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Eng geknüpft und weit ausgelegt - ein Blick auf das Netz der Deutsch-Israelischen Kulturbeziehungen 
Bericht und Fotos von Jürgen Schlemme, Silvia Patt-Muth und Meggie Jahn


Foto: LV Sachsen-Anhalt

Meggie Jahn, Christoph Blosen, Dr. Michael Schneider als Hausherr, Jochen Feilcke und Dan Golan, Kulturattachée
an der Botschaft des Staates Israel

Am 11. Februar lud die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin und Potsdam gemeinsam mit der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt, nach dem alten Künstler-Klub in der ehemaligen DDR kurz "Die Möwe" genannt,  zu ihrem zweiten Themenabend über Israel ein.

Nach der Begrüßung durch den Hausherrn, Staatssekretär Dr. Michael Schneider, und einer kurzen Ansprache des DIG-Vorsitzenden Jochen Feilcke gab Christoph Blosen vom Auswärtigen Amt den rund 200 Zuhörern einen Einblick in die deutsch-israelischen Kulturbeziehungen, aber auch auf das breitgespannte Netz der bilateralen Beziehungen im Allgemeinen. Er war kurzfristig eingesprungen für seine Kollegin im Auswärtigen Amt, Sibylle Katharina Sorg, die kurzfristig erkrankte und mit der er drei Jahre an der Deutschen Botschaft in Tel Aviv als Pressereferent zusammen gearbeitet hatte. Redner und Publikum wünschten der geplanten Referentin auch von dieser Stelle aus gute Genesung.  

Der Beauftragte der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt und für Europa, Sts. Dr. Michael Schneider, sowie der Vorsitzende der DIG Berlin und Potsdam begrüßen die rund 200 Gäste in der Landesvertretung.


Blosen, der vor seiner beruflichen Laufbahn am Auswärtigen Amt auch mehrere Jahre an der Hebrew University in Jerusalem studiert hatte, betonte, dass er hier nicht "als Sprecher des Auswärtigen Amtes", sondern als "Privatperson" auftrete, "dies aber sehr gerne". Seinen Vortrag unterlegte er mit zahlreichen Anekdoten aus seiner Zeit in Israel.

Kulturbeziehungen umfassen nach Blosen nicht nur Museen, Theater und Musik, sondern auch wissenschaftlichen Austausch, Jugendaustausch und Städtepartnerschaften. Obwohl es zwischen Deutschland und Israel bis heute kein Kulturabkommen gebe, sei schon vor Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1965 und verstärkt danach ein eng geknüpftes Netz an Beziehungen zwischen beiden Ländern entstanden. Dies sei vor dem Hintergrund der historisch-moralischen Verantwortung Deutschlands für die Shoah eine erstaunliche Entwicklung. Neben zwei Goethe-Instituten in Tel Aviv und Jerusalem, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und anderen Mittlern der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik gestalten Länder und Gemeinden, verschiedene Institutionen sowie eine Vielzahl privater Organisationen und Vertreter der Zivilgesellschaft den Kulturaustausch. Partnerschaften und Dialoge bewegten sich aufgrund der Geschichte und des aktuellen Nahostkonflikts aber nicht im spannungsfreien Raum, so Blosen, sondern würden auf ganz unterschiedliche Art und Weise beeinflusst.




"Entscheidend ist, wie Deutsche auf Israelis zugehen."

Die Aufgabe des Auswärtigen Dienstes sieht Blosen darin, ein realistisches Bild von Deutschland und den Deutschen in Israel zu vermitteln, denn die Einstellung der Israelis gegenüber Deutschland hänge entscheidend davon ab, wie wir uns Israelis gegenüber verhielten. Dies hieße vor allem Zuhören und nicht schon mit fertigen Meinungen ins Land kommen. Im richtigen Ton könne durchaus auch Kritik an Teilen der Politik geäußert werden, sofern erkennbar sei, dass diese aus Sympathie und ehrlicher Sorge geäußert würde.  



Meggie Jahn und Christoph Blosen. Im Hintergrund: Jürgen Schlemme, LV von Sachsen-Anhalt

In der anschließenden von Meggie Jahn moderierten Diskussion machte Blosen deutlich, dass er aus seiner Erfahrung gelernt habe, das Wort "Versöhnung" nicht zu verwenden, denn Schuld sei immer persönlich und so könne kein Jude und kein Familienangehöriger Schuld stellvertretend für die ermordeten Opfer verzeihen. Er spreche in dem Zusammenhang deshalb lieber von einer "Verständigung", die zwischen dem Deutschen und Israelis erreicht werden müsse. 
 
Im Anschluss an den Vortrag lud die Landesvertretung wie schon bei dem ersten gemeinsamen Abend mit Donna Rosenthal über ihr Buch "Die Israel - Leben in einem außergewöhnlichen Land" zu einem kleinen Empfang im Foyer mit Wein aus Sachsen-Anhalt und Salzgebäck ein, bei dem das Gehörte vertieft werden konnte. Das Echo war durchweg positiv und das Interesse an Israel bei vielen Gästen gewachsen. Einige meldeten sich sogar spontan für unsere nächste Israel-Reise im Mai an.

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