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Am 10.07.2008 wurde im Jüdischen Museum das Buch "Israel. Ein Staat sucht sich selbst" vorgestellt - Lesung und Diskussion mit Igal Avidan und Maria Schrader Bericht und Fotos von Meggie Jahn
Maria Schrader , die bei der Veranstaltung die meiste Aufmerksamkeit fand, in der ersten Reihe. Rechts: Der Vorsitzende der DIG Berlin und Potsdam, Jochen Feilcke, bei seinem Grußwort.
Auf Einladung des Diederichs-/Heinrich Hugendubel-Verlags, des Jüdischen Museums Berlin, der DIG Berlin/Potsdam und der Jüdischen Volkshochschule stellte der israelische Journalist und Politologe Igal Avidan am 10. Juli 2008 in einem wunderbaren Ambiente sein erstes Buch "Ein Staat sucht sich selbst" vor. Jochen Feilcke zeigte sich in seinem Grußwort gegenüber rund 500 Gästen im Lichthof des Jüdischen Museums hocherfreut über diese erste Kooperationsveranstaltung mit dem Museum. Er hoffe, dass die nun begonnene Zusammenarbeit bald fortgesetzt werden könne. Während er erst kürzlich mit dem heutigen Ehrengast Maria Schrader das Jüdische Filmfestival in Potsdam eröffnen durfte, sei Igal Avidan bereits mehrfach unser Gast gewesen. Mit Spannung erwarte er jetzt - im 60sten Jahr der Staatsgründung - die Vorstellung seines ersten Buches.
In "Ein Staat sucht sich selbst", so Martin Scherer vom Diederichs-/Heinrich Hugeldubel Verlag, verbinde Avidan Geschichten von Israelis aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und wende sich damit drei Problemfeldern der israelischen Gesellschaft zu: dem Konflikt zwischen orthodoxen und säkularen Juden, zwischen jüdischen und arabischen Israelis sowie zwischen Israelis und Palästinensern. Avidan skizziere auf der Grundlage von 80 Interviews mit Politikern, Wissenschaftlern, Literaten und Aktivisten eine "Roadmap" für den Staat, der sich auch 60 Jahre nach der Staatsgründung noch im ständigen Ausnahmezustand befindet.
 Igal Avidan dankte den Veranstaltern für die Einladung und Maria Schrader für ihre Bereitschaft, an diesem Abend aus seinem Buch zu lesen. V.l.: Maria Schrader, Igal Avidan und Martin Scherer vom Verlag, der moderierte.
Die Schauspielerin Maria Schrader - bekannt aus Film und Fernsehen - die erst kürzlich für den Film "Liebesleben" nach einem Roman von Zeruya Shalev drei Monate zu Dreharbeiten in Israel war, las aus vier Kapiteln des Buches von Avidan, in denen eine bunte Mischung von Frauen in Israel im Mittelpunkt standen: Eine christliche Araberin, eine orthodoxe Jüdin, eine katholische Französin, die zum Judentum konvertieren will und kurz vor der Einwanderung nach Israel steht, und eine lesbische Deutsche mit Kinderwunsch, die wegen der Bevölkerungspolitik im Judenstaat nach Israel ausgewandert war.

Maria Schrader bei der Lesung.
Gelesen wurde aus folgenden Kapiteln:
Seite 110 – Kap. 4.3 Checkpoint Ben Gurion – Textlesung: S. 110-111 + S. 113
Thema: Nadia Hilo, die erste christlich-arabische Israelin in der Knesset
Seite 130 – Kap. 5.2 Eine Orthodoxe mit Schattierungen – Textlesung: S. 130 – 133/134
Thema: Tzvia Greenfield, die orthodoxe „linke“ Politologin aus Jerusalem, die sich für liberale Werte und für die Demokratie einsetzt.
Seite 140 – Kap. 5.3 Jüdin werden – zweimal – Textlesung: S. 140-142, S. 145-146
Thema: Sophie Lagnier, die katholische junge Französin, die zum Judentum konvertieren und nach Israel auswandern möchte.
Seite 169 – Kap. 5.6 Das Land der Kinder – Textlesung: S. 169-171
Thema: Kathrin, die lesbische Deutsche in Israel mit Kinderwunsch - Bevölkerungspolitik in Israel
Maria Schrader und Igal Avidan gelang es mit Charme und Witz sowie spannenden Hintergrundgeschichten zu den einzelnen Kapiteln beim Publikum Lust auf das Buch zu machen, und so fanden sich am Büchertisch im Anschluss an die Lesung viele Käuferinnen und Käufer. Doch zuvor bestand für das Publikum Gelegenheit, mit den Gästen des Abends zu diskutieren.
Die Diskussion zeigte ein weiteres Mal, dass Israel seit der Staatsgründung um Sicherheit ringt und dieses Thema alles andere überlagert. Die Spannungen zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen sind dadurch nicht geringer geworden, sondern haben sich weiter verschärft.
Ein armenischer Christ aus dem Libanon fragte, warum das Zusammenleben von Israelis und Palästinensern so schwierig sei, schließlich lebten die Armenier sowohl im Libanon und anderen arabischen Ländern, aber auch mit Israelis friedlich zusammen. Der Autor verwies u.a. auf den jahrezehntelangen, und täglich neu genährten Hass zwischen beiden Seiten angesichts der anhaltenden Besatzungssituation und der unseligen Verquickung von Politik und Religion.
 Maria Schrader faszinierte das Publikum mit ihrer Natürlichkeit und mädchenhaften Anmut. Gefragt nach Parallelitäten zwischen den Interviews im Buch von Avidan und ihren eigenen Erfahrungen in Israel bestätigte sie, dass sie dort vieles wiedergefunden habe, so u.a. die Offenheit der Menschen, aber auch die schmerzlichen Erfahrungen von Holocaust-Überlebenden in der Anfangszeit.
 Maria Schrader und Igal Avidan freuen sich über einen erfolgreichen Abend.
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