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Gegen jede Legendenbildung. Zum Tod von Yasser Arafat

Jochen Feilcke, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft Berlin, zum Tod von Yasser Arafat:


„Neben der Trauer über ein Menschenleben bewegt uns an diesem Tag die Hoffnung auf einen positiven Wandel im Konflikt zwischen Palästina und Israel.


Wie kein anderer Politiker ist der Verstorbene Synonym und Symbol sowohl für den Willen zur Unabhängigkeit des palästinensischen Volkes als auch für die Unfähigkeit zum Frieden.


Arafat erhielt 1994 gemeinsam mit Israels Ministerpräsident Yitzhak Rabin und dem damaligen Außenminister Shimon Peres den Friedensnobelpreis. Die Ermordung Rabins durch einen jüdischen Fanatiker im Jahre 1995 war gleichzeitig ein Anschlag auf den Friedensprozeß. Arafat zeigte sich bald wieder als „Kämpfer“. Im Juli 2000 lehnte er die sehr weit gehenden Friedensangebote des Israelischen Premierministers Ehud Barak ab. Diese hätten zu einem palästinensischen Staat führen können. Und bereits im September startete die „neue“ Intifada. Seitdem ließ Arafat keine Gelegenheit aus, Chancen auf Verständigung zu verpassen. Arafat sprach mit gespaltener Zunge: Seine Bekundungen gegen den Terror veröffentlichte er in englischer Sprache, bei den Anklagen gegen Israel und die Befürwortung des „Märtyrertums“ - der Selbstmordattentate - sprach er arabisch.

Die palästinensischen Terrororganisationen stricken an neuen Legenden. Dafür gibt es keine Grundlage. Arafat wird als "Schöpfer" eines palästinensischen Nationalgefühls in die Geschichtsbücher eingehen. Dass er nicht als Staatsgründer in die Geschichte eingeht, hat er maßgeblich selbst zu verantworten.


Mögen die Nachfolger Arafats eine Politik des Friedens im Nahen Osten einleiten. Der Friedensnobelpreis, 1994 an Arafat vergeben, kann nun von seinen Nachfolgern verdient werden.“


Jochen Feilcke, MdB a.D.

Vorsitzender der DIG Berlin

Berlin, 11.11.2004

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