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Am 12.11.2007 sprach der Vertreter des Keren Hayesod, Udi Lehavi, in der Jüdischen Gemeinde über die Aufgaben der "Vereinigten Israel-Aktion: "Seite an Seite mit Israel und dem jüdischen Volk" Bericht und Fotos von Meggie Jahn

Jochen Feilcke mit Udi Lehavi vor dem neuen Poster der DIG Berlin und Potsdam
Jochen Feilcke begrüßte mit Udi Lehavi den Vertreter des Keren Hayesod besonders herzlich, da er unseren Mitgliedern die Arbeit der zweiten wichtigen israelischen Organisation in Deutschland, der "Vereinigten Israel Aktion", vorstellen werde. Mit dem Keren Kayemet Leisrael (Jüdischen Nationalfonds), der sich um die Aufforstung der Wüste und Umweltprojekte in Israel kümmere, stünden wir ja seit Jahren in bestem Kontakt. "Der KKL sammelt Geld für die Anpflanzung von Bäumen, der Keren Hayesod für die Menschen, die darunter sitzen", so Udi Lehavi scherzhaft zum Unterschied beider Organisationen. Lehavi, geboren 1958 im Kibbutz Gan Shmuel, lebt seit 1992 in Deutschland, war 12 Jahre in der Tourismus-Branche tätig, davon 7 Jahre beim Israelischen Verkehrsbüro. Seit 2004 repräsentiert er den Keren Hayesod in Berlin.
Gegründet wurde der Keren Hayesod im Jahr 1920, um Spenden für den Aufbau einer jüdischen Heimstätte in Palästina zu sammeln. 1956 wurde dies durch die Verabschiedung eines Gesetzes in der Knesset offiziell bestätigt. Heute verbindet die Organisation mit ihren 57 Vertretungen in 45 Ländern das jüdische Volk und seine Freunde in aller Welt mit Israel. Dies umfasst u. a. die Zusammenführung von fast drei Millionen Olim (Neueinwanderer) aus aller Welt in Israel, die Unterstützung ihrer erfolgreichen Integration in die israelische Gesellschaft, die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung und die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens.

"Die Menschen spenden für den Keren Hayesod, weil sie wissen, dass wir alle "in einem Boot" sitzen.
Der Keren Hayesod hat mehr als 1.400 öffentliche Einrichtungen aufgebaut und sorgt für die Umsetzung von Tausenden sozialer Programme. Zudem ist die Organisation mit dem Programm "Erneuerung und Partnerschaft 2000" engagiert im Auf- bzw. Umbau von 90 benachteiligten Wohnvierteln und Entwicklungsstädten in Israel. Sie kümmert sich um die Fürsorge und Erziehung von 350.000 neu eingewanderten, aber auch bereits in Israel geborenen Jugendlichen in den Jugenddörfern der Jewish Agency und unterstützt die weltweite Förderung der jüdischen Erziehung. So leistet der Keren Hayesod eine unschätzbare Hilfe zur Wahrung der Kontinuität des jüdischen Volkes. Weltweit gesehen kämen 90 % der Spenden aus der jüdischen Diaspora, 10 % von nichtjüdischen Spendern, in Deutschland liege diese Zahl sogar bei 20 %, so Lehavi. Dabei ginge es den Sponsoren darum, "ein starkes Israel für eine starke jüdische Zukunft" zu schaffen. Der Judenstaat sei für sie eine Art "Lebensversicherung", da er als Zuflucht für die Juden diene, die sich in der Diaspora erneut bedroht und zur Auswanderung gezwungen sähen. Als jüngstes Beispiel dafür nannte Lehavi Frankreich, wo es in den letzten Jahren insbesondere durch muslimische Migranten zu antisemitischen Ausschreitungen gekommen war. Im August hatte der Keren Hayesod deshalb zwei Flugzeuge für 600 jüdische Emigranten bereit gestellt und diese nach Israel gebracht. Angesichts der Wirtschaftskrise in Argentinien mit weitreichenden Folgen waren im Jahr 2002 mit Hilfe des Keren Hayesod 40 000 argentinische Juden nach Israel ausgewandert. Mit ihrem Projekt "Lehava" wolle der Keren Hayesod in Deutschland lebenden Juden mehr über das Judentum und die Bedeutung Israels für das jüdische Volk beibringen und so die "jüdische Kontinuität" sichern. Juden in der Diaspora könnten Bürgschaften übernehmen, damit z.B. in Armut lebende Juden in Afrika ausreisen könnten.
Er selbst habe vor wenigen Tagen seinen Geburtstag in Äthiopien gefeiert, wo er die Ausreise von 500 Juden vorbereitet hatte, die sich als Nachkommen von König Salomon und Königin Saba verstünden. Es sei ihm gelungen, die Ausreise von jetzt insgesamt 2 400 äthiopischer Juden zu sichern und dies trotz fehlender Dokumente. Dafür sei er ein wenig stolz, so Lehavi.

"Es war unglaublich, wie es gelang, in 24 Stunden die Unterschiede vom 15./16. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert zu überbrücken, weil wir uns über unsere jüdischen Bräuche verbunden fühlten, auch wenn wir nicht die gleiche Sprache sprechen."
"Natürlich gibt es bei der Integration dieser Menschen im modernen Israel auch Probleme", so Lehavi: In Äthipien habe der Vater das Sagen in der Familie, auch Lesen und Schreiben seien den Neueinwanderern fremd. Die Äthiopier gelten in Israel als die Bevölkerungsgruppe mit der höchsten Selbstmordrate und auch Gewalt in der Familie sei nicht unbekannt. Dennoch wurde das Experiment gewagt (wie schon in früheren Zeiten mit der "Operation Moses") und bei der Mehrheit gelinge die Integration.
Angesichts der Sicherheitskrise in Israel durch den anhaltenden Beschuss von täglich 4 bis 8 Raketen aus dem Gazastreifen versuche der Keren Hayesod auch hier zu helfen, so in Sderot oder auch in anderen Städten im Süden Israels. Dort lebten viele Einwanderer. Hier ginge es darum, den Opfern und Bedrohten in den "Frontgebieten" beizustehen und in der Diaspora für sie Spenden zu sammeln. Diskussion:

Der Vorsitzende dankte Udi Lehavi für diese "lebendige Einführung" in die Aktivitäten des Keren Hayesod und forderte das Publikum auf, die Gelegenheit zu nutzen, ihre Fragen loszuwerden.
Eine Nachfrage bezog sich auf Meldungen über eine zunehmende Auswanderung aus Israel in den letzten Jahren und seine persönliche Motivation, für den Keren Hayesod zu arbeiten. Die Arbeit für die "Vereinigte Israel-Aktion" sei eher eine "Herzenssache", als ein "Job, um Geld zu verdienen", so Lehavi. Mit seinem Engagement wolle er erreichen, dass seine Kinder in größerer Sicherheit leben könnten, als es heute in Israel der Fall sei. Natürlich fühle er sich manchmal nicht wohl dabei, dass er nun bereits 15 Jahre im sicheren Ausland lebe. Viele Menschen verließen das Land, da dir um ihre Sicherheit fürchteten, ihre Kinder keinen Ausbildungsplatz bzw. keine Arbeit fänden und im Zuge der Globalisierung deshalb einen berufliche Tätigkeit im Ausland suchten. Im Rahmen seiner Arbeit für den Keren Hayesod wolle er auch diese Emigranten erreichen, damit sie von hier aus Israel unterstützen.

Die Zuhörer lauschten den Worten von Lehavi mit großem Interesse und beteiligten sich im Anschluss intensiv an der Diskussion.
Angesprochen auf Projekte, die unsere Unterstützung finden sollten, bemerkte Lehavi nicht ganz ohne Bitterkeit, dass sich die meisten Projekte auf die Verständigung zwischen Arabern und Juden, Religiösen und Säkularen in Israel konzentrierten, aber nur wenige auf ein friedliches Zusammenleben zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen in der israelischen Gesellschaft. Hier aber sei dringend Unterstützung nötig.
Eine Nachfrage bezog sich auf die Gruppe "Nativ", die gerade jetzt - im Vorfeld der jüdischen Gemeindewahlen - versuchten, nach Deutschland gekommene russische Juden für Israel abzuwerben. Lehavi verwies darauf, dass es sich hier um eine Initiative von Minister Avigdor Lieberman handle, der die russisch geprägte israelische Partei "Israel Beteinu" anführe. Der Keren Hayesod habe damit nichts zu tun. Lehavi maß der Gruppe zumindest bisher nur wenig Bedeutung bei.

Udi Lehavi wurde an diesem Abend Mitglied bei der DIG Berlin und Potsdam. Jochen Feilcke bedankte sich für die spontane Entscheidung, mit der er künftig unsere Arbeit unterstütze.
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