
Ulrich W. Sahm
Ulrich W. Sahm wurde 1950 in Bonn als Sohn eines deutschen Diplomaten geboren. Aufgewachsen ist er in London, Paris, Bonn, Heppenheim, Moskau und Ankara. Er studierte evangelische Theologie, Judaistik und Linguistik in Bonn, Köln und Wuppertal. Ab 1970 Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist er Nahost-Korrespondent für deutsche Medien, u.a. für ntv, mit Sitz in Jerusalem.
Ulrich W. Sahm begeisterte ca. 300 Gäste im überfüllten Saal des Centrum Judaicum mit einem humorvollen und informationsreichen Vortrag über die aktuelle Lage in Israel vor den anstehenden Wahlen. Der Referent überraschte mit klaren Aussagen sowie eigenwilligen und mutigen Positionen und bewies seine detaillierten Hintergrundkenntnisse zu Israel und dem Nahen Osten. Unter anderem berichtete er über die Räumung von vier Siedlungen im Westjordanland, die nicht Eingang in die deutsche Berichterstattung fand, da die Überschwemmungen in Bayern und der Schweiz wichtiger waren.
In einem großen Bogen bis hin zur ersten Intifada beschrieb er die israelische Politik bezüglich der palästinensischen Gebiete und israelischen Siedlungen. Eine seiner Hauptthese war, dass die israelische Siedlungspolitik vornehmlich macht- und sicherheitspolitisch motiviert war und weniger einem religiösen Bild Großisraels folgte. Laut Sahm verfolgte Ariel Scharon spätestens seit 2003 das Ziel einer einseitigen Abkopplung Israels von den palästinensischen Gebieten. Als Beleg dafür nannte er den Bau von Grenzposten an Stellen, die erst heute als möglicher Grenzverlauf sichtbar werden.
Der innenpolitische Erfolg gab ihm Recht. Die Mehrheit unterstützt seine neue Partei Kadima, deren einziges Programm "Scharon – Scharon – Scharon" war. Dies ging auch über sein krankheitsbedingtes Ausscheiden aus der aktiven Politik hinaus.
Der ausführliche Vortrag und die anschließende Diskussion waren gespickt mit zahlreichen Anekdoten und Witzen, was für eine heitere und gelöste Stimmung sorgte.
Die Veranstaltung war nicht nur eine wunderbaren Werbung für die DIG Berlin und das Jugendforum, sondern dank großzügiger Unterstützer auch in wirtschaftlicher Hinsicht erfolgreich.