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„Vereint gegen Israel?“ Dr. Martin Jander sprach am 22. Oktober 2007 im Centrum Judaicum über die "unheilige Allianz" zwischen der DDR und dem westdeutschen Linksterrorismus. Ein Bericht von Dr. Martin Kloke, Fotos von Meggie Jahn

Dr. Martin Kloke bei seiner Begrüßung im Großen Saal des Centrum Judaicum. Dr. Martin Kloke, Mitglied des Vorstands der DIG Berlin und Potsdam, begrüßte die etwa 140 Zuhörer und würdigte die kontinuierliche Fortsetzung der seit Jahren erfolgreichen Kooperation mit der "Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit". Kloke, der die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem Berliner Historiker und Journalisten Dr. Martin Jander auch moderierte, stellte den Referenten als einen wissenschaftlich ausgewiesenen Kenner nicht nur der deutschen Linken, sondern auch der Thematik „DDR und Stasi“ vor. Jander unterrichtet an der New York University, der Stanford University und an der Universität Köln.

Dr. Martin Jander vor seinem Vortrag: "Jander für die Freiheit" - das gefällt mir."
Jander beleuchtete in seinem faktenorientierten Vortrag die begrenzte, zugleich aber auch systematische Zusammenarbeit linksterroristischer Gruppen der alten Bundesrepublik mit der sog. Staatssicherheit der DDR sowie mit palästinensischen Terrorgruppen. Es sei bezeichnend, dass diese verdeckte Kooperation in der öffentlichen Diskussion bis heute kaum eine Rolle spiele.
Die unheilige Allianz wurde möglich, weil man gemeinsame Feinde hatte: den „Imperialismus“ – und Israel! RAF und Stasi verfügten über gute Beziehungen zu palästinensischen Organisationen (z. B. zur Fatah); sie unterstützten die PLO als „nationale Befreiungsbewegung“ – „Antizionismus“ und „Antiimperialismus“ waren verbindende ideologische Gleitmittel. Die DDR unterstützte palästinensische Terrororganisationen; westdeutsche Terroristen wurden in den Lagern palästinensischer Terroristen ausgebildet und waren in Anschläge palästinensischer Organisationen verwickelt. Insofern bedeutete die Duldung und Unterstützung palästinensischer Terroristen (darunter auch der berüchtigten Abu Nidal-Gruppe) durch die DDR auch eine Unterstützung westdeutscher Linksterroristen. Yassir Arafat selbst war es, der die DDR um „Unterstützung in Sicherheitsfragen“ gebeten hatte.
Trotz ideologischer und kultureller Unterschiede zwischen SED und RAF war man sich in der israelfeindlichen Zielrichtung einig. In den Jahren 1980 bis 1982 fanden zwei- bis dreimal jährlich Treffen zwischen RAF-Mitgliedern und MfS-Vertretern statt. RAF-Leute konnten unbehelligt die Transitwege der DDR nutzen, fanden im Zweifel in der DDR Asyl, erhielten dort neue bürgerliche Identitäten – auch, um dem westdeutschen Fahndungsdruck zu entgehen. RAF und palästinensische Extremisten trafen sich auf DDR-Gebiet, um operative terroristische Planungen in einem geschützten Ruheraum absprechen zu können. Einige RAF-ler wurden auf einem Stasi-Gelände militärisch trainiert – sie lernten die Bedienung einer sowjetischen Panzerfaust. Wie eng die Unterstützung palästinensischer Terrororganisationen durch die DDR mit der Hilfe für westdeutsche Linksterroristen verknüpft war, ist dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) durchaus bewusst gewesen: In einem internen Papier des MfS wurde die taktisch bedingte Sorge ausgedrückt, die Kooperation könne auffliegen und dem Image der DDR Schaden zufügen.
Jander äußerte abschließend den begründeten Verdacht, dass sich in der gemeinsamen Feindschaft westdeutscher Linker und ostdeutscher Staatslinker gegen den Staat Israel – über die Mauer hinweg – auch ein „Schuldabwehrantisemitismus“ artikuliert habe. Die genannten Strömungen hätten nicht nur die Verantwortung für die Folgen des Holocaust zurückgewiesen, sondern die Überlebenden von gestern auch mit den Nazis gleichgesetzt. Martin Jander gelang es mit seiner erschütternden Problemanalyse, ins Schwarze zu treffen: In der anschließenden Diskussion entspann sich ein zeitweise heftiger Disput über die fatale Rolle der deutschen Linken im Verhältnis zu Israel. An der Debatte, die immer wieder zwischen Selbstbezichtigung und Verdrängung oszillierte, beteiligten sich auch sog. Veteranen und ehemalige Akteure der 68er-Generation. Der intensive Dialog wurde bei Wein und Brezel noch weit nach dem offiziellen Veranstaltungsende fortgesetzt ...
Oben rechts: Maria Haendtke-Hoppe wies auf die Probleme bei der Aufarbeitung der SED-Herrschaft in Berlin hin. Links unten: Dr. Rainer Bernstein, Unterstützer der "Genfer Initiative", gab zu bedenken, dass die Kritik an Israel in den 70er Jahren auch auf politische Veränderungen in Israel mit dem gewinnenden Einfluss der Religiösen zurückzuführen war. Rechts: Eva Nickel, Mitglied der Jüdischen Gemeinde, machte auf die schwierige Situation der Juden unter dem Honecker-Regime aufmerksam.
Nach der Veranstaltung war Dr. Martin Jander umringt von interessierten Nachfragern. Unten rechts: Dr. Martin Kloke mit Dr. Julia Brauch und Judith Schwieder, Geschäftsleiterin der DIG Berlin/Potsdam.
Hier finden Sie den gesamten Vortrag von Dr. Martin Jander im PDF-Format zum Runterladen.Wir danken dem Referenten sehr herzlich für die Bereitstellung seines überarbeiteten Manuskripts.
Mehr zum Thema:
Paradoxe Kontinuitäten, Offene Wunden: Die RAF, die Studentenbewegung und die Last des Nationalsozialismus, Kommentar von Paul Nolte im Tagesspiegel vom 11. November 2007
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