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Kundgebung des "Berliner Bündnisses gegen den Al-Quds-Tag" am 21. Oktober 2006
auf dem Breitscheidplatz

Bericht und Bilder von Meggie Jahn und Friedrich W. Zimmermann


Stefan Krikowski, Mitglied der DIG Berlin, wartet im Tross auf die Al-Quds-Demonstranten. Im Hintergrund die Gedächniskirche


Bereits zum 4. Mal fand in diesem Jahr auf Initiative des "Berliner Bündnisses gegen den Al-Quds-Tag
", dem seit 2005 auch die DIG Berlin und das Berliner Jugendforum angehören, eine Kundgebung gegen die alljährlich stattfindende Demonstration von Khomeini-Anhängern zum Al-Quds-Tag statt. Ayatollah Khomeini hatte 1979 alle Muslime dazu aufgerufen, an jedem letzten Freitag im Ramadan für die "Befreiung Jerusalems" und für die Vernichtung Israels auf die Straße zu gehen.

In diesem Jahr konnte bis zum Vorabend der Demonstration nicht geklärt werden, welche Route Innensenator Körting schließlich genehmigen würde, das Bündnis ging deshalb davon aus, der Demonstrationszug werde - wie im letzten Jahr - nicht über den Kudamm führen, sondern über die Kantstraße umgeleitet. Offenbar bedingt durch das "friedlich" klingende Motto der Islamisten "Gerechtigkeit für die Palästinenser - für eine friedliche Zukunft der Juden" war dem leider nicht so. Wir mußten deshalb ab Freitag abend alle an der Kundgebung Interessierten über E-mail und Internetseite kurzfristig informieren, dass nicht die Schlüterstraße/Ecke Kantstraße, sondern der ebenfalls in Erwägung gezogene Breitscheidplatz Kundgebungsort sein würde. Ganz offensichtlich war es den Islamisten gelungen, auch den Berliner Polizeipräsidenten über ihre wahren Absichten - zur Vernichtung Israels aufzurufen - hinwegzutäuschen. Besonders perfide: Als Gastredner hatten sie 2006 einen ultraorthodoxen, antizionistischen Rabbiner aus Wien namens Moische Arye Friedmann eingeladen, der aus religiös-fundamentalistischen Gründen Israel die Existenzberechtigung abspricht und dies in seiner Rede bei der Abschlusskundgebung an Tauentzien auch lautstark kund tat. Tatsächlich hatte er sich zuvor auch mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad getroffen.

Bei der Gegenkundgebung, zu der verschiedene antiislamistische Organisationen aus Berlin aufgerufen hatten, sprachen nicht nur Vertreter verschiedener politischer Parteien aus Bundestag und Abgeordnetenhaus, sondern auch Dr. Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Jochen Feilcke, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und ehemaliger CDU-MdB, sowie Repräsentanten iranischer Exilorganisationen und Lars Breuer vom "Bündnis gegen Antisemitismus".

Trotz zum Teil unterschiedlicher Meinungen über die Politik Israels und einiger unüberhörbarer Spitzen gegen die US-Politik im Irak verteidigten alle Redner das Existenzrecht Israels und wiesen die wiederholten Leugnungen des Holocaust durch den iranischen Präsidenten vehement zurück. Insbesondere die iranischen Vertreter verurteilten die Menschenrechtsverletzungen im Iran wie Folter, die Verfolgung von Andersdenkenden, religiösen und anderen Minderheiten sowie die Unterdrückung von Frauen. Jochen Feilcke zeigte sich erfreut über die gute Kooperation im Rahmen des "Berliner Bündnisses gegen den Al-Quds-Tag" und die gemeinsame Solidarität mit Israel, insbesondere auch mit Organisationen migrantischen Hintergrunds. Dies zeige, "dass nicht d e r Islam unser Feind ist, sondern wir auch mit Muslimen gemeinsam für universelle Werte wie Demokratie, Menschenrechte und Freiheit streiten".

Gegen Mittag näherte sich der Demonstrationszug mit ca.400 Teilnehmern, Frauen und Männer strikt getrennt, vom Kudamm aus kommend dem Breitscheidplatz, wo sie von uns mit "Evenu Shalom Alechem" und einem iranischen Freiheitslied empfangen wurden. Ca. 200 Gegendemonstranten empfingen die Demonstranten mit Israel-Fahnen und Slogans wie "Israel ist auf der Karte, um dort zu bleiben", "I like Israel" (ILI), "Keine Toleranz für Terroristen" oder auch "Gegen Hasspropaganda. Für einen wirklichen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern. Israel muss leben". Mißlich für den Zuspruch an diesem Tag war sicher auch der Demonstrations-Marathon in Berlin, wo u.a. der DGB zu einer großen Kundgebung gegen Sozialabbau und verschiedene Organisationen gegen einen Aufmarsch von Neonazis aufgerufen hatten.

Hier finden Sie unseren Aufruf.

Im Folgenden finden Sie einige Schnappschüsse von unserer Kundgebung sowie von der Al-Quds-Demonstration:


Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung) und Nasrin Bassiri (Radio Multikulti) moderierten die Kundgebung. Die Berliner Rapcrew CONEXION MUSICAL. Sie spielen internationalen Hiphop für ein soziales Miteinander.

Die Redner warten auf ihren Einsatz. Links neben Jochen Feilcke, Dr. Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismusforschung Berlin. Cem Özdemir (MdEP Bündnis 90/Die Grünen)

Dr. Mehran Barati, Iranischer Exilpolitiker Mitte: Arne Behrensen, einer der Organisatoren der Gegenkundgebung, Mitglied des Bündnisses gegen Antisemitismus

Evrim Baba (MdA Linkspartei.PDS) nach ihrer Rede im Gespräch mit Jochen Feilcke.

Markus Löning (MdB FDP)

Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde Deutschland

Der Europaabgeordnete und frühere Bundestagsabgeordnete Cem Özedemir.Jochen Feilcke im Gespräch mit der Erstunterzeichnerin Dr. Sylke Tempel, Journalistin und Publizistin.

Jochen Feilcke, Vorsitzender der DIG Berlin und ehemaliger CDU-MdB

Sarah Diner und Kerstin von der Krone, beide Mitglieder des DIG-Vorstands und des Jugendforums, im Gespräch.

Hakan Taş, Journalist'Die

Gideon Joffe im GesprächMitte: Gerlinde Gerber, Vorsitzende des Jugndforums

Mina Ahadi, Internationales Komitee gegen SteinigungenAnetta Kahane gibt ein Interview.

Meggie Jahn und Jochen Feilcke auf der Kundgebung, links: Hanka Majewski, eine der Koordinatorinnen der Kundgebung. Ein Redner der iranischen Konstitutionalisten, die zwar die Pawlewi-Dynastie wieder einführen wollen, diesem aber weitgehend repräsentative Aufgaben überlassen wollen. Die Übernahme politischer Aufgaben soll durch eine Verfassung geklärt werden.

Lars Breuer vom Bündnis gegen Antisemitismus Berlin

Die Polizei drängt die Protestierer ab von dem Demonstrationszug der Al-Quds-Anhänger.

rechts: Stefan Krikowski und Christine Mähler, Leiterin der Koordinierungsstelle für den deutsch-israelischen Jugendaustausch

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, wartet mit Mitgliedern der Initiative I LIKE ISRAEL auf die Al-Quds-Demonstranten

Giyasetin Sayan, Abgeordneter der PDS im Abgeordnetenhaus

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