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Leserbriefe zur Karikatur im Tagesspiegel vom 05.01.2009 mit dem Titel "Israel wehrt sich" (s.u.) von Dr. Gesine Palmer, Dr. Martin Kloke, Meggie Jahn und Margreet Krikowski vom 05.01.2008:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Karikatur von Herrn Stuttmann trifft ins Zentrum eines echten Problems: Wer sich mit Gewalt durchsetzt und dabei zivile Opfer in Kauf nimmt, gerät leicht in die ideologische Gefahr, immer weitere Opfer rechtfertigen zu müssen mit der Angst vor deren Rache. Das umso mehr, je wütender er darauf bedacht ist, positiv ausgerechnet von denen dargestellt zu werden, die doch den Schaden von seiner Durchsetzung haben. Dieses Naturgesetz menschlichen Kriegsverhaltens ist der Wahrheitsgehalt des inzwischen schon sehr viel kritisierten Bildes. Leider setzen sich um solche Wahrheitsgehalte praktisch immer furchtbare Verlockungen zu ideologischer Aufladung, und immer wird ein Kontext auf eine Weise ausgeblendet, die schwer verletzend wirkt. In diesem Fall ist es eben so, daß nicht harmlos spielende Kinder eine israelische Reaktion erforderlich gemacht haben, auch nicht Menschen, die einfach ihre Leidensgeschichte erzählen und ein menschenwürdiges Leben führen wollen, sondern eine wohlorganisierte Vereinigung von religiösen Fundamentalisten, die einen Staat beseitigen wollen und unablässig gewaltsame Angriffe gegen seine Zivilbevölkerung richten. Das Elend der Zivilbevölkerung wird von dieser Vereinigung und ihren Unterstützern seit der Existenz der Flüchtlingslager nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern durch die arabische Seite der Blockaden künstlich aufrechterhalten und als Mittel zur Anklage gegen Israel inszeniert. Die Karikatur im Tagesspiegel macht sich mit dieser Inszenierung gemein und suggeriert durch ihren Titel eine strukturelle Gleichheit zwischen antisemitischen Aktionen während der NS-Zeit und dem israelischen Einmarsch in Gaza. Sie tut das vermutlich auf der Grundlage einer eigenen deutschen VerleugnungSie tut das vermutlich auf der Grundlage einer eigenen deutschen Verleugnung: Wir, die "Erben" des Naziregimes, haben das unverdiente Privileg, in Ruhe und Sicherheit zu leben. Es ist uns unangenehm, daß die Nachfahren der Opfer unserer Vorfahren immer wieder auf zweifelhafte und gewaltsame Mittel zurückgreifen müssen, um sich in der Gegend, in der sie Zuflucht gesucht haben, zu halten. Darum springen wir besonders gern an, wenn es mal so aussieht, als wären sie jetzt richtig böse.


Aufklärung über die eigenen Motive bei emotionalen Reaktionen ist eine mühselige Sache. Nur wenige Menschen haben die Geduld dazu. Wenn man das weiß, appelliert man vielleicht nicht so leichtfertig ausgerechnet an die niedersten Instinkte, um eine im Grundsatz nicht ganz falsche Einsicht oder Botschaft zu übermitteln.

Dr. Gesine Palmer


Sehr geehrte Damen und Herren,

Klaus Stuttmann wirft in seiner Karikatur Israel vor, mit Panzern gezielt eine todbringende Jagd auf Zivilisten - hier Kinder - zu machen. Diese propagandistisch motivierte Infamie ist einer seriösen Tageszeitung unwürdig: Gibt es keine redaktionelle Qualitätskontrolle zur Sicherung faktenbasierter Minimalstandards?

Warum hat sich Stuttmann nicht zunächst sachkundig gemacht, bevor er seinen Ressentiments freien Lauf ließ? Dann hätte er wissen können, dass Israel im Kampf gegen den seit Jahren anhaltenden Raketenterror der Hamas alles Erdenkliche unternimmt, um die Schäden für die Zivilbevölkerung zu minimieren. Die israelische Armee warnt vor ihren Militärschlägen gegen die terroristische Infrastruktur die lokal betroffenen Palästinenser per Flugblätter, Handy-Anrufe und SMS-Signale, um unschuldige Opfer zu vermeiden. Demgegenüber haben die menschenverachtenden Terrortrupps der Hamas keine Skrupel, wahllos israelische Zivilisten, Kindergärten und Schulen zu beschießen sowie Stellungen und Waffendepots in Wohnsiedlungen und Moscheen zu platzieren. Zwar sind leider auch zivile Opfer unter den Palästinensern zu beklagen; gleichwohl ist es Fakt, dass die Zahl getöteter Zivilisten in Gaza proportional weitaus geringer ausfällt als in vergleichbaren Kriegen, die von alliierten Streikräften im Kosovo oder in Afghanistan ausgetragen worden sind oder noch werden. Wer Israel in seinen legitimen Verteidigungsanstrengungen mit anderen und strengeren Maßstäben als sonst international üblich misst, muss sich fragen lassen, ob eine solche Position nicht von einem Antisemitismus in moralischer Tarnung geprägt ist.

Dr. Martin Kloke



Sehr geehrter Herr Stuttmann,

mit Karikatur und Text im TAGESSPIEGEL vom 5.1. „Israel wehrt sich“ assoziieren Sie, dass sich der israelische Militäreinsatz gegen die Hamas im Gazastreifen bewusst auch gegen Kinder richte und das israelische Auftreten dort sie zu späteren Selbstmordattentätern mache. Vermutlich geben Sie damit die Stimmung einer Mehrheit der hiesigen Bevölkerung wieder.

Ich frage mich allerdings ein weiteres Mal: Warum echauffiert man sich in Deutschland nicht mindestens ebenso laut darüber, dass die vom Iran unterstützten Islamisten wie Hamas und Hisbollah ihre Kinder zum Hass gegen Israel erziehen, sie militärisch trainieren und es diesen als die größte Erfüllung ihres Lebens verkaufen, wenn sie sich als Selbstmordattentäter opfern und möglichst viele Juden mit in den Tod reißen? Ist das kein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“? Auf „You Tube“ findet sich unter dem Titel „Children of Hamas“ dazu ein aufschlussreiches Video mit der berechtigten Frage „Wo ist UNICEF? Israel kann den „Krieg der Bilder“ nicht gewinnen, da die Hamas-Miliz genau auf die Verabscheuung der Deutschen und Europäer von Krieg und deren Empathie mit den Opfern spekuliert, ja sogar darauf setzt, dass durch Israel bei diesem kriegerischen Szenario möglichst viele eigene Zivilisten fallen.

Auch ich halte Krieg für das schlechteste aller Mittel, um Probleme zu lösen und selbstverständlich kann der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern mit einer Zweistaatenlösung nur auf diplomatischem Wege gelöst werden. Einer solchen Lösung steht die Ideologie der Hamas aber diametral entgegen, dies weiß auch die Fatah. Dennoch - auch ich hätte mir zumindest eine vorübergehende Feuerpause gewünscht. Fakt aber ist, dass die Hamas – wie schon früher der Fall – trotz Waffenstillstands ihre Raketen weiter gezündet und diesen dazu genutzt hätte, durch ihr weitverzweigtes Tunnelsystem weiter Waffen in den Gazastreifen zu schmuggeln, um ihre Schlagkraft aufzubessern.

Die Weltgemeinschaft und die meisten Medien stellen – nach dem gewohnten Muster – Israel an den Pranger. Die Psychologie der Israelis nach dem Trauma des Holocaust, bei dem die Welt gleichgültig, wenn nicht gar in stillem Einvernehmen zuschaute und den Juden keine Überlebensstrategie helfen konnte - hat sie bis heute nicht verstanden. Von 2001 bis 2008 wurde der Süden Israels mit 10 000 Raketen der Hamas beschossen, die inzwischen die Städte Ashdod, Ashkelon und Beersheva erreichen. Die Welt hat es kaum zur Kenntnis genommen - schließlich gab es ja auch dank israelischer Schutzvorrichtungen nur wenige Tote. Generell gilt, dass in Israel Leichen aus Schamgefühl nicht vorgeführt werden. Die täglichen Ängste der Menschen und aufkommende alte Traumata finden hier – wie bereits vor und im Libanon-Krieg – nur selten Beachtung. Vielleicht hätte Israel einen Waffenstillstand akzeptiert, wenn UN, EU und die vielen Besserwisser weltweit deutliche Forderungen an die wahren Verantwortlichen für diese kriegerische Auseinandersetzung und das Sterben von Kindern auf beiden Seiten gerichtet hätten: die Hamas und ihre Helfershelfer. Stattdessen wird die deutsche Regierung auch von sog. Nahostexperten hierzulande für ihre klaren Worte kritisiert. Das gemäßigte arabische Lager muss künftig stärker in die Pflicht genommen werden, seinen unverzichtbaren Beitrag zur Deeskalierung und Beförderung einer Konfliktlösung zu leisten. Diese kann nur in Gewaltverzicht, Anerkennung des Staates Israel und der Schaffung eines palästinensischen Staates an der Seite Israels liegen, mit dem das Land in friedlicher Koexistenz leben kann. Gelegentlich hat man übrigens den Eindruck, dass die arabischen Regime den Kampf gegen die Iran-gesteuerte Hamas und damit die „Drecksarbeit“ gerne den Israelis überlassen.

Mit ihrem Kampf gegen wehrlose Zivilisten, der nun seit acht Jahren anhält und der nach Räumung des Gazastreifens durch Sharon weiter verstärkt wurde, tut die Hamas nichts, was sie nicht von Anfang an propagiert hätte. Solange sie nicht zum Frieden bereit ist, das Wort „Israel“ nicht einmal in den Mund nimmt und wie der Iran seine Vernichtung fordert, wird es keinen Frieden in Nahost und auch keinen Palästinenserstaat geben.

Meggie Jahn, Stellv. Vorsitzende DIG Berlin und Potsdam



Lieber Herr Stuttmann,

dass war leider nur die Persiflage einer Karikatur, was Ihnen da mit dieser Zeichnung so glanzlos missglückt ist. Es zeigt, dass Sie keinerlei Wissen vom demokratischen Rechtsstaat Israel haben. Es ist nämlich nicht Israel sondern die Hamas, die bewußt und bevorzugt auf Zivilisten in Israel zielt. Es ist die Hamas, die die palästinensischen Kindern bereits von klein auf an zu Hass auf Israel und Juden und zur Liebe auf den sog. Martyrer-Tod erzieht. Es ist die Hamas, die ihr Bombenmaterial und Raketen in Wohnhäusern, Krankenhäusern und sogar Moscheen lagert. Israel kommt mit dem jetztigen Angriff auf die Hamas seiner Pflicht nach, seine Bürger, die bereits seit 8 Jahren aus dem Gaza-Streifen beschossen werden, zu verteidigen. Allein im Jahr 2008 wurden aus dem Gaza-Streifen über 3200 Raketen auf Israel abgefeuert. Wie würde Deutschland reagieren, wenn - sagen wir mal - aus Enschede tagtäglich auf Gronau geschossen würde? Warum möchte Hamas, die Israel militärisch so was von unterlegen ist, unbedingt in diesen Krieg mit Israel eintreten? Hamas braucht die Bilder der verwundeten und toten Kinder für das eigene politische Überleben. Irgendwie kommt einem dieser Todeswahn der Hamas bekannt vor.

Mit freundlichem Gruß

Margreet Krikowski





Und hier der Stein des Anstoßes:


„We can forgive the Arabs for killing our children. We cannot forgive them for forcing us to kill their children. We will o­nly have peace with the Arabs when they love their children more than they hate us.”

Golda Meir zu einem möglichen Frieden in Nahost. Heute treffen ihre Worte mehr denn je auf die Hamas zu.

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