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Am 18. Februar trafen sich Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft mit
rund 20 Israelis unter Leitung von Ilan Weiss

Bericht und Fotos von Meggie Jahn und Fritz Zimmermann




Zu dem Treffen im Fraktionsvorstandssaal der SPD-Bundestagsfraktion im Berliner Reichstag kamen rund 25 Israelis und rund 50 DIG-Mitglieder.


In der Vergangenheit wurde hin und wieder der Wunsch aus der DIG-Mitgliedschaft laut, auch im Verein selbst mit Israelis zusammen zu treffen, schließlich seien wir doch eine "Deutsch-Israelische Gesellschaft", so die Begründung. Im 60. Jubiläumsjahr Israels wollten wir diesem Wunsch nun endlich folgen.

Am 18. Februar luden wir die um Ilan Weiss entstandene lockere Gruppe von Israelis in Berlin namens "Kesher" (hebräisch Verbindung, Beziehung, Zusammenhang) zu einem ersten Gesprächsaustausch in den Fraktionsvorstandssaal der SPD ein. Zuvor hatten wir den Gästen eine Führung durch den Reichstag ermöglicht. Die Israelis arbeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen und sind aus verschiedenen Gründen nach Berlin gekommen: Die einen verschlugen die Geschäfte nach Berlin, die anderen lockte das attraktive kulturelle Angebot in die Bundeshauptstadt. Wieder andere haben deutsche Wurzeln und sind aus emotionalen Gründen wieder in Berlin ansässig geworden.

Robert Schwersenzer wurde in der Nazizeit mit seiner Familie aus Deutschland vertrieben und lebt heute in Falkensee. Bis heute kämpft er um weitere Grundstücke des Lederwarenhandels seines Vaters. Unter dem Titel "Die beste Lüge ist die Wahrheit" erschien 2007 ein Film über sein Leben, der auch im Deutschen Fernsehen lief. Sein Hiersein versteht er auch als "späte Rache an Hitler", der Deutschland "judenrein" machen wollte. Für den Musikstudenten und Komponisten Gilad Hochmann ist Berlin auf Grund seines internationalen Flairs "nicht deutsch". Hier werde künstlerische Kreativität inspiriert und gefördert - vielleicht auch dies ein Grund, warum Israelis hier leben wollen. Mehrfach an diesem Abend fiel das Wort (zweite) "Heimat". Dass Israel stets die erste bleibt, zeigte die Reaktion von Robert Schwerzenzer auf die Frage eines jungen Mannes mit muslimischem Hintergrund nach der "heutigen Identität der Israelis". Nach der gescheiterten Assimilation in Deutschland, dem sich die deutschen Juden vor der Nazizeit zutiefst verbunden fühlten, sei es gut zu wissen, dass jeder sich bedroht fühlende Jude - wo auch immer er sich aufhält - in Israel eine Heimat finde.


Dieser Gast (links) fragte nach dem Identitätsverständnis der Israelis in Berlin. Robert Schwerzenzer (rechts) antwortete.


Moniert wurden nur die "kühlen Temperaturen" in der Bundeshauptstadt sowie fehlende Englischkenntnisse bei der (vielleicht türkischen?) Bevölkerung in Kreuzberg. Dass es so viele Künstler nach Berlin zieht, hängt vielleicht auch damit zusammen, dass Berlin - ähnlich wie Tel Aviv - eine sich schnell entwickelnde Stadt mit einer lebendigen Kunst- und Kulturszene ist.


Ilan Weiss stellte sich zunächst selbst vor und wollte dann von den DIG-Mitgliedern wissen, warum sie sich in der Organisation engagieren.


Ilan Weiss, den seine Kinder nach einer Lebensphase in Israel wieder hierher gezogen hatten und der in Israel heute die gegenseitige Rücksichtnahme vermißt, stellte mit Sharon o­n und Aviv Russ zwei junge Radioredakteure vor, die mit "Kol Berlin" und "Cactus TV" ein hebräisches und ein deutschsprachiges Programm organisieren (jeden Freitag, 17.00 Uhr im Offenen Kanal/UKW, 97,2). Sie wollten ihre Zuhörer, so Aviv, nicht nur über die Aktivitäten von Israelis in Berlin, sondern auch über wichtige Themen im deutsch-israelischen Verhältnis informieren. Den jüdischen Sender "Babel TV", nach dem gefragt wurde, kannten sie nicht, machten aber deutlich, dass sie "Israelis" seien und über ihre Landsleute berichten wollten. Die Kontakte der Gruppe um Ilan Weiss zur Jüdischen Gemeinde sind eher rar und natürlich jedem selbst überlassen.




Sharon O­n und Aviv Russ von Kol Berlin bzw. Cactus TV.



Jochen Feilcke informierte ausführlich über die Arbeit der DIG.



Links: Ilan Weiss und Dr. Martin Kloke, rechts: Nina, die durch eine Argentinien-Reise für Israel "entflammt" ist, im Gespräch mit der israelischen Künstlerin Galit Amiel (rechts).



DIG-Vorstandsmitglied Dr. Martin Kloke schilderte seinen Weg in die Deutsch-Israelische Gesellschaft, der mit einem Kibbutz-Aufenthalt in seiner Studentenzeit begann, ihn als politisch-interessierten Menschen zu einer Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Antizionismus in der Linken brachte und schließlich seinen steten Einsatz für ein differenzierteres Israelbild in Deutschland herausforderte.






Links: Maya Zehden, Stellv. Vorsitzende, rechts: Sharon Oz in Aktion ...


Maya Zehden ist seit Beginn der Zweiten Intifada Mitglied der DIG. Da sie Familie in Israel habe, wolle sie hier mithelfen, Mißverständnisse und Vorurteile gegenüber Israel auszuräumen und suche das politische Gespräch. In der DIG fühle sie sich "zuhause". Sie ermunterte deshalb auch die israelischen Gäste, bei uns "mitzumischen" und rief gerade die Kunstschaffenden in der Gruppe dazu auf, sich an unserem großen Geburtstagsfest für Israel am 8. Mai am Gendarmenmarkt zu beteiligen. Sei seien herzlich eingeladen, am 25. Februar in der Jüdischen Gemeinde bei unserem Vorbereitungstreffen mit verwandten Organisationen mit ihren guten Ideen zu präsentieren.



Links der Filmemacher Dr. Gernot Riemer aus Potsdam, Gilad Hochmann und Shai Raz, rechts Abraham Ramer.

Mehr zu Israelis in Berlin:

  • Der Berliton.de - Der deutsch-israelische Treffpunkt. Neue Website für Israelis und Israelfreunde.
  • Spree-aviv.de - Israelisches Leben in Berlin. Eine von jungen Volontären der Axel-Cäsar-Springer-Akademie gestaltete Website.

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