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Dr. Shlomo Shafir aus Israel sprach am 1. Oktober 2007 bei DIG Berlin und Potsdam zum Thema "Von Dachau bis zum vereinigten Deutschland - Eine persönliche Sicht auf unser Land" Ein Bericht von Dr. Julia Brauch und Meggie Jahn Fotos von Fritz Zimmermann

Jochen Feilcke, Dr. Shlomo Shafir und Meggie Jahn
Auf Einladung der DIG Berlin und Potsdam war der israelische Historiker und Journalist Dr. Shlomo Shafir Anfang Oktober 2007 zu Gast im Hotel Spreebogen in Berlin-Moabit. Sein Auftritt war bei einer persönlichen Begegnung zwischen Meggie Jahn und Shafir im Juni 2007 in Jerusalem avisiert worden und ging auf eine langjährige Bekanntschaft der beiden zurück. 1924 als Selimar Frenkel in Berlin geboren und in Ostpreußen aufgewachsen, überlebte Shlomo Shafir das Ghetto in Kaunas/Litauen, das NS-Dachauer Außenlager Kaufering sowie das Zentrallager Dachau, wo er befreit wurde. In Litauen und Deutschland aktiv im zionistischen Untergrund, war er nach dem Krieg führendes Mitglied der Vereinigten Zionistischen Organisation und der Mapai in Deutschland. Anfang 1948 - noch vor der Staatsgründung Israels - wanderte Shafir ins damalige Palästina aus. 1961 machte er seinen M.A. in Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem, 1971 seinen PHD an der Georgetown University in Washington DC. Shafir war viele Jahre in Israel und im Ausland als Journalist tätig. Darüber hinaus redigierte er 31 Jahre lang die Halbjahresschrift "Gesher", die sich mit jüdischen Problemen befaßte, gab eine Monographie über die deutsche Sozialdemokratie und eine zweite über die amerikanisch-jüdische Gemeinschaft zu Deutschland seit 1945 heraus. Von Anfang an engagierte sich Shafir für eine Verständigung zwischen Deutschland und Israel, was ihn besonders dafür prädestinierte, einmal bei der DIG aufzutreten.
Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Vorsitzenden Jochen Feilcke unterstrich auch Meggie Jahn, welche Ehre es für uns sei, ihn an diesem Abend bei uns zu haben und - als Zeitzeuge und Historiker - seine Sicht auf Deutschland kennen zu lernen. Shafir bedankte sich nicht weniger herzlich für die Einladung und bot ca. 50 Gästen im Hotel Spreebogen einen Streifzug durch seine bewegte Geschichte. Dabei machte er deutlich, dass er hier ausschließlich für sich selbst und für keine Organisation spreche.
1924 bis 1945
Hineingeboren wurde Shafir in eine mittelständisch-jüdische Familie in Berlin-Schöneberg, die außer ihrem Wohnsitz in Ostpreußen einige Jahre auch eine Zweitwohnung in Berlin hatte. 1936/37 floh er nach Litauen, wo er als hochbegabter Schüler das Hebräische Gymnasium besuchte. Nachdem er bereits als Sechzehnjähriger in einer anti-kommunistischen Widerstandsgruppe mitgewirkt hatte, wurde er im Ghetto Kovno und später im KZ Dachau-Kaufering zu einem Mitglied des anti-nationalsozialistischen Widerstands und Mitverfasser der Untergrundzeitung „Nitzotz“ (hebr.: „Funke“). Diese heimlich verfasste und handschriftlich kopierte Zeitung in hebräischer Sprache erschien im Ghetto Kovno und später unter schwierigsten Bedingungen auch im Lager Dachau-Kaufering. Sie beschäftigte sich mit den Verbrechen an den Juden und den politischen Konsequenzen daraus (z.B. Restitutionen, Umgang mit Kriegsverbrechern). Exemplare der Zeitung konnten dank der Hilfe des in Dachau internierten luxemburgischen Priesters Abbé Jules Jost und eines spanischen Gefangenen gerettet werden. Sie finden sich heute in Yad Vashem. Allein in Litauen, so Shafir, seien in der Nazizeit durch SS, SD, Polizei und litauische Kollaborateure ca. 220 000 Juden ermordet worden.
Nach Kriegsende wurde Shafir führendes Mitglied der zionistischen Organisation der Überlebenden des Holocaust, Histadrut Zionit Achida, die später in der sozialdemokratischen Mapai aufging, und nahm am politischen Kampf zur Stärkung der Juden in Palästina und deren Vorbereitung des jüdischen Staates teil. Anfang 1948 kam er - schon gemeinsam mit seiner Frau Minna, die er noch 1947 in München geheiratet hatte, nach Palästina. Als Journalist und Mitglied der Mapai hat er die direkten Wiedergutmachungsverhandlungen mit Deutschland unterstützt, die damals in der Bevölkerung viele Gegner hatte. Viele Israelis befürchteten einen Putsch aus den Reihen der politischen Opposition des Likud mit Menachem Begin an der Spitze. Doch David Ben-Gurion habe sich davon nicht beirren lassen und in Konrad Adenauer einen Partner gefunden, der bereit gewesen sei, Israels Aufbauarbeit zu unterstützen, so Shafir.
Ab 1952 studierte Shafir an der Hebräischen Universität in Jerusalem bei Prof. Richard Koebner Geschichte (heute ist der Lehrstuhl für deutsche Geschichte nach ihm benannt), womit seine akademische Beschäftigung mit der deutschen Geschichte ihren Anfang nahm. 1961 legte er dort seine Magisterprüfung ab. Als Auslandskorrespondent für die Deutschland gegenüber verständnisvoll eingestellte Zeitung Davar kam Shafir 1964 nach Washington, wo er 1971 im Alter von 47 Jahren an der Georgetown University über The impact of the Jewish crisis on American-German relations 1933–1939 promovierte. Aus dieser Zeit datiert auch seine Einschätzung, dass amerikanische Juden in der Regel Deutschland kritischer gegenüber stünden als israelische Juden, ja, dass Israelis einen mäßigenden Einfluss auf das US-amerikanische Judentum ausgeübt hätten. Mehr dazu findet sich in seinem 1999 in englischer Sprache erschienenen Buch Ambiguous Relations: The American Jewish Community and Germany since 1945, Detroit: Wayne State University Press. Es gilt heute als Grundlagenwerk zum Thema und wir immer wieder gern zitiert. Shafir machte deutlich, dass das AJC mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und anderen deutschen Organisationen während der letzten 20 Jahre zu einer sukzessiven Verbesserung dieser Beziehungen beigetragen hätten.

"Die amerikanischen Juden stehen Deutschland kritischer gegenüber als die Juden in Israel."
Die Beschäftigung mit dem israelisch-deutsch-amerikanischen Beziehungsdreieck zieht sich wie ein roter Faden durch die intellektuelle Biographie Shafirs - augenblicklich erforscht er die Beziehung des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidts zu Israel und zu den Juden, was auch in den 70er Jahren schon mal sein Forschungsgegenstand war. Aus dem besonderen Interesse an den Beziehungen zwischen der deutschen und israelischen Sozialdemokratie ist das bislang nicht ins Deutsche übersetzte Buch Ausgestreckte Hand: Die deutschen Sozialdemokraten und ihre Beziehung zu den Juden und zu Israel in den Jahren 1945–1967 hervorgegangen („Jad muschtetet: Ha-Sozialdemokratim ha-germanim we-jachassam la-jehudim u-le-israel ba-shanim 1945–1967“, Tel-Aviv: Zemorah, Bitan, 1986). Auch dieses Buch - ermöglicht durch ein Stipendium der Friedrich Ebert Stiftung - gilt bis heute als Standardwerk zum Thema. Es behandelt die „goldene Zeit“ der Beziehungen zwischen der deutschen Sozialdemokratie zu Israel, die sich nach dem Sechs-Tage-Krieg abzukühlen begannen, obwohl sich die institutionelle Zusammenarbeit zwischen beiden Parteien und den Gewerkschaften sogar noch intensivierte.
Während Israel seit Ende der 50er Jahre an einer Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Bundesrepublik interessiert war, was auch die 50-60 000 deutschsprachigen Einwanderer begrüßten, war die Bundesrepublik in dieser Frage wegen der Hallstein-Doktrin und Westdeutschlands wirtschaftlichen Interessen in den arabischen Ländern zurückhaltend. Als damaliger USA-Korrespondent von Davar erinnerte sich Shafir genau an den 7. März 1965, als im Rahmen einer Bnai-Brith-Veranstaltung vor rund 1000 Gästen verkündet wurde, dass Bundeskanzler Ludwig Erhard die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel zugesagt hatte. Im Saal habe dies eine Freudenstimmung ausgelöst, so Shafir.
1967 bis zur deutschen Vereinigung
Nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 und der Eroberung des Ostteils von Jerusalem sowie der Westbank von Jordanien, Gazas von Ägypten und der Golan-Höhen von Syrien habe in Deutschland ein Stimmungsumschwung stattgefunden. Jetzt wurde insbesondere bei den zunächst von der Kibbutzbewegung begeisterten Linken von „Besatzung“ gesprochen. Einen erneuten Umbruch brachte schließlich der Regierungswechsel von Labour zum rechtskonservativen Likud im Jahr 1977. Da dieser zunächst extrem deutschfeindlich eingestellt war, so Shafir, habe die CDU in Israel lange keinen adäquaten Gesprächspartner gefunden, was zum Teil bis heute anhalte, zumal der Likud auch mit seiner Haltung zum Friedensprozess nicht auf der Linie der CDU liege.
Was die Auseinandersetzung zwischen Helmut Schmidt und Menachem Begin Anfang der 80er Jahre angeht, so trügen hier beide Seiten Verantwortung für die Verschlechterung der bilateralen Beziehungen. Helmut Schmidt habe bereits einer neuen Generation deutscher Politiker angehört, anders als Konrad Adenauer, Willy Brandt oder Herbert Wehner. Letztere waren unter den Nazis ins Exil getrieben worden, Brandt als Linkssozialist, Wehner damals noch als Kommunist. Auch wenn Brandt der israelischen Besatzung stets kritisch gegenüber gestanden hatte, erinnerte sich Shafir, so habe die Bundesrepublik unter seiner Kanzlerschaft während des Yom Kippur-Krieges doch Israel geholfen, was viele nicht wüßten (s. dazu den Artikel "Der falsche Verdacht - Eine geheime Episode in der Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen von Klaus Harpprecht in der ZEIT vom 27.04.2000).
Die deutsche Vereinigung wurde in Israel mit weniger Vorbehalten aufgenommen als erwartet, so Shafir, und dies aus zwei Gründen: Erstens sei die DDR ein antiisraelischer Staat gewesen, und zweitens hatte die Volkskammer schon im Vorfeld der Wiedervereinigung im April 1990 die Mitverantwortung der DDR für die Verbrechen an den Juden anerkannt. Selbst im Likud sei es danach zu keinem „Rechtsdrall“ gekommen. Viele der russischen Einwanderer – seit Beginn der 90er Jahre ca. eine Million – stünden Deutschland wenig kritisch gegenüber, negativ sei dagegen die Einstellung der meisten religiösen Einwanderer aus westeuropäischen Ländern.
Bestandsaufnahme aus heutiger Sicht:
Als erfahrener Beobachter des deutschen Umgangs mit der Vergangenheit nahm Shafir am Ende seiner Ausführungen Stellung zu aktuellen Themen im deutschen Diskurs: So äußerte er Verständnis für die jetzige Diskussion um die Auswirkungen des Bombenkriegs und die Vertreibung aus dem Osten, sofern keine Aufrechnung und Vergleiche mit dem jüdischen Holocaust vorgenommen würden. Unangenehm in Erinnerung waren Shafir hingegen die Rede Martin Walsers in der Paulskirche (1998), in der er von der „Auschwitzkeule“ geredet hatte und sein Buch Tod eines Kritikers (2002), das sich gegen den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki richtete und das er für eindeutig antisemitisch hält. Insgesamt sei nicht zu übersehen, so Shafir, dass der Holocaust zunehmend einer Historisierung anheim falle, auch wenn das Feuilleton der großen Zeitungen in zufrieden stellender Weise diese Thematik gegenwärtig halte und deutsche Historiker fortwährend die NS-Verstrickung deutscher Unternehmen bzw. Mitarbeitern anderer wichtiger Institutionen in den ersten Jahrzehnten nach 1945 aufdecken.
In seiner Bestandsaufnahme würdigte Shafir den außerordentlich guten Zustand der deutsch-israelischen Beziehungen auf Regierungsebene und auch die umfassenden kulturellen Beziehungen, obwohl es bis heute kein Kulturabkommen gebe. So habe Helmut Kohl bei der Sitzung des Europäischen Rats 1994 dafür gesorgt, dass Israel im Rahmen der EU ein „besonderer Status“ eingeräumt wurde, und bis auf einige kurze Krisen seien auch zu Zeiten der rot-grünen Koalition die Kontakte gut gewesen. Außenminister Fischer wurde in diesem Zusammenhang besonders positiv gewürdigt. Besorgt beurteilte Shafir dagegen den Mainstream der öffentlichen Meinung in Deutschland, der heute unter dem Einfluss von Antiamerikanismus und Antizionismus stehe und in gefährlicher Weise oft mehr als kritisch auf Israel blicke. Als gefährlich für die auf Regierungsebene prinzipiell guten deutsch-israelischen Beziehungen stufte Shafir die neue Linke unter Oskar Lafontaine ein, der Israel bisher nur inkognito besucht und ihm stets kritisch gegenüber gestanden habe. Hier betrachte er mit Sorge Erwägungen innerhalb der SPD über eine rot-rot-grüne Koalition. Beunruhigt zeigte sich der Gast aus Israel auch über einen möglichen künftigen Einfluss muslimischer bzw. radikalislamischer Migranten in Deutschland als "späte Rache für die jahrelange Anwerbung von Ausländern für den Aufschwung". Die türkische Bevölkerung stünde Israel heute nicht mehr positiv gegenüber. In ganz Europa gebe es unter dem Motto der "multikulturellen Gesellschaft" eine Tendenz zur "Übertoleranz". In Israel hingegen irritiere ihn der immer größere Einfluss der Postzionisten - zum Teil auch externe Kritiker des Zionismus im akademischen Bereich -, und die dort in Mode gekommene Begeisterung nicht nur für Hannah Arendt, sondern auch für Martin Heidegger, ohne dass seine Haltung während der NS-Zeit erwähnt werde.
Dem Militäreinsatz der UNIFIL im Libanon habe er kritisch gegenüber gestanden, da er seiner Auffassung nach Gefahren für beide Seiten berge, dies hatte er auch in einem Interview mit dem 1. Deutschen Fernsehen zum Ausdruck gebracht (s.u.). Was würde geschehen, wenn deutsche Soldaten versehentlich auf Israelis schössen? Das gute bilaterale Verhältnis könne unabsehbaren Schaden nehmen. Heute könne man Gott sei Dank sagen, dass problematische Situationen von beiden Seiten gut gelöst worden seien, aber auch künftige Zwischenfälle seien nicht auszuschließen.
Bis 1967 und auch noch darüber hinaus sei die Zivilgesellschaft in Deutschland Israel gegenüber freundlicher eingestellt gewesen als die Regierenden, heute habe sich dies umgekehrt, so Shafir. Dabei sehe er nicht so sehr in Alt- und Neonazis die Gefahr, sondern im Mainstream der Mitte. Gefährliche Entwicklung seien, dass von einigen heute auch das Existenzrecht des Staates Israel nicht mehr selbstverständlich sei, dass vor dem Hintergrund der anhaltenden israelischen Besatzung und unter dem Motto des Eintretens für die Menschenrechte Antisemitismus, Antizionismus und auch Antiamerikanismus eine gefährliche Verbindung eingegangen seien. In seinem Schlusswort formulierte Shafir deshalb auch den dringenden Wunsch, dass sich das heutige Deutschland, "der beste Staat in der neueren deutschen Geschichte“, auch weiterhin konsequent für die Existenz Israels als jüdischer Staat einsetzen möge.
Diskussion:
In der anschließenden Diskussion zeigte sich auch ein Zuhörer besorgt über den wachsenden Antiamerikanismus und die Demokratieverdrossenheit in Deutschland, bei dem die Rolle der USA nach 1945 für die Demokratisierung der Bundesrepublik Deutschland und die Hilfe bei der Berliner Luftbrücke völlig vergessen werde. Er verwies dabei auf einen Artikel von Jacques Schuster in der WELT („Deutschlands langsamer Abschied vom Westen“). Ohne den Artikel zu kennen, so Shafir, sei ihm dies „ein wenig zu viel Kultur- und Politpessimismus“, Deutschland habe sich keineswegs von der Demokratie abgewandt, die Globalisierungsbewegung der 90er Jahre neige allerdings dazu, mit dem Einfluß der Neokonservativen in den USA eine amerikanisch(-jüdisch)e Weltherrschaft an die Wand zu malen.

"Präsident Bush wird eher durch christliche Fundamentalisten als durch jüdische US-Bürger unterstützt."
Jochen Feilcke berichtete in dem Zusammenhang von seinem kürzlichen Besuch bei der pro-israelischen Organisation AIPAC (The American Public Affairs Commitee), wo die Teilnehmer Präsident Bush mit stehenden Ovationen empfangen hätten. Wir dürften deshalb nicht alles „durch die deutsche Brille“ sehen. Shafir stellte klar, dass auch er dem amerikanischen Präsidenten, insbesondere was die Irak-Politik angehe, kritisch gegenüber stehe und 75 % der Juden in den USA Demokraten wählten, die gerade jetzt Bush wegen seiner Irakpolitik heftig kritisierten. Bei AIPAC dominierten aber in der Tat inzwischen die Republikaner. Bush werde weniger durch jüdische Amerikaner als vielmehr durch christliche Fundamentalisten unterstützt, die sich auch bei AIPAC finden ließen. Meggie Jahn ergänzte, es sei heute nicht ganz einfach, zwischen Antiamerikanismus und „Anti-Bushism“ in Deutschland zu unterscheiden. Sie kenne auch viele Amerikaner, die Bush kritisierten.

Ca. 50 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer waren ins Hotel Spreebogen in Berlin-Moabit gekommen.
Eine Nachfrage bezog sich auf den Umgang der jungen Generation in Israel mit Deutschland. Sein Eindruck sei, dass diese den Deutschen kritischer gegenüberstünden als ältere Israelis. Shafir teilte die Meinung, doch dank eines intensiven bilateralen Schüler- und Jugendaustausches werde hier viel für den Abbau von Vorurteilen getan. Im Allgemeinen stünde die große Mehrheit der Nationalreligiösen und Orthodoxen Deutschland am kritischsten gegenüber, so hätte die sefardisch-orthodoxe Shas-Partei kürzlich den Ankauf deutscher Autos für Knessetmitglieder verhindert. Das Interesse an der deutschen Sprache sei aber nach wie vor groß, die Goethe-Institute voll. Der Holocaust sei auch jungen Menschen immer im Bewusstsein, doch sehe man heute aktuelle und dringendere Probleme, die gelöst werden müssten. Dabei werde der Einfluss Deutschlands im Rahmen der EU im Sinne Israels positiv gesehen.
Unterstützung aus dem Publikum kam auch für die Einschätzung Shafirs, dass die Gefahr einer Islamisierung junger Migranten in Europa bisher unterschätzt wurde. Tony Blair habe sich immer für gleiche Bürgerrechte für die muslimische Bevölkerung eingesetzt, so Shafir, aber stets auch zu Israel gestanden, was bei seinem Nachfolger Brown noch nicht erkennbar sei. Sarkozy und sein Kabinett hätten gegenüber dem Iran klare Worte gefunden, doch sei es zu früh, seine Politik zu beurteilen.
Der Applaus am Ende des Abends zeigte, dass wir Dr. Shlomo Shafir herzlich zu danken haben für einen hochinteressanten Vortrag und seine anschließende Bereitschaft zu einem offenen und sehr informativen Gesprächsaustausch.
Auch unser Vorstandsmitglied Dr. Martin Kloke kennt Dr. Shafir seit vielen Jahren und dankte ihm für seinen Beitrag. Rechts mit Hans Duncke, früherer Leiter des Büros der FES in Israel, und Minna Shafir.
Jochen Feilcke und Meggie Jahn freuten sich mit Dr. Shafir über einen erfolgreichen Abend. Rechts der Gast mit Freunden, die ihm zu Ehren gekommen waren. Links neben Meggie Jahn die Koautorin Dr. Julia Brauch.
Mehr zur Person und einige Veröffentlichungen:
Amerikanische Juden als Brückenbauer - Internationales Kolloquium am 15. April 2002 am Simon-Dubnow-Institut an der Universität Leipzig beleuchtet das Verhältnis zwischen der jüdischen Gemeinschaft Amerikas und Deutschland. Shlomo Shafir, Die Haltung der SPD gegenüber Israel, in: Moshe Zimmermann/Oded Heilbronner, Normale Beziehungen. Israelisch-Deutsche Beziehungen, Jerusalem 1993, S. 129 - 154 Shlomo Shafir, Eine ausgestreckte Hand. Sozialdemokraten, Juden und Israel 1945 - 1967, Tel Aviv 1986
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