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Stellungnahmen zum Leserbrief vom 4. Juni 2008 „Kein Zeichen eines israelischen Friedenswillens“ von Harald Moritz Bock (FAZ 04.06.2008), die beiden oberen erschienen in der FAZ vom 11.06.2008.

 

Wenn Funktionären die Pferde durchgehen

 

Herr Harald Moritz Bock ist Generalsekretär der „Deutsch-Arabischen Gesellschaft“. Wie das bei Funktionären immer wieder zu beobachten ist, gehen auch mit Herrn Bock gelegentlich die Pferde durch. Es ist nachvollziehbar, daß er das Lied derer singt, deren Brot er ißt. Ich bezweifle allerdings, daß seine Maßlosigkeiten („Vernichtungsorgie“, „sinnlose, kriegerische Zerstörungen“, „plattgemacht“) bei seinem Präsidenten Peter Scholl-Latour gut ankommen. Die Meinungen dieses Präsidenten der „Deutsch-Arabischen Gesellschaft“ muß man durchaus nicht immer teilen, sie sind allerdings meist durchdacht und niveauvoll formuliert. Sein Generalsekretär hingegen versucht sich als Ahmadinedschad-Verschnitt, ihn ernst zu nehmen hieße, den Bock zum Gärtner zu machen. Hier ist Herr Scholl-Latour gefordert!

 

Eroberte Gebiete zurückzugeben, wie es Israel seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 immer wieder getan hat, ist international sehr ungewöhnlich und wie die Geschichte lehrt, immer riskant. Während die „Friedensbewegten“ jahrzehntelang „Land for Peace“ gefordert haben, stellen die Israelis ernüchtert fest: Sie gaben Land, und ernteten Raketen. Nach der Räumung des Libanon attackierte die vom Iran und von Syrien unterstützte Hisbollah-Miliz den Norden Israels mit Katjuscha-Raketen, die Hamas sendet täglich aus dem geräumten Gazastreifen Kassam Raketen nach Sderot und inzwischen auch nach Ashkelon. Das Leid der betroffenen und getroffenen Menschen darf Niemandem gleichgültig sein! Inzwischen weiß jeder faire Betrachter der Nahostszene:

Nimmst Du den Terroristen die Waffen, beseitigst Du die Gewalt, nimmst Du den Israelis die Waffen, beseitigst Du den Staat Israel.

 

„Wir werden den Golan zum Zentrum Syriens machen", lautet eine Parole am Ortseingang von Kuneitra, der in den Kriegen von 1967 und 1973 völlig zerstörten „Blume des Golan“. Im Jom-Kippur-Krieg wurde sie zunächst von syrischen Truppen beschossen und erobert, dann von den Israelis zurückerobert und gegen heftige syrische Gegenangriffe verteidigt. Panzer rollten durch die Straßen und über die Trümmer der Häuser hinweg. Syrien war also an den Zerstörungen maßgeblich beteiligt.

Es bleibt zu hoffen, daß die Gespräche mit Syrien zu ähnlich guten Ergebnissen führen wie die Friedensverhandlungen mit Ägypten (1979), die zum Abzug aus dem Sinai führten und mit Jordanien (1994). Nach Abschluß erfolgreicher Verhandlungen wird Syriens Staatspräsident Baschar al-Assad sicher gerne ein Friedensabkommen in Israels Hauptstadt Jerusalem unterzeichnen.

 

(Abschließend zwei kleine Hinweise an den Generalsekretär der „Deutsch-Arabischen Gesellschaft“:

1. „Das Parlament“ ist nicht regierungsamtlich sondern eine Publikation des Deutschen Bundestages.

2. Der ägyptische Präsident Muhammad Anwar al-Sadat sprach bereits 1977 in der Knesset in Israels Hauptstadt Jerusalem, Hussein bin Talal, König Hassan I von Jordanien, kam 1995 zur Beisetzung von Yitzhak Rabin in Israels Hauptstadt Jerusalem und nicht nach Tel Aviv. Dieser Absatz wurde nicht veröffentlicht)

 

Jochen Feilcke

Vorsitzender der DIG Berlin und Potsdam

 

Leserbrief von Mirko Freitag zum gleichen Thema:

 

Hetze gegen Israel

 

Es ist schon verwunderlich, dass eine seriöse Zeitung wie die FAZ einen derartigen Leserbrief kommentarlos veröffentlicht. Leser Bock von der Deutsch-Arabischen Gesellschaft nutzt dieses Medium, um seiner Hetze gegen Israel freien Lauf zu lassen. Mit Wörtern wie "Vernichtungsorgien der israelischen Truppen", "verbrannte Erde" oder "plattmachen" bedient sich Leser Bock eines Vokabulars, das an Kriegsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs erinnern soll. Die Assoziation ist ekelhaft. Kein Wort sagt Leser Bock dazu, dass Israel sowohl 1948 als auch 1967 von allen arabischen Nachbarstaaten angegriffen wurde, dien den jüdischen Staat vernichten wollten. Kein Wort findet er zu den Christenverfolgungen und anderen massiven Menschenrechtsverletzungen in den arabischen Ländern und in den palästinensischen Gebieten im besonderen. Es ist nicht schön, eine solche Propaganda in der FAZ zu lesen. Andererseits wird mit solchen Kommentaren jedem Leser deutlich, welche Standpunkte die Deutsch-Arabische Gesellschaft vertritt.

 

Mirko Freitag, Berlin

 

Leserbrief zum gleichen Thema von Dr. Gesine Palmer:

 

In seinem Leserbrief zu einem Artikel von Jörg Bremer beschreibt Harald Moritz Bock von der Deutsch-Arabischen Gesellschaft Berlin in einer etwas naserümpfenden bis eifernden Tonlage die Zerstörung der Stadt Kuneira als eine israelische "Vernichtungsorgie." Er parallelisiert sie sodann mit dem Verhalten Israels, geräumte Siedlungen nicht nutzbar zu hinterlassen, und befindet, daß dies nicht gerade den Friedenswillen der Israelis dokumentiere.

 

Das Schicksal von Städten und Gebieten, die in Kriegen zur Beute werden, zu dokumentieren, zu bedauern und zu beklagen, ist eine notwendige und legitime Beschäftigung. Jede Zerstörung ist für das, was zerstört wird, eine Katastrophe, und das Ziel aller Verhandlungen muß immer sein, Ausgleiche so zu erzielen, daß für alle Parteien ein maximaler Nutzen und ein minimaler Schaden entsteht. Dies ist zugleich rational und banal. Und daß es gelingt, hat sicher zur Voraussetzung, daß jede emotionale Klage über ein Scheitern der entsprechenden Bemühungen zugelassen wird. Niemand hätte einen Einwand dagegen, daß Bewohner der 'Blume' ihrem Leid Ausdruck verschaffen. Diese Klage kann aber nicht von einem Nutzer eines Gebietes gegen einen anderen glaubwürdig geführt werden, sondern nur von den geschädigten Bevölkerungen eines Gebietes selbst. Denn unter Nutzern ist es völlig legitim, daß jeder Mensch und jede Gemeinschaft die in einer Gegend getätigten Investitionen (auf welcher Rechtsgrundlage auch immer) selbst zu nutzen wünschen, und daß niemand, dem sein Leben und seine Existenz wichtig sind, den Eindruck vermitteln möchte, es lohne sich, ihn oder sie aus einem bestimmten Gebiet zu vertreiben.

 

Wer hier als Nutzer anklägerisch den Finger hebt, wird in die logische Falle jedes Egoismusvorwurfs tappen: "Egoist" sagt man immer dann zu einem anderen, wenn man seine eigenen, nicht weniger "egoistischen" Interessen durch ihn verletzt sieht. Der Egoismusvorwurf, so moralisch er sich auch gewanden mag, spielt insofern nie in der moralischen Liga, sondern stets nur in der der Interessenkonflikte. In der moralischen Liga aber spielt die Klage der Besiedelten und Ausgebeuteten selbst.

In Macht- und Gebietskämpfen hingegen kämpfen immer zwei Egoismen gegeneinander, und sowohl die Lebensinteressen der dabei zur Beute degradierten Bevölkerungen und ihrer Investitionen als auch die Interessen derjenigen, die eine für beide Parteien lebbare Lösung aushandeln wollen, kommen schnell unter die Räder. Wenn man hier schon moralisiert, sollte man es richtig und umsichtig tun und also nicht historische Anklagen erheben und "üble Motive" aufdecken, deren Aufdeckung dann wieder in die übliche Hetze einmünden kann, sondern beiden Parteien vor Augen führen, auf welche Weise sie eine Situation herbeiführen können, die beiden Vorteile bringt. Die Frage von warm und kalt gehört dabei in die Operette und soll einer Zeit überlassen werden, in der die Lebensinteressen beider Seiten nicht mehr bedroht sind. Bis dahin sind nicht die Nutzungsrechte einzelner Investitionen oder die Kanalisation der Wüte von Bezwungenen das rationale Thema, sondern Gesamtpakete, in denen für alle eine Verbesserung der Lebensmöglichkeiten und eine Verbesserung ihrer Sicherheitssituation herauskommen. Über derartige Pakete wird intensiv verhandelt, dazu gehören Kontrollerleichterungen und Lieferungsbedingungen etc., und es wäre hilfreich, wenn diese Verhandlungen nicht immer wieder durch moralische Überhöhungen der einen oder anderen kleinen Fragen behindert würden."

 

Dr. Gesine Palmer

 

Und hier finden Sie den "Stein des Anstoßes", den Artikel von Harald Moritz Bock. .

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