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Jochen Feilcke, Vorsitzender der DIG Berlin, bei der Ausstellungseröffnung "Wir waren Nachbarn - 109 Biografien jüdischer Zeitzeugen" im Rathaus Schöneberg am 28.01.2007 Fotos von Meggie Jahn und Fritz Zimmermann

Jochen Feilcke bei seinem Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung. Mehr Bilder ....
Anrede,
der Internationale Holocaust Gedenktag muß für alle Menschen ein Tag des nachdenklichen Innehaltens werden. Als Vorsitzender der DIG Berlin freue ich mich, dass wir über die Initiative der DIG Bonn an diesem Abend mit Herrn Naftali Fürst aus Haifa und Herrn Niklaus Grüner aus Malmö zwei Überlebende von Auschwitz und Buchenwald zu einem Zeitzeugen-Gespräch begrüßen dürfen. Sie verbindet ein Foto, das wir alle von der Befreiuung von Buchenwald kennen. Erst vor zwei Jahren sind sie sich bei der 60-Jahr-Feier der Befreiung von Buchenwald wieder begegnet. Moderiert wird das Gespräch von Knut Teske, Vorsitzender der DIG Hamburg und mit mir Mitglied des Geschäftsführenden Präsidiums der DIG. Herr Fürst und Herr Grüner nehmen an der diesjährigen Feierstunde anläßlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar im Deutschen Bundestag teil und werden dort und im Rahmen einer von unserem Vorstandsmitglied Annegret Mielke organisierten Schulbegegung auch mit Jugendlichen zusammen treffen. Meines Wissens wäre die heutige Begegnung ohne den Einsatz und die organisatorische Betreuung des Gesamtprogramms durch die hier anwesende Schulpfarrerin Annette Hirzel und die Künstlerin Christiane Rohleder gar nicht möglich gewesen. Dafür ist ihnen zu danken. 
von links: Annette Hirzel, Nikolaus Grüner, Christiane Rohleder, Naftali Fürst und seine Frau Tova.
Die Deutsch-Israelische Gesellschaft, heute Mitveranstalter, versteht sich als deutsch-israelische Freundschaftsorganisation, sie will die Beziehungen unserer beiden Länder ausbauen und vertiefen und organisiert Veranstaltungen zu allen Themen von gegenseitigem Interesse. Zum Selbstverständnis der DIG gehört das Wissen um die von uns Deutschen zu verantwortenden Verbrechen an den Juden. Wir fühlen uns deshalb der Aussöhnung zwischen unseren Völkern verpflichtet.
Als langjähriger ehemaliger Schöneberger Abgeordneter begleite ich die herausragende Erinnerungsarbeit des Bezirksamtes, insbesondere der Abteilung Schule, Bildung und Kultur unter Leitung von Bez.StR. Dieter Hapel und der Kunstamtsleiterin Katharina Kaiser mit großer Bewunderung und mit Dank.
Unter den ausgestellten Biografien finden Sie auch die von Stephanie Popper, geb. Birnbaum, die nach der „Wannsee Konferenz“ im Jahre 1942 aus der Nymphenburger Straße 3 deportiert wurde, aus dem Haus, in dem ich seit 30 Jahre lebe. Sie war meine Nachbarin, bzw. ich wäre ihr Nachbar geworden und sie gibt für mich der schrecklichen Epoche ein Gesicht.
Dieses Thema ist nicht nur für Beteiligte, Betroffene und Politiker verpflichtend, sondern für uns alle. Hierin sehe ich das Besondere an dieser Ausstellung, sie bezieht uns alle ein.
Erlauben Sie mir noch einen Gedanken zum Ausdruck zu bringen, der mich seit gestern beschäftigt.
1996 hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog den Tag der Befreiung von Auschwitz zum Gedenktag erklärt. Er sollte eine nachdenkliche Stunde inmitten der Alltagsarbeit werden. Im November 2005 erklärte die UNO den 27. Januar zum Internationalen Holocaust Gedenktag. In einer UNO Resolution zum diesjährigen Gedenktag heißt es: „Alle Mitgliedsstaaten werden aufgerufen, jede Leugnung des Holocaust als historische Tatsache zurückzuweisen. Andernfalls werde die Gefahr vergrößert, daß sich die schrecklichen Ereignisse wiederholen könnten.“ Zunehmend finden in Deutschland sehr würdige Veranstaltungen statt – aber wie weit gelingt es uns, alle Nachbarn, alle Menschen für eine Stunde zum Nachdenken zu bringen?
Gestern fand im Berliner Dom ein Benefizkonzert für AMCHA statt, einer Organisation, die sich um die psycho-soziale Betreuung vonHolocaust-Überlebenden kümmert. Auf dem Heimweg fiel mir auf, daß die Landesvertretungen In den Ministergärten voll beflaggt waren, ebenso die Botschaft Österreichs, daß aber die Flaggen vor der Landesvertretung Baden-Württemberg und vor der Botschaft Italiens auf halbmast gesetzt waren. Zuhause angekommen schaute ich ins Fernsehprogramm: Um 20.15 gab es Psychothriller, Actionkomödie, Show mit Stefan Raab, Science-Fiction-Film, Deutschland sucht den Superstar – soweit die Privaten – „Das Winterfest der Volksmusik“ im Ersten und Krimi im Zweiten.
Ich rege von hier aus an, darüber laut nachzudenken, ob wir den Internationalen Holocaust Gedenktag etwas nachdenklicher begehen wollen und z.B. durch Halbmast-Beflaggung erkennbarer machen können.
Die Deutsch-Israelische Gesellschaft wünscht der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ auch in diesem Jahr viele nachdenkliche und nachdenkende Besucher. _____ Weitere Infos: Mehr zur Ausstellung finden Sie hier .... Sie geht noch bis zum 22. April.
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