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Trauer um Yitzchak Rabin Heute bezeichnet der Name Yitzchak Rabin in Israel auch eine Ortschaft. Im September 2005 wurde der Grundstein für die neue Gemeinde ‚Zur Yitzchak’ (Fels Yizchaks) gelegt. Zum 10. Jahrestag der Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten finden im November dieses Jahres in aller Welt – vor allem in Israel – außergewöhnliche Erinnerungsfeierlichkeiten statt. Auf vielen öffentlichen Plätzen und in zahlreichen Schulen werden Gedenkfeiern, Gespräche und Diskussionen über das Leben und Wirken des Militärs und Politikers Rabin vorbereitet. Sie sind stets verbunden mit der Frage, ob die aktuelle Lage im Nahen Osten eher Anlass zu Hoffnungen auf einen künftigen Frieden oder zu weiteren Befürchtungen gibt. In New York wird sich ein großes Symposium der Colgate University mit Rabins Leben und Erbe, mit den politischen Auswirkungen des Mordes und den Aussichten auf einen künftigen israelisch-palästinensischen Frieden beschäftigen. An einer ähnlichen zentralen Veranstaltung in Israel unter dem Titel ‚Frieden – Traum oder Vision’ werden, falls aktuelle Komplikationen im israelisch-palästinensischen Verhältnis dies nicht verhindern, auch der Vorsitzende der ‚Palästinensischen Autorität’ Machmud Abbas und der palästinensische Ministerpräsident Achmed Kurei teilnehmen. Beide waren zur Regierungszeit Rabins an den binationalen Verhandlungen beteiligt, die zu den Interimsvereinbarung des so genannten ‚Oslo-Prozesses’ führten. Damals wurde die Gründung der palästinensischen Autorität in von Israel 1967 eroberten Gebieten beschlossen und die Errichtung eines palästinensischen Staates an der Seite Israels eingeleitet. Es wäre das erste Mal, dass palästinensische Spitzenpolitiker an einem politischen Forum in Israel teilnähmen, und ein Ereignis von erheblicher psychologischer Wirkung auf die israelische und palästinensische Öffentlichkeit. Darüber hinaus werden sich im November zahlreiche hochrangige internationale Politiker in Israel einfinden. Auch der ehemalige US-amerikanische Präsident Bill Clinton („Schalom Chaver“) wird erwartet. Bis heute ist das Gedenken an Yitzchak Rabin von starken Auseinandersetzungen und großen Emotionen begleitet. Wer sich einen Einblick über das Ausmaß an Hass und Abscheu verschaffen möchte, mit dem innerhalb und außerhalb Israels auf das Erinnern an den ermordeten Ministerpräsidenten reagiert wird, kann dies anhand von international geführten online-Debatten nachvollziehen. In aktuellen ‚Talkbacks’ von Internetausgaben israelischer Zeitungen wird Rabin zum Beispiel als Feigling, Bedrohung für Israel, Knochenbrecher, Alkoholiker, Dieb, dubioser Charakter, Opportunist und Israels Neville Chamberlain denunziert – immer begleitet von heftigem Widerspruch und nachdenklichen Stimmen. Mit einer Delegation der Berliner Deutsch-Israelischen Gesellschaft diskutierten wir im November vergangenen Jahres in Israel mit verschiedenen Gesprächspartnern das damals von Avi Primor in Interviews gezeichnete Bild der israelisch-palästinensischen Verhandlungen. Die mit dem Osloer Abkommen verbundenen Hoffnungen seien vielen Israelis anfangs als ‚Lichter am Ende des Tunnels’ erschienen, hätten sich jedoch angesichts der Terrorwelle und der Rückschläge im Friedensprozess inzwischen als ‚Lichter eines Schnellzuges’ erwiesen, der nun alle überrolle. Ein deutscher Gesprächspartner im diplomatischen Dienst malte dieses Bild zum Erschrecken unserer Delegation in noch schwärzeren Farben. Bei realistischer Sicht der Dinge müsse man davon ausgehen, dass es nicht einmal einen Tunnel gäbe. Diese Gespräche fanden einige Wochen vor der öffentlichen Ankündigung des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon statt, er werde als einseitige Vorleistung auf dem Wege einer künftigen israelisch-palästinensischen Konfliktregelung sämtliche israelischen Ortschaften im Gaza-Streifen und einige in Judäa und Samaria auflösen. Bekanntlich ist es nicht bei einer puren Ankündigung geblieben. Scharon hat einen dramatischen Prozess eingeleitet, der Israels Gesellschaft zu spalten drohte aber schließlich doch zur vom Parlament beschlossenen und durch israelische Sicherheitskräfte mit bewundernswerter Disziplin und Ruhe durchgeführten Evakuierung der betroffenen Orte führte. Dafür wird Ariel Scharon von Unterstützern und von Gegnern seiner Zugeständnisse bereits mit Yitzchak Rabin verglichen, der sich selbst allerdings nie dazu entschieden hat, israelische Siedlungen aufzulösen. Bernhard Krane Stellv. Vorsitzender der DIG Berlin
Der Artikel erschien im Programmheft zum 9. Rabin-Gedenkkonzert mit Chava Alberstein am 14.11.2005.
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