|
Israelreise von DIG Berlin/Potsdam und Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit vom 29. Mai bis 05. Juni 2007 Fotos von Margreet Krikowski, , Nikoline Hansen, Heidi und Patrick Umbach, Friedrich W. Zimmermann und Meggie Jahn
Die Gruppe am Ort der Ermordung von Yitzhak Rabin, heute Gedenkort am "Kikar Rabin"im Zentrum Tel Avivs Vom 29. Mai bis 5. Juni 2007 reisten auf Einladung von DIG Berlin/Potsdam und Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) 24 Teilnehmer unterschiedlicher Generationen unter Leitung von Meggie Jahn nach Israel.
Die Reise führte uns von Tel Aviv und Neve Zedek über Yaffo und Cäsarea zunächst in das Start-Up-Unternehmen Given Imaging nach Yokne'am (Vadi Milek), dann weiter in das Behindertendorf Kfar Tikva - Benefizempfänger des Rabin-Gedenkkonzerts 2006. In Haifa trafen wir mit dem Stellv. Bürgermeister Shmuel Gelbert, Dr. Rafael Karpel, Berater von Oberbürgermeister Yona Yahav, der an diesem Tag einen Termin bei Ministerpräsident Olmert hatte, sowie dem deutschen Honorarkonsul Mickey Pappe zusammen. Sowohl am Rathauseingang als auch im Podium unterstrichen die israelische und deutsche Fahne die Bedeutung unseres Besuches. Nach dem Libanon-Krieg standen die Lage der Stadt im letzten Sommer sowie die daraus gezogenen Konsequenzen im Zentrum des Gesprächs. Von Haifa aus ging die Route entlang der libanesischen Grenze weiter in Richtung Kfar Giladi, wo wir übernachteten. Über den Golan und entlang der syrischen Grenze erreichten wir schließlich die heiligen Stätten am See Genezareth. Nach einer Fahrt durchs Jordantal und einem ersten Blick aufs Tote Meer breitete sich vor uns die "goldene Stadt" Jerusalem aus, wo wir drei Nächte blieben. Den Shabbat verbrachten wir am Toten Meer und machten dabei Station in Ostjerusalem, auf dem Ölberg, in Qumran, Massada und Ein Gedi Spa, wo eine Badepause eingelegt wurde. Mit einem Abstecher zum Nahal Hadera Park am Mittelmeer und einer Nachtsafari durch das Hula-Tal waren auch zwei KKL-Projekte mit im Programm.
Doch nicht das touristische Programm stand im Vordergrund der Reise, sondern die Begegnung mit alten und neuen Freunden, darunter Persönlichkeiten, die ein Stück israelische Geschichte mitgeprägt haben. Zu unserem großen Bedauern war der gut vorbereitete Besuch an der Filmhochschule Sapir und bei der Stadtverwaltung von Sderot auf Grund der zugespitzten Lage in Sderot, das täglich von Raketen aus dem Gazastreifen getroffen wird, nicht möglich, so dass Neve Zedek und Yaffo mit ins Programm aufgenommen wurden.
Unser Guide Yaron, ein "Sabre" und geboren in Jerusalem, führte uns sicher, humorvoll und mit unglaublichem Wissen ausgestattet durchs Land, unser Fahrer Ilan brachte uns wohlbehalten und gut gelaunt von Ort zu Ort. Bei beiden waren wir in allerbesten Händen.
Im Folgenden finden Sie eine Bildergalerie mit kurzen Notizen, die auch den Teilnehmern die Möglichkeit geben soll, die Reise noch mal aus der Rückschau und in Ruhe zu genießen. Viel Spaß beim Ansehen!
 |  |
Bei der Ankunft im Hotel Marina an der Strandpromenade (Tayelet) von Tel Aviv. Rechts der Yachthafen hinter dem Hotel.
 |  |
Am ersten Abend trafen wir der neuen Geschäftsführerin unserer Partnerorganisation IDG, Ilana Barnea, und Yan Samson Altman-Schevitz, erst ganz frisch dabei, zu einem Gespräch über die Zukunft der deutsch-israelischen Beziehungen und der Israelisch-Deutschen Gesellschaft zusammen. Als Direktorin von "Zimriya - World Assembly of Choirs" schilderte sie uns ihre Schwierigkeiten, einen deutschen Chor für das Internationale Festival in Israel im Juli/August 207 zu gewinnen, was sie als symptomatisch bezeichnete. Um so mehr freue sie sich über unseren Besuch. Die Mitglieder der IDG seien aus Alters- und gesundheitlichen Gründen kaum noch in der Lage, selbst aktiv zu werden. Mit Freude lauschte sie deshalb den mit Elan vorgetragenen Ideen des jüngst aus Deutschland eingewanderten Israelis Jan Samson Altman-Schewitz, der vortrug, wie er junge Leute in Israel für Deutschland interessieren wolle. Seine Vorschläge: Veranstaltungen zu deutsch-israelischen Themen in Iwrit (Hebräisch) anbieten und junge Israelis ansprechen, die im Rahmen eines Austauschprogramms in der Bundesrepublik waren; mehr Kooperationen mit deutschen, auch finanzkräftigen Institutionen in Israel. Wir wünschen ihm und der IDG dabei allen Erfolg! An dem Gespräch nahmen auch die Vorsitzende der DIG Baden-Baden, Barbara Hoffs, und ihr Mann teil, die gerade im Lande waren. Der IDG-Vorsitzende Asher Ben Natan konnte wegen Krankheit an dem Gespräch zu unserem großen Bedauern nicht teilnehmen.
Den ersten Tag, der ursprünglich für Sderot vorgesehen war, nutzten wir dazu, mit Neve Zedek den inzwischen restaurierten Ursprung Tel Avivs, und dem Hafenstädchen Jaffo, das mit seinen archäologischen Ausgrabungen, Künstlergalerien und Cafés eine Touristenattraktion ist, die Umgebung von Tel Aviv kennenzulernen. Entlang der Strandpromenade machte uns Yaron auf die Diskothek Dolphinarium aufmerksam, wo im Jahr 2001 - während eines Besuchs von Außenminister Fischer in Tel Aviv - 21 Jugendliche, meist junge russische Einwanderer, bei einem Terroranschlag der Hamas ums Leben kamen. Erst durch diesen schrecklichen Tod seien "die Russen" bei einem Großteil der Bevölkerung zu "echten Israelis" geworden, so Yaron. Links Yaron in Neve Zedek vor einer Abbildung von S Y. Agnon, Chaim Bialik und anderen zionistischen Gründungsvätern, rechts ein Bild aus dem neuen Künstlerviertel Neve Zedek.
| |
Oben und unten ein Rundgang durch Jaffo, wo Araber und Juden friedlich zusammen leben. Links der Blick auf die Strandpromenade von Tel Aviv.
|  |
|  |
Am Nachmittag trafen wir im Hotel Gisela Dachs, seit vielen Jahren ZEIT-Korrespondentin in Israel. Sie kritisierte die unausgewogene Berichterstattung in Europa zugunsten der Palästinenser, die angesichts der Asymmetrie des Konflikts (Miliz gegen Militär) eindeutig im Vorteil seien und dies auch zu nutzen wüssten. Seit sieben Jahren und potenziert seit dem Gaza-Abzug werde die Stadt Sderot von Raketen aus dem schmalen Küstenstreifen beschossen und dennoch beherrschten Schlagzeilen wie Israelische Angriffe auf den Gazastreifen die Schlagzeilen. Die Tragik bestehe darin, dass es auf israelischer Seite „zu wenig“ Tote gebe, um sie medienwirksam „vermarkten“ zu können, zumal man Verstorbene in Israel aus ethischen Gründen nicht zeige. Am frühen Abend erwartete uns der deutsche Botschafter, S.E. Harald Kindermann, zu einem Briefing über die aktuelle politische Lage im Land. Angesprochen auf die kürzlichen Spannungen im Zusammenhang mit der Absage der deutschen Teilnahme am Jerusalem-Tag ging er gerne noch mal darauf ein: Die Haltung der Bundesrepublik in dieser Frage sei seit Jahren bekannt. Im Rahmen der EU bestehe Konsens darüber, dass Jerusalem nach internationalem Recht nicht als Hauptstadt anerkannt werde, da es bis heute keinen Friedensvertrag zwischen Israelis und Palästinensern gebe. Dennoch habe die israelische Regierung empfindlich reagiert. Er sei für die Wahrheit und habe es deshalb vorgezogen, die Einladung mit Begründung abzusagen, statt sich krank zu melden. Bis auf wenige kleine Republiken, die den israelischen Status Jerusalems akzeptierten, habe keine Auslandsvertretung der Jerusalem-Feier beigewohnt, so Kindermann. Kritisch äußerte er sich zur israelischen Öffentlichkeitsarbeit, die manchmal geschickter sein könnte. Die israelische Regierung verstehe einfach nicht die "Macht der Bilder". Jüngstes Beispiel: Warum habe man auf dem Tempelplatz einen riesigen Bagger eingesetzt, auch wenn nur eine baufällig gewordene Treppe repariert werden müsse? Der arabische Sender Al Djasira bringe nun schon seit Wochen Bilder, die assoziieren sollten, dass Israel den Tempelberg und damit ein muslimisches Heiligtum "eindrücken" wolle. Angesprochen auf die israelische Sperranlage, gab Kindermann an, auch er und seine Frau fühlten sich dadurch im Lande sicherer, die Terroreinschläge seien seit dem Bau vehement zurückgegangen. Teil seiner Betrachtung war auch der israelische Alltag. So profitiere auch er davon, dass es inzwischen dank der russischen Einwanderer in einigen großen Kaufhäusern auch Schweinefleisch im Angebot gebe.
 | |
Nach dem Abendessen versammelten wir uns zu unserem letzten, spontan im Flugzeug verabredeten Termin mit dem Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Herzliya, Dr. Hermann Bünz, der eigentlich erst im Ostjerusalemer Büro dazustoßen wollte. Bei Obst, Bisquits, Kaffee und kalten Getränken berichtete er uns von den unterschiedlichen Wirkungsfeldern der Stiftung. Erwähnt sei hier nur das 2004 ins Leben gerufene "Israeli European Policy Network" (IEPN), das dabei helfen soll, Mißverständnisse und Informationslücken im israelisch-europäischen Verhältnis auszuräumen. In dem Netzwerk arbeiten israelische und europäische Forscher, Journalisten, Politiker und wichtige Vertreter der Zivilgesellschaften zusammen, die mittels eines offenen, durchaus auch kritischen Dialogs gemeinsam Modelle und konkrete Politikempehlungen für die europäisch-israelischen Beziehungen erarbeitet sollen. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die jüngere Generation in Deutschland und Europa kaum noch Verantwortung für den Staat Israel aus der historischen Verantwortung empfindet und auch jüngere Israelis ihre Sichtweise auf Europa und Deutschland überprüfen sollten, scheint uns ein solches Forum als besonders wichtig. Ein erstes Ergebnis wurde im Juni 2007 in Berlin vorgestellt. Schon heute scheint sicher, so Bünz, dass Europa in Zukunft stärker bei der Lösung des Nahostkonflikts im Rahmen des erweiterten Euro-Mediteranen Dialogs eingebunden sein werde. Beim Verlassen des Büros wurden wir großzügig mit Material der Stiftung zwecks späterer Lektüre eingedeckt.
Zum Abschied noch ein Blick auf Meer und Strand ...
Auf dem Weg nach Haifa passierten wir mit dem Nahal Hadera Park - nicht weit von Cäsarea - ein beeindruckendes Projekt des Jüdischen Nationalfonds KKL. Vor dem größten Elektrizitätswerk des Landes wird ein Park angelegt, der zur Entspannung und Erholung dienen soll.
 | |
Kurz vor Kfar Tikva machten wir Station bei "Given Imaging", einem jungen Start-Up-Unternehmen, bewacht wie ein Hochsicherheitstrakt. In den Räumlichkeiten durfte nicht fotografiert werden. Der "Chief Financial Officer" Yuval Yanai stellte uns ihr einziges Produkt vor: Eine Tablette bzw. mittelgroße Kapsel mit ein oder zwei Kameras. Sie wird bereits in der ganzen Welt eingesetzt, um Patienten unangenehme Magen-/Darm-, aber auch Speiseröhrenspiegelungen zu ersparen. Dabei arbeite man nicht nur mit Wissenschaftlern, sondern auch mit Ärzten zusammen. In einer Powerpoint-Präsentation und mit Hilfe eines Filmausschnitts konnten wir bewundern, wie der Einsatz der Pille funktioniert und das Produkt in den USA genial vermarktet wird. Dort dürfte die Kapsel keinem Fernsehzuschauer mehr unbekannt sein. Deutschland scheint als Forschungsstandort auf Grund des Krankenversicherungssystems, der rigiden Gesetzesvorgaben und Datenschutzbestimmungen ungeeignet, dennoch gibt es in Hamburg eine kleine Vertretung. Die Frage einiger Mitglieder unserer Reisegruppe, ob es möglich sei, sich in Israel behandeln zu lassen, wurde positiv beschieden. Yoknéam - gelegen im sog. "Silicon Vadi" - ist nur ein Beispiel für die in den letzten Jahren zahlreich aus dem Boden sprießenden Start-Up-Unternehmen im High-Tech-Bereich in Israel.
 |  |
Am Mittag erwartete uns der Leiter des Behindertendorfes Kfar Tikva, Günter Zenner, in dem jeder Bewohner - angelehnt an die Lebensphilosophie von Montessori - weitestgehend selbstbestimmt und frei leben soll. Usprünglich aus dem Rheinland, lebt Zenner seit vielen Jahren mit seiner Frau in Kfar Tikva (Dorf der Hoffnung) und betreut Behinderte. Es ist nicht zu übersehen, dass er in seiner Aufgabe aufgeht. Deutsche Volontäre sind dort herzlich willkommen. Zwei von ihnen berichteten uns nicht nur begeistert von ihren Erfahrungen, sondern glänzten auch durch eine musikalische Darbietung, darunter die israelische Nationalhymne Hatikva. Danach führte uns Günter Zenner gemeinsam mit Fabian aus Berlin über das Gelände und zeigte uns den Neubau der Holzwerkstatt, die mit Spendengeldern der DIG Berlin vom letzten Rabin-Gedenkkonzert gebaut wird. Während des Rundgangs kamen wir ins Gespräch mit einigen Dorfbewohnern - darunter auch "Jeckes" aus Leipzig, die einen glücklichen und selbstbewußten Eindruck machten.
 |  |
Zum Abschied gab's für Volontäre und Heimbewohner Berliner Gummibärchen. Günter Zenner erhielt neben einer Einladung in den Berliner Reichstag eine Spende, die wir vor dem Besuch für das Dorf gesammelt hatten.
Am Nachmittag erreichten wir mit Haifa die nach Ashdod und Eilat drittgrößte Hafenstadt Israels. Links ein Blick auf den Hafen, vorne der Bahai-Tempel, rechts der Eingang zum Park der Bahais, der ein Kleinod in Israel darstellt. Die Hängenden Gärten der Bahai gelten als Friedenssymbol und Ort der Ruhe inmitten der Großstadt Haifa am Karmel. Sie gehören zu den meistbesuchten touristischen Anziehungspunkten Israels.
 |  |
Empfang beim Stellv. Bürgermeister von Haifa, Shmuel Gelbert, und Dr. Rafael Karpel, Berater von Bürgermeister Yona Yahav. Nicht nur auf dem kleinen Tischchen vor uns, sondern auch am Rathauseingang wurden wir von der deutschen und israelischen Fahne empfangen. Später ergänzte der deutsche Honorargeneralkonsul, Dr. Mickey Pappe, die Runde. Im Mittelpunkt standen die Bedrohung der Stadt im letzten Libanon-Krieg, die Kriegsschäden sowie der Umgang der Stadtverwaltung mit der Situation. Von den 4000 Raketen seien 51 in Haifa eingeschlagen, 13 Personen getötet und ca. 300 verletzt worden, wobei die psychischen Schäden durch die tagelange Bedrohungssituation noch nicht einbezogen seien. Zugute kam der Stadt, so Dr. Karpel, dass kurz zuvor eine Katastrophenschutzübung stattgefunden hatte, weil Haifa als Erdbebengebiet eingestuft wird. Die Vorwarnzeit habe unter 20 Sekunden gelegen, so dass Oberbürgermeister Yahav versprach, künftig alle Haushalte (auch die älteren Häuser) mit einem gesonderten Schutzraum und Computer auszustatten, damit kein Kind im Krieg auf seinen Unterricht verzichten müsse.
 |  |
Nachdem Meggie Jahn einen wunderbaren Bildband über Haifa mit persönlicher Widmung des Oberbürgermeisters in Empfang genommen hatte, überreichte sie dem Stellv. Bürgemeister Gelbert einen Bildband von Berlin mit Fotos von einst und jetzt. Dr. Karpel und Dr. Pappe erhielten einen "Rundgang durch den Berliner Reichstag", den sie bei ihrem nächsten Berlin-Besuch bei ihr einlösen können. Bürgermeister Shmuel Gelbert bedankte sich für unseren Besuch und betonte, wie wichtig es sei, dass wieder mehr deutsche Gruppen nach Israel kommen.
 |  |
Der glückliche Zufall wollte es, dass just an dem Nachmittag, als unser Guide einen wichtigen Termin in Tel Aviv wahrnehmen musste, die Freundin einer Reiseteilnehmerin zu uns stieß. Schoschana, genannt "Schosch", ist selbst als Reiseleiterin tätig und übernahm für einen halben Tag "das Regiment". Sie zeigte uns das einzige Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Heiligen Lande. Wilhelm II war der erste deutsche Staatsmann, der nach den Kreuzzügen wieder den Boden des Heiligen Landes betreten hatte. 1898 war er gemeinsam mit seiner Gemahlin Auguste Victoria zu Gast in Jerusalem, um die Erlöserkirche einzuweihen.
Weiter geht's nach Kfar Giladi, auf den Golan und zum See Genezareth ....
|