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Unterwegs in Israel zur Essensverteilung für die von Bombenangriffen der Hisbollah bedrohten Menschen Bericht und Fotos von Mirko Freitag
Gestern vormittag - Dienstag, den 8. August, bin ich zusammen mit dem Direktor von Meir Panim Jerusalem, Moshe Yossi Levkovitz, und einem Fahrer in den Norden gefahren.
Erster Stopp war Tiberias, um das dortige "Meir Panim Restaurant" und dessen Küche zu besuchen. Tiberias, eine eigentlich zu dieser Jahreszeit schrecklich überfüllte Stadt, war wie ausgestorben: Die Strände völlig leer, die Läden geschlossen, kaum Autos unterwegs. Nach einem kurzen Gespräch mit den dortigen Mitarbeitern und Volonteers fuhren wir weiter Richtung Kiryat Shmona. Nach mehreren Anrufen (Yossi und der Fahrer hatten ungefähr sechs Handys dabei, die permanent klingelten)erfuhren wir, dass es wenig Sinn habe, nach Kiryat zu fahren, da dort ständig Alarm war.
Unser nächster Stopp war Hazor Hagalit. Auch hier war das Dorf wie ausgestorben. Dort befindet sich eine Grossküche, die das Essen für die umliegenenden Städte bis hin nach Zafed kocht. Die Küche war voller freiwilliger Helferinnen und Helfer, u.a. aus TelAviv, Herzlyia - die meisten Orthodoxe. Es war sehr beeindruckend zu sehen, mit was für einer Solidarität die Menschen ihr eigenes Leben riskieren, um anderen Menschen, denen es noch schlimmer geht, zu helfen. Unser Stopp musste wegen des Bombenalarms etwas verlängert werden.
Von dort fuhren wir weiter in eine der ältesten Siedlungen im Norden Israels, nach Rosh Pina. Auch hier dasselbe Bild: Die Municipality hat ihr Buero in den Keller verlegt, mit einer Hotline, die 24h funktioniert. Die Telefone klingelten permanent von verängstigten Bürgern. Trotz der vielen Alarme hat erst eine Katjuscha im Dorf eingeschlagen - im Garten des Bürgermeisters. Nach einem kurzen Gespräch mit den Menschen ging es weiter in die heilige Stadt Zafed.
Gerade aus dem Auto ausgestiegen, um das Essen in einen der vielen Bunker (Shelter) zu bringen, kam der erste Alarm. Man hat maximal eine Minute Zeit, in einen Shelter zu rennen. Als wir gerade den Hauseingang erreicht hatten, hörten wir einen Raketeneinschlag. Nach etwa zehn Minuten Abwarten fuhren wir weiter in das "Verteilungsbüro". Auch hier hatten wir kurz nach der Begrüssung gleich wieder Alarm. Unterdessen erfuhren wir, dass die Katjuschas, deren Detonationen wir gehört hatten, direkt neben dem Krankenhaus und in einen Kindergarten eingeschlagen hatten. Bei dem dritten oder vierten Alarm, als wir gerade zum Schutzbunker liefen, hörten wir alle über uns ein Geräusch (wie ein extrem lautes Bienensummen) - und sahen, wie eine Katjuscha genau vor uns in ein Haus einschlug, das vielleicht 50 -100 m von uns entfernt lag.
Wir waren alle kurz geschockt, da sich die kurze Freude, selbst verschont worden zu sein, schnell in Mitleid für die Menschen wandelte, die es getroffen hatte. Mehrere Bewohner erlitten einen schweren Schock. Auf dem Weg zum Militaerkommando: Wieder Alarm.
Wir hielten vor einem der Häuserblocks am Hang von Zafed und rannten ins Haus. Von dem offenen Treppenhaus aus hatte man einen wunderschönen Ausblick auf das Tal - und auch diesmal sahen wir, wie auf freiem Feld eine Katjuscha einschlug. Als wir den grossen Bunker des Hauses gefunden hatten, sahen wir mindestens 30 Menschen auf engsten Raum zusammen sitzen. Der Shelter war mit Bildern, Betten, TV, Kuhlschrank und Klimaanlage ausgerüstet, die Luft war schlecht. Die meisten Bewohner waren Sozialschwache, darunter viele Rentner, einige Behinderte und ein paar Jugendliche. Die meisten Einwanderer (Olim) kamen aus der ehemaligen Sowjetunion. Wir blieben sehr lange bei ihnen (auch wegen des erneuten Alarms) - und auch hier wurde Essen von Meir Panim verteilt. Die Freude der Menschen war unübersehbar - auch weil sie sahen, dass wir aus dem sicheren Süden des Landes extra hoch gefahren waren. Wir versicherten ihnen, dass wir auch in schweren Zeiten zusammenhalten müssten - und ich wies darauf hin, dass es auch in Europa vereinzelt Menschen gebe, die auf unserer Seite stünden.
Von dort fuhren wir wieder zurück zum Verteilungsbüro,um uns zu verabschieden. Kyriat Shmona, Akko, Nahariya etc. mussten aus zeitlichen Gründen auf die nächste Woche verschoben werden.
Auf dem Weg nach Netanya, wo wir noch ein Meir Panim Restaurant besuchen wollten, sahen wir eigentlich fast nur Militärfahrzeuge auf der Straße, die uns entgegen kamen. In Netanya besichtigten wir die dortige Grossküche, in der das Essen u.a. auch für Haifa und Akko gekocht wird und sprachen mit dem Leiter, bevor es abends wieder zurück nach Jerusalem ging.

Mirko Freitag mit Moshe Yeschi Levkovitz, Direktor von Meir Panim
Wir sind dankbar für diesen Bericht unseres Vorstandsmitglieds Mirko Freitag, der die bedrohliche Situation für die Menschen in Israel schildert und bitten Sie herzlich um eine Spende für Meir Panim. Mehr zu der Initiative und eine Spendenkonto-Nummer finden Sie hier.
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