungskooperation.
Meggie Jahn bedankte sich im Anschluss bei Marcus Mohr sehr herzlich für seinen "kurzweiligen und spannenden Vortrag", der auch für sicherheitspolitische Laien leicht verständlich gewesen sei. Die DIG habe sich damit einem Thema zugewandt, das vielleicht nie zuvor von ihr diskutiert worden sei - wie sie meine, mit Erfolg. Sie dankte dem Referenten deshalb im Namen beider Veranstalter für das Angebot, mit diesem Vortrag ungewohntes und neues Terrain zu betreten.
Im Anschluss an Vortrag und Diskussion konnte man bei Wein und Brezeln auf Einladung der Stiftung in persönlichen Gesprächen das Gehörte weiter vertiefen. Dafür sei ihr auch an dieser Stelle noch mal herzlich gedankt.
Mehr zum Thema:
Shlomo Spiro, "Keine Einbahnstraße - Kontinuitäten der deutsch-israelischen Rüstungskooperation", IMI-Analyse 2006/027 - in: Analyse und Kritik 20.10.2006
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